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Die FED und das Geld: So steuert eine Privatbank die Welt

Ob Anleger ihr Geld in Aktien oder Anleihen investieren oder ob sie es doch lieber vergolden – die Wahl  hängt letztlich von der FED ab, der Federal Reserve Bank in Washington.

Sie bestimmt die Geldpolitik der führenden Volkswirtschaft. Ihre Entscheidungen über Zinsen und Geldmengen beeinflussen die Finanzmärkte weltweit. Schon eine Äußerung des Notenbank-Chefs kann die Börsen auf Berg- und Talfahrt schicken.

Die FED als die Antwort auf ein Bankenmonopol

Die FED ist Hüterin der Leitwährung Dollar und kann Geld drucken. Das legt die Vermutung nahe, es handele sich um eine öffentliche Institution. Doch anders als die Bundesbank oder die EZB ist sie eine private Einrichtung.

Deswegen steht sie etwa im örtlichen Telefonbuch nicht auf den blauen Regierungsseiten, sondern im Gewerberegister, unauffällig neben Federal Express und einer Reinigung – die FED, die die Geschicke der Finanzwelt lenkt. Um die Rechtsform als Privatinstitution ranken sich schon immer Mythen nach dem Muster: „Die Wallstreet beherrscht die Welt“.

Dabei wurde sie gegründet, um die unkontrollierten Auswüchse eines Bankenmonopols zu verhindern. Anlass war die verheerende Bankenpanik von 1907. Eine Zentralbank sollte fortan das Finanzsystem und den Dollar stützen. Bei der Frage, ob staatlich oder privat gab Präsident Woodrow Wilson dem Druck der Bänker Rockefeller und JP Morgan nach. Sie verhalfen ihm zum Wahlsieg, er verhalf ihnen zur ersten (privaten) Zentralbank. Eine umstrittene Entscheidung, die Wilson später selbst infrage stellte.

Private Notenbank mit politischen Ambitionen

Am 23.12.1913 wurde die FED gegründet. Genaugenommen: das FED. Denn es handelt sich um ein ganzes Notenbanksystem, das Federal Reserve System, getragen von 12 Privatbanken. Allerdings unterliegt es einer Reihe staatlich festgelegter Pflichten. Die Regierung bestimmt die Zuständigkeiten und das Leitungsgremium der Notenbank.

Insofern ist die FED eine privat-staatliche Mischkonstruktion. In der Sache jedoch ist die FED unabhängig, agiert aber sehr politisch. Neben Geldwertstabilität, Regulierung der Geldmenge und Leitzinsfestlegung, ist es ihre Aufgabe, eine geringe Arbeitslosigkeit sicherstellen. Dabei versucht sie, die Wirtschaft um jeden Preis am Laufen zu haltenIn der Regel mit niedrigen Zinsen. Und genau hier liegt Problem: Der Umgang mit der Notenpresse in Krisenzeiten.

Die FED und das Geld – mit der Notenpresse gegen Krisen

So hatte die FED in der Weltwirtschaftskrise 1929 die Geldpressen zu früh angehalten und damit die Rezession verlängert. Umgekehrt in den 70er Jahren: Die lockere Geldpolitik dauerte zu lange. Es folgte eine hohe Inflation.

Die Zinsen wurden auch nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes im Jahr 2000 lange niedrig gehalten. Das brachte Alan Greenspan, dem langjährigen FED-Chef, den Vorwurf ein, die Immobilienblase mitausgelöst zu haben. Die Politik der niedrigen Zinsen beschäftigt die Finanzwelt bis heute.

Ruf nach mehr Kontrolle

Das uneingeschränkte Handeln der FED sorgt zunehmend für Kritik, auch im US-Kongress. Einige wollen die FED am liebsten ganz abschaffen, die meisten fordern mehr staatliche Kontrolle. Der Vorwurf: Die Macht liegt in den Händen von 12 Banken, die hinter verschlossenen Türen Zinssätze festlegen, ohne jede Kontrolle.

Die Wallstreet steuert nun doch die Geldpolitik wie sie will. Dabei sollte gerade das durch die Gründung der FED vor 100 Jahren verhindert werden. Einen Dämpfer bekam die FED bereits vom obersten US-Gericht. Die Zentralbank musste Informationen über Notfallkredite für Banken während der Finanzkrise veröffentlichen. Sie hatte sich zuvor geweigert mit der Begründung, sie sei eine private Institution.

Für das Gericht jedoch gleicht die FED mit ihrer Verantwortung einer öffentlichen Einrichtung. Gleich ob mit mehr oder weniger Kontrolle – die FED wird auch weiterhin über Zinsen, Geldmengen und Finanzströme weltweit entscheiden. Mit der bisherigen Niedrigzinspolitik hat sie die Aktienbörsen am Laufen gehalten und den Aktionären Gewinne beschert.

Sollte sie sich von niedrigen Zinsen tatsächlich verabschieden, so mögen Anleihen wieder attraktiver werden. Aktien aber werden deswegen nicht weniger interessant. Die Zinsen steigen nur insoweit wie US-Wirtschaft gedeiht. Und in Boomzeiten floriert bekanntlich die Börse.

3. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.