von Heiko Seibel

Die EZB mutiert vollends zur Bad Bank

Die EZB mutiert vollends zur Bad Bank

Es kam, wie es kommen musste – und wie ich es schon lange prophezeit habe:

Die Europäische Zentralbank greift stärker in die Schuldenkrise ein. Das wird zwar kurzfristig eine Menge Geld in den Markt pumpen – und das erklärt die Hausse zum Jahresbeginn.

Doch irgendwann müssen die ganzen Kredite zurückgezahlt werden. Oder aber sie werden abgeschrieben, was wir alle mit niedrigeren Investitionen und steigenden Steuern bezahlen werden.

Schrotthändler in Frankfurt

Das also wird auf uns zukommen: Europas Banken brauchen schon wieder deutlich mehr Geld, um die Gefahr einer Kreditklemme abzuwenden.

Nach wie vor misstrauen sich die Banken, sie leihen sich untereinander kein Geld. So kann kein Schwung in die Wirtschaft kommen, die Gefahr einer deflationären Rezession besteht weiterhin.

Billiges Geld für alle

Und so greift – surprise, surprise – die ehrenwerte Notenbank zu einem kleinen Zaubertrick: Wie die "Financial Times" berichtet, planen die größten Geldinstitute der Euro-Zone, ihre Notkredite bei der EZB auszuweiten - auf bis zu eine Billion Euro.

Die EZB will also im Februar den Eurozonen-Banken erneut unbegrenzten Kredit für drei Jahre anbieten. Bislang ist das Geld noch festgefroren, es kommt nicht in Form einer verstärkten Kreditvergabe in der Realwirtschaft an.

Allenfalls Immobilienkäufer freuen sich, weil die Banken Hypotheken mit niedrigen Zinsen anbieten, denn das Darlehen ist ja mit Haus oder Wohnung besichert.

Schrott für die Währungshüter

Viel schlimmer: Die EZB wird zur ultimativen Bad Bank der Eurozone mutieren. Offiziell ist es noch nicht. Doch spätestens am 29. Februar soll der nächste Sündenfall verkündet werden, munkeln Banker in Frankfurt:

Nicht nur sollen die Banken so viel Geld wie sie wollen für bis zu drei Jahre zu einem Prozent Zins bekommen - die Sicherheiten, die sie dafür hinterlegen müssen, können auch von schlechterer Bonität sein. Willkommen auf der finanziellen Müllhalde.

Niemand gibt Portugal Kredit

Schon jetzt kauft die EZB jeden Schrott, den sie finden kann. Beispielsweise Staatsanleihen von Portugal. Sonst kauft keiner. Im Chart unten erkennen Sie den Renditeabstand von deutschen zehnjährigen Anleihen zu den portugiesischen Pendants.

Zweifel an Portugal wachsen

Portugal hatte sich zur Fußball-EM 2004 ein paar nette Stadien und Straßen geleistet. Außer Tourismus und Landwirtschaft hat die Volkswirtschaft aber wenig zu bieten. So steht die Rückzahlung der Schulden in den Sternen, weswegen die Anleihenkurse sinken und die Renditen steigen.

Anstatt das Votum des Marktes zu respektieren, Lissabon in den Bankrott zu geleiten und mit einer eigenen, billigen Währung wieder neu anzufangen, kauft die EZB. Schöne neue Welt, des Finanz-Sozialismus…

Die Wirkung der Intervention ist bei den Anleihen schon sichtbar: Die 10jährigen Renditen sinken, stehen aber immer noch weiter über der KO-Marke von ca. 7%. Portugal ist vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Nur Sie und ich und die anderen Steuerzahler aus den Nordländern geben diesem kaputten Land noch Kredit.

EZB-Stütze wirkt

Und die Moral von der Geschicht: Traue Notenbankern nicht. Die EZB hat die letzten geldpolitischen Fesseln abgestreift. Die alte Bundesbank ist tot. Die Inflation kommt früher oder später. Die Geldflut treibt Aktien und Edelmetalle an. Wir werden von der Unvernunft der Notenbanker profitieren.

 
 
Bildquelle: Yuri Arcurs - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

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