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Die größten Länderpleiten – Deutschland zwei Mal betroffen

Immer wieder kommt es in der Geschichte vor, dass ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Man spricht dann vom Staatsbankrott, der verheerende Auswirkungen auf Konsumenten, Anleger und auf die weltweiten Finanzmärkte hat.

Gerade in Zeiten der Finanzkrise geht die Angst vor der nächsten großen Länderpleite um, nachdem viele Länder in der EU hoch verschuldet sind. Das Thema Griechenland wird Anleger und die Politik noch eine ganze Weile beschäftigen. Die größten Länderpleiten in der Übersicht:

5. Brasilien (1999)

Lateinamerikas größte Volkswirtschaft musste im Jahr 1999 eine große Krise bewältigen. Nach der drastischen Abwertung (7,5%) der brasilianischen Währung (Real) stand Brasilien am Abgrund. Durch Einführung des Real hatte sich die Verschuldung Brasiliens zwischen 1994 und 1998 bereits mehr als verfünffacht. Brasiliens Unternehmen hatten im Ausland einen Schuldenberg von rund 100 Mrd. US-$ (74 Mrd. €) angehäuft.

Im November 1998 musste der IWF einen Stützungskredit in Höhe von 42 Mrd. US-$ (31 Mrd. €) schnüren, um das Land vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Anfang 1999 konnte Brasilien seinen Schuldendienst teilweise trotzdem nicht mehr erfüllen – damit war eine der größten Länderpleiten besiegelt.

4. Russland (1998)

Russland schlitterte mehrmals in den Staatsbankrott. Zuletzt im Jahr 1998. Damals sorgte der starke Rückgang des Ölpreises dafür, dass Russlands Staatshaushalt aus den Fugen geriet. Die Schulden wuchsen deutlich schneller als die Einnahmen.

Im August 1998 summierten sich die gesamten Schulden Russlands auf 149 Mrd. US-$ (110 Mrd. €), womit Russland mit knapp 100% des Bruttosozialproduktes verschuldet war. Mitte August 1998 erklärte Russland, die Rückzahlung von Staatsanleihen im Volumen von 13,5 Mrd. US-$  (9,98 Mrd. €) umstrukturieren zu wollen, was de facto als Staatspleite gewertet wurde.

3. Argentinien (1982 und 2001)

Auch Argentinien verzeichnete eine Doppel-Pleite. Die beiden Jahre 1982 und 2001 waren verheerend, die Argentinien-Krise erschütterte die Finanzmärkte. Im Jahr 2001 summierten sich die Schulden Argentiniens auf 130 Mrd. US-$ (96,2 Mrd. €), wovon Argentinien rund 60 Mrd. US-$ (44,4 Mrd. €) schon umgeschuldet hatte, was ausländische Banken als Staatspleite einstuften.

Zudem erklärte die Regierung Argentiniens am 26. Dezember 2001, dass die Rückzahlung von Staatsschulden vorerst eingestellt wird – gleichzeitig kündigte die Regierung mit dem Argentino eine neue Währung an.

2. Deutschland (1923 und 1945)

Deutschland war infolge des Ersten (1923) und Zweiten Weltkriegs (1945) gleich zwei Mal bankrott. Erst 20 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands (Oktober 2010) wurden die letzten Zinszahlungen in Höhe von 200 Mio. € für Staatsanleihen geleistet, um Entschädigungszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg zu begleichen.

Insgesamt stand der deutsche Kaiser nach dem Ersten Weltkrieg mit 164 Mrd. Reichsmark bei seinen Untertanen in der Kreide. Im Jahr 1929 war Deutschland mit rund 30 Mrd. Reichsmark im Ausland verschuldet. Im Jahr 1931 machten die Schulden rund 100% des Bruttosozialproduktes aus – damit war Deutschland Pleite.

Nachdem Zweiten Weltkrieg (April 1945) betrugen die Schulden Deutschlands 394 Mrd. Reichsmark. Anschließend wurden die Vor- und Nachkriegsschulden im Bezug auf die „Dawes“-, „Young“- und „Kreuger“-Anleihen neu geregelt. Bei der Wiedervereinigung Deutschlands summierten sich die Zinsrückstände aus diesen drei Staatsanleihen noch auf 239,4 Mio. D-Mark – inzwischen sind diese abgegolten.

1. Sowjetunion (1991)

Die größte Länderpleite legte die ehemalige Sowjetunion im Jahre 1991 hin. Hintergrund war ein politischer und wirtschaftlicher Zerfall der einzelnen Sowjetrepubliken, die schließlich zur Auflösung der Sowjetunion führten. Übrig blieben ein gigantischer Schuldenberg und eine Inflationsrate von 140% im Jahr 1991, die im Jahr 1992 auf über 1.500% (Hyperinflation) kletterte.

Im Jahr 1991 benötigte Russland etwa 100 Mrd. US-$ (74 Mrd. €) an Krediten, um überlebenswichtige Importe bezahlen zu können. Die Auslandsverschuldung der Sowjetunion bezifferte sich bis Ende 1991 auf mehr als 70 Mrd. US-$ (51,8 Mrd. €).

28. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands