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Die Liquiditätsfalle – was das ist

Bei der Liquiditätsfalle handelt es sich um eine volkswirtschaftliche Theorie, die dem Wirtschaftswissenschaftler John M. Keynes zugeschrieben wird.

Der Begriff bezeichnet demnach einen Zustand, in welchem dem Wirtschaftskreislauf wenig Geld zur Verfügung steht, weil Investitionen und Geldanlagen gemieden werden.

Diese Situation ist vor allem deshalb kompliziert, weil die Geldpolitik der Zentralbanken nur wenig Einfluss auf die Entwicklungen haben kann.

Eine Erhöhung der Geldmenge bewirkt entgegen den geldpolitischen Zielen nicht, dass die Konjunktur angekurbelt wird. Vielmehr wird das zusätzliche Geld für spätere Investitionen gespart.

Die Merkmale der Liquiditätsfalle

In der Liquiditätsfalle tendieren die offiziellen Zinssätze so weit gegen Null, dass es für potentielle Investoren keinen Anreiz mehr für langfristige Investitionen gibt.

Hintergrund dessen ist der Zusammenhang zwischen dem Kurs zinsbringender Wertpapiere und dem Zinsniveau. Bei niedrigen Zinsen ist der Kurs in der Regel relativ hoch. Bei steigenden Zinsen sinkt der Kurs.

Da in der beschriebenen Niedrigzinssituation von Anlegern erwartet wird, dass die Zinsen in Zukunft wieder steigen werden, wird entsprechend von künftig fallenden Kursen ausgegangen.

Dadurch scheint es Investoren aussichtsreicher, längerfristige Investitionen aufzuschieben, um künftig eine höhere Rendite zu erzielen. Dies hat wiederum zur Folge, dass das liquide Geld entweder zunächst einfach gespart wird oder nur kurzfristig angelegt wird.

Eine Rolle spielt hier auch die sogenannte Liquiditätsprämie. Dabei geht es darum, dass liquides Geld den Vorteil besitzt, jederzeit abrufbar zu sein und die Möglichkeit bietet, auf Veränderungen beispielsweise am Finanzmarkt schnell zu reagieren.

Den Vorteil der Liquidität geben Anleger ungern auf, wenn es sich nicht auszahlt. Theorien besagen, dass die Rendite ca. 3% betragen muss, damit eine Anlage interessanter erscheint als die Verfügbarkeit liquiden Geldes.

Da in der Liquiditätsfalle eine solche Rendite mit langfristigen Investitionen beispielsweise in Anleihen nicht zu erreichen ist, wird der Vorteil der Liquidität gewählt und das Geld wird nicht langfristig gebunden.

Welchen Ausweg es gibt

Ein übliches Werkzeug der Zentralbanken ist es, den Zinssatz zu senken, um Anreize für Investitionen zu schaffen.

Befindet sich eine Volkswirtschaft in der Liquiditätsfalle, sind die Zinsen aber schon sehr tief gesunken und es besteht dennoch kein Anreiz für Investitionen. Eine weitere Zinssenkung ist kaum oder gar nicht möglich.

Da davon ausgegangen wird, dass die Liquiditätsfalle mit einer Deflation oder zumindest einer erwarteten Deflation einhergeht, könnte dies einen Lösungsansatz bieten. Da in der Deflation das Preisniveau sinkt, gibt es kaum Anreize zu investieren. Warum auch heute kaufen, was morgen vielleicht billiger ist?

Eine Inflation hingegen kann einen Anreiz für Investitionen darstellen. Lieber heute kaufen, als morgen mehr zu bezahlen. Dies würde die Konjunktur ankurbeln, es käme mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf und das Sparen würde weniger attraktiv.

Erwarten Investoren eine Inflation, steigt die Investitionsbereitschaft. Eine Erhöhung der Geldmenge könnte dies bewirken, ist jedoch kein Garant.

Es besteht die Gefahr, dass das zusätzliche Geld wiederum gespart wird, um erst später, zu vermeintlich günstigeren Zeitpunkten, Investitionen zu tätigen.

31. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.