27.01.2012 - 19:00 Uhr von Heiko Seibel

Die Geldflut schiebt die Wall Street an

Die Geldflut schiebt die Wall Street an

Wie sich die Bilder gleichen: Auch im neuen Jahr schwelt die Eurokrise wie zu erwarten weiter.

Unsere Politiker in Berlin, Brüssel und Paris machen sich für einen Maulkorb für die Ratingagenturen stark, damit es keine kritischen Stimmen mehr gibt, wenn das Gemurkse weitergeht.

Auf dem alten Kontinent haben die PIGS-Staaten die gleichen Probleme wie immer, sich Geld zu leihen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die EZB die Druckerpresse anwerfen wird. Zu allem Überfluss soll nun auch noch der IWF mit mehr Hilfen bereit stehen.

Nach der Krise ist vor der Krise

Neues Jahr, gleiche Misere: Gerade hat sich der Internationale Währungsfonds (IWF) zu Wort gemeldet und den Finanzbedarf klammer Staaten in den nächsten Jahren auf 1000 Milliarden Dollar beziffert. Das ist doch mal ein Wort.

Für einen Teil davon würde der Fonds notfalls aufkommen - dafür braucht er aber mehr Geld. IWF-Chefin Lagarde setzt unverkennbar auf die Schwellenländer.

Und wie reagieren die Börsianer: Sie zucken mit der Schulter und freuen sich über neue Wellen an Geld. Trader sind eben ein abgebrühter Menschenschlag. Allen voran die Wall Street verlässt sich auf die rotierende Geldpresse des Ben Bernanke. Schauen Sie nur, wie vorbildlich der Dow Jones seit dem Lehman-Crash nach oben gelaufen ist.

Dow auf dem Weg nach oben

Der IWF will nun seine eigene Kasse um 500 Milliarden Dollar aufstocken. Das heißt, die 187 Mitgliedstaaten dürfen schon bald einen Scheck ausstellen. Derzeit verfügt der Währungsfonds noch über 385 Milliarden Dollar, ein Teil dieser Mittel ist aber schon verplant.

Und schon läuft an der Wall Street der Denkprozess: Größter Beitragszahler des IWF sind die USA, die rund ein Drittel beisteuern. Also werden hier bald die Druckerpressen noch eine Stufe schneller rotieren. Zweitgrößter Zahler ist Europa.

Die Euro-Staaten haben dem IWF bereits 150 Milliarden Euro an bilateralen Krediten zugesagt. Ob der angestrebte Beitrag von 270 Milliarden Dollar für die gesamte EU zu Stande kommt, ist aber noch unklar. Auch ziert sich zwar die EZB noch mit dem Gelddrucken; doch früher oder später wird auch unsere Notenbank einknicken.

Denn IWF-Chefin Christine Lagarde warnte jüngst, ein Übergreifen der Euro-Schuldenkrise auf weitere Weltregionen müsse verhindert werden. Da können die Währungshüter doch unschwer nein sagen, wenn es darum geht, neues Buchgeld aus dem Nichts zu schaffen.

Fluchtpunkt Washington

An den Märkten löste die Nachricht die Hoffnung aus, ein finanziell gestärkter IWF könnte notfalls Italien unter die Arme greifen. Die Kurse italienischer Staatsanleihen legten nach ersten Gerüchten über eine mögliche Aufstockung der IWF-Mittel kräftig zu.

Doch vor allem US- Anleihen bleiben gefragt. Die Investoren sind bereit, einen mikroskopischen Zins zu erhalten, wenn sie nur ja ihr Geld wiederbekommen. Schauen Sie sich den Chart der 30jährigen Zinsen mal an – die Rendite lag hier unter 3 Prozent.

Mini-Zins in den USA

Die Dauerkrise wird uns weiter beschäftigen – und wir werden weiter Profite mit ihr machen, sei es auf der Long- oder auf der Short-Seite. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

 
 
Bildquelle: Matthias Haas - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

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