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Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV): Beispielhaft erklärt

Wer den Kauf eines Unternehmens oder einer Aktie erwägt, sollte man sich zunächst unbedingt Kennzahlen wie EBIT, KGV, KUV, PEG und die durchschnittlichen Werte anderer Unternehmen derselben Branche ansehen, um diese einordnen zu können.

Doch woran erkennt man als Anleger, ob das Unternehmen, in das man bereits investiert, gut arbeitet? Die Antwort findet sich in der Gewinn und Verlustrechnung, die Aufschluss über die Finanzen eines Unternehmens gibt. Denn darin muss das Unternehmen seine Aufwendungen und Erträge offen legen – und das mindestens einmal pro Jahr, so bestimmt es das deutsche Handelsgesetzbuch.

Viele Unternehmen veröffentlichen ihre Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) allerdings jeden Monat, um selbst nicht den Überblick über die eigenen Finanzen zu verlieren und auch ihren Investoren mehr Transparenz zu bieten. Dabei können die Unternehmen zwischen dem Gesamt- und dem Umsatzkostenverfahren wählen.

GuV mit Gesamtkostenverfahren: So funktioniert‘s

Hat sich das Unternehmen für das Gesamtkostenverfahren entschieden, ordnet es in seiner GuV alle Aufwendungen allen Erträgen zu und unterteilt die einzelnen Punkte je nach deren Art (zum Beispiel ob Produkt- oder Materialkosten vorliegen).

Angenommen, ein Unternehmen verfügt über Umsatzerlöse von 10 Mio. € und erlangt einen Jahresüberschuss bzw. EBIT von 2 Mio. €: Wie gelangt es dann mithilfe des Gesamtkostenverfahrens von A nach B? Dazu gibt es für Sie ein kleines Beispiel:

GuV Umsatzkostenverfahren (Beispiel):
10.000.000 € (Umsatzerlöse)
5.000.000 € (Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen)
= 5.000.000 € (Bruttoergebnis vom Umsatz)
1.500.000 € (Vertriebskosten)
500.000 € (Allgemeine Verwaltungskosten)
+600.000 € (Sonstige betriebliche Erträge)
500.000 € (Sonstige betriebliche Aufwendungen)
= 3.100.000 € (Betriebsergebnis bzw. EBIT)
+200.000 € (Erträge aus Beteiligungen)
+100.000 € (Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens)
+50.000 € (Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge)
100.000 € (Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens)
650.000 € (Zinsen und ähnliche Aufwendungen)
= 2.700.000 € (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit)
+100.000 € (Außerordentliche Erträge)
200.000 € (Außerordentliche Aufwendungen)
= 2.600.000 € (Außerordentliches Ergebnis)
500.000 € (Steuern vom Einkommen und Ertrag)
100.000 € (Sonstige Steuern)

= 2.000.000 € (Jahresüberschuss)

Gewinn- und Verlustrechnung (GuV): Beispiel Umsatzkostenverfahren

Das Umsatzkostenverfahren innerhalb der GuV berücksichtigt – im Gegensatz zum Gesamtkostenverfahren – nur die Erträge, die mit tatsächlich abgesetzten Produkten einhergehen, und führt dementsprechend auch nur die dafür entstandenen Ausgaben als Kosten auf. Sonstige Ausgaben werden innerhalb anderer Unterpunkte, die je nach der Funktion der Mittel geordnet sind, gelistet.

Auch in diesem Fall beläuft sich der Umsatzerlös auf 10 Mio. €, der Jahresüberschuss dann schließlich auf 2 Mio. €. Der einzige Unterschied dabei ist der Aufbau der GuV – diesmal mithilfe des Umsatzkostenverfahrens erstellt.

GuV mit Gesamtkostenverfahren (Beispiel):
10.000.000 € (Umsatzerlöse)
+5.000.000 € (Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen)
+3.000.000 € (Andere aktivierte Eigenleistungen)
+100.000 € (Sonstige betriebliche Erträge aus gewohnter Geschäftstätigkeit)
4.500.000 € (Materialaufwand: Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, bezogene Waren und Leistungen)
= 13.600.000 € (Rohergebnis)
5.500.000 € (Personalaufwand: Löhne, Gehälter, Sozialabgaben, Beiträge zur Altersversorgung und Unterstützung)
2.000.000 € (Abschreibungen: Anlagevermögen ohne Finanzanlagen, unübliche Abschreibungen auf das Umlaufvermögen)
3.000.000 € (Sonstige betriebliche Aufwendungen)
= 3.100.000 € (Betriebsergebnis bzw. EBIT)
+200.000 € (Erträge aus Beteiligungen)
+100.000 € (Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens)
+50.000 € (Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge)
100.000 € (Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlagevermögens
650.000 € (Zinsen und ähnliche Aufwendungen)
= 2.700.000 € (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit)
+100.000 € (Außerordentliche Erträge)
200.000 € (Außerordentliche Aufwendungen)
= 2.600.000 € (Außerordentliches Ergebnis)
500.000 € (Steuern vom Einkommen und Ertrag)
100.000 € (Sonstige Steuern)

= 2.000.000 € (Jahresüberschuss)

Somit unterscheiden sich beide Kostenverfahren hauptsächlich zu Beginn. Das Gesamtkostenverfahren berechnet zunächst das Rohergebnis, das Umsatzkostenverfahren das Bruttoergebnis vom Umsatz. Schließlich kommen beide Verfahren allerdings zum selben Ergebnis: Das Beispielunternehmen hat einen Jahresüberschuss von 2 Mio. € erwirtschaftet.

23. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.