von Heiko Böhmer

Die erste große Solar-Pleite in Deutschland

Nach den USA erfasst die Pleitewelle in der Solarindustrie auch den deutschen Markt

Nach den USA erfasst die Pleitewelle in der Solarindustrie auch den deutschen Markt

So etwas nennt man wohl einen Totalverlust: Die Aktie von Solon notiert nach der Ankündigung der Insolvenz nur noch bei rund 0,50 Euro.

In der Spitze kostete die Aktie im Herbst 2007 kurzzeitig über 85,00 Euro.

Dazwischen liegt eine lange Zeit der Leiden für die Investoren. Und Solon ist nur ein Beispiel für die strauchelnde Solarindustrie in Deutschland.

Der Niedergang der einstigen Vorzeigebranche wird wohl im kommenden Jahr noch weitere Opfer hervorbringen. Dafür sind die Vorzeichen in diesem einstigen Wachstumssegment einfach zu schlecht.

Speziell Modulhersteller leiden unter den Überkapazitäten. Weltweit gibt es aktuell bestehende Produktionskapazitäten von 50 Gigawatt. Doch im laufenden Jahr wird das gesamte Absatzvolumen wohl nur noch 20 Gigawatt betragen. Und für 2012 ist hier wohl kaum mit einer Entspannung zu rechnen.

Die massiven Überkapazitäten haben in diesem Jahr zu einem drastischen Preisverfall bei den Modulen geführt. Allein in diesem Jahr sind die Preise erneut um ein Drittel eingebrochen. Doch damit hat sich der Abwärtstrend nur fortgesetzt.

Die Glanzzeiten der Branche endeten eben viel schneller als von vielen Experten erwartet. Es gab zwar den Solarboom in den vergangenen Jahren. Doch der Anteil der deutschen Hersteller am ganzen Kuchen ist deutlich kleiner geworden.

Bis ins Jahr 2007 hatten die deutschen Hersteller wie eben Solon einen technologischen Vorsprung vor der aufkommenden asiatischen Konkurrenz, die vornehmlich aus China stammt.

Doch danach zeigten sich zwei Dinge: China war sehr schnell in der Lage die Qualitätslücke zu deutsche Anbietern zu schließen. Und das gelang auch noch bei deutlich niedrigeren Kosten.

Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs bildeten auch deutsche Maschinen zur Herstellung der Module. Insofern könnte man hier überspitzt sagen, dass die deutschen Maschinenfirmen den Modulherstellern den Untergang bereitet haben.

Auch in den USA weitere Hiobsbotschaften bei Solarwerten

Doch auch in den USA reißt der Strom der negativen Meldungen aus dem Sektor nicht ab. So hat First Solar erst gestern ein weiteres Mal die Jahresprognose gesenkt. Das geschah nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr.

Immerhin ist der Modulhersteller noch profitabel. Doch erwartet First Solar nun nur noch einen Gewinn zwischen 5,75 und 6,00 Dollar pro Aktie. Zuvor lag der Vergleichswert immerhin noch bei 6,60 bis 7,50 Dollar.

Enttäuscht zeigte sich die Börse auch vom schwachen Ausblick: Unternehmenschef Mike Ahearn erwartet auch 2012 keine schnelle Verbesserung. Die Reaktion an der Börse war mit einem Kursrutsch von rund 20% schon heftig.

Es bleibt dabei: Bei den Solaraktien ziehen unvermindert weitere dunkle Wolken auf und auch 2012 wird weiterhin sehr schwierig für die Branche werden.

So sinken in Deutschland einmal mehr die Einspeisevergütungen. Aber dennoch bleibt Deutschland mit einem Weltmarktanteil von rund 20% bei der installierten Leistung weiterhin einer der wichtigsten Märkte.

Das allein ist schon eine erstaunliche Tatsache bei unseren Klimaverhältnissen. Wenn schon Energiewende, dann sollten wir hier in Deutschland auch auf ertragreiche Quellen wie die Windenergie setzen.

 
 
Bildquelle: laurent hamels - Fotolia

Autor:

Heiko Böhmer

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