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Die Eigentümer von Notenbanken: Das Ziel ist politische Unabhängigkeit

Notenbanken, oder auch Zentralbanken, lenken die Geld- und Währungspolitik eines Staates oder Währungsraums.

Für die 17 Staaten des Euroraums erfüllt diese Funktion die Europäische Zentralbank (EZB).

Europäische Notenbank – die Eigentümer sind die nationalen Zentralbanken

Die europäischen Mitgliedsländer ohne Euro haben ihre eigenen zentralen Notenbanken – wie zum Beispiel die Bank of England in Großbritannien.

Eigentümer der EZB sind jedoch die Zentralbanken aller 27 EU-Mitgliedsstaaten.

Sie stellen einen Anteil am Kapital der EZB, den man mithilfe eines Schlüssels berechnet. Er ist umso höher, je größer der Anteil eines Landes an der Gesamtbevölkerung und der Wirtschaftsleistung der europäischen Union ist.

Die EZB passt diese Kennzahl alle fünf Jahre an sowie dann, wenn ein neues Land der Union beitritt.

Die Zentralbanken der Eurozone halten rund 70% des EZB-Kapitals, die Nicht-Euroländer sind die Eigentümer der restlichen 30% der Notenbank.

Insgesamt beläuft sich das EZB-Kapital auf knapp 11 Mrd. €. Die Deutsche Bundesbank stellt davon mit etwa 2 Mrd. € rund 19% dieser Summe. Zweitgrößter Geldgeber ist die Banque de France mit gut 1,5 Mrd. €.

Große Anteilseigner erhalten auch einen größeren Teil des Gewinns, den die EZB jährlich ausschüttet. Die Deutsche Bundesbank gibt dieses Geld an den Bundeshaushalt weiter.

Federal Reserve: Notenbank mit privaten Banken als Eigentümer

Das Notenbanksystem in den Vereinigten Staaten von Amerika, das sogenannte Federal Reserve System, hat eine öffentlich-private Leitungsstruktur.

Es besteht aus 12 regionalen Federal Reserves. Die Eigentümer dieser Notenbanken sind rund ein Drittel der amerikanischen Privatbanken, die teilweise gesetzlich dazu verpflichtet sind.

Jedoch verfügen diese Banken nicht über die üblichen Aktionärs-Mitspracherechte. Auch sind die Fed-Anteilsscheine nicht übertragbar.

Vielmehr bestimmt das sogenannte Open Market Committee (Offenmarktkomitee) die Geld- und Währungspolitik der USA. Deren Vorstand wird vom amerikanischen Präsidenten ernannt. Zurzeit ist das Ben Bernanke.

Nichtstaatliche Eigentümer – theoretische Unabhängigkeit der Notenbanken

Offiziell ist die Notenbank Fed eine unabhängige Institution mit nichtstaatlichen Eigentümern, die ihre Entscheidungen nicht vom US-Präsidenten absegnen lassen muss.

Aber sie unterliegt der Aufsicht des amerikanischen Parlamentes, das die Satzung der Bank ändern kann.

Auch die Notenbank EZB mit den Zentralbanken als Eigentümern ist offiziell unabhängig. Sie soll vor allem eine niedrige Inflationsrate, also möglichst wenig Wertverlust des Euros, gewähren.

Mehr zum Thema: Die Ziele der Notenbanken

Jedoch wird die Unabhängigkeit von Zentralbanken seit der Weltwirtschaftskrise immer mehr in Frage gestellt.

Expansive Geldpolitik anstelle von Preisstabilität

Kommentatoren sagen beispielsweise, dass Regierungen südeuropäischer Länder die EZB geradezu personell gekapert haben.

Mit dem Italiener Mario Draghi an der Spitze habe die Zentralbank dürftig abgesicherte Notkredite für Krisenländer genehmigt.

In Japan ernannte die Regierung jüngst Kuroda Haruhiko zum Notenbankchef. Der ist als Befürworter einer expansiven Geldpolitik bekannt. Wenn Geld in die Wirtschaft gepumpt wird, so die Hoffnung, sorgt das für zusätzliches Wachstum.

Und das bringt zusätzliche Stimmen für Politiker.

Mehr zum Thema: Japan – Die Notenbank pokert hoch

Bei einer expansiven Geldpolitik muss man jedoch auch mit steigenden Preisen rechnen, was ja nun der Hauptaufgabe dieser Notenbanken widerspricht.

26. April 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Lisa Louis
Von: Lisa Louis. Über den Autor

Lisa Louis ist freie Journalistin in Paris. Sie hat internationale Volkswirtschaftslehre in Deutschland und Frankreich studiert. Mit ihrem Wissen hilft Sie Lesern bei grundsätzlichen Fragen der Geldanlage und der Privaten Vorsorge.