An den Aktienmärkten spielen die Kurse weiter verrückt. Der DAX erlebte heute eine wilde Achterbahnfahrt und schwankte zwischen 6.150 und 6.450 Punkten. Auch in den USA gibt es in den ersten Handelsstunden sehr hohe Schwankungen.
Zumindest wird immer deutlicher, wie der Kurssturz abgelaufen ist (auf Wochenbasis haben viele Indizes über 10% verloren). Auslöser waren zu Beginn der Woche schwache Konjunkturdaten aus den USA. Die Stimmungsindikatoren in den Sektoren Industrie und Dienstleistungen signalisieren eine Wachstumsschwäche. Das war der erste Dominostein, der gekippt ist. Danach bestimmten Charttechnik und automatische Handelssysteme das Geschehen.
Das erklärt auch, warum selbst positive Konjunkturdaten keine Gegenbewegung einleiten konnten. So ist es in den Medien fast untergegangen, dass es in der zweiten Wochenhälfte einige unerwartet gute Konjunkturdaten aus den USA gab. Die privaten Bauausgaben sind stärker gestiegen als erwartet und der Arbeitsmarkt liefert erste Lebenszeichen. So wurden im Juli in den USA 117.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Volkswirte hatten nur mit gut 75.000 neuen Stellen gerechnet.
Politik hat versagt
Die Politik hat in dieser Wirtschaft- und Schuldenkrise gleich doppelt versagt: Zum einen wurden die finanziellen Reserven zu schnell verballert. Jetzt sind die meisten Regierungen finanziell handlungsunfähig.
Fast noch schlimmer ist aber das fehlende Niveau. Egal ob USA, Japan, Deutschland, Italien oder Spanien, überall erleben wir schwache Regierungen. Deutschland war früher Vorreiter in Europa, heute können wohl nur die Regierungsmitglieder sagen, welche Ziele erreicht werden sollen. Die fehlende Orientierung verunsichert die Bürger und die Wirtschaft. Japan hätte nach der atomaren Katastrophe die Chance gehabt, mit einer starken neuen Regierung eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Davon ist (noch) nichts zu spüren.
In den USA war es richtig und wichtig, dass leidenschaftlich über die Einnahmen und Ausgaben des Staates diskutiert wurde. Das Niveau einiger Diskussionen erreichte jedoch Kindergartenniveau. Der löchrige Kompromiss war eine Notlösung.
Die Notenbanken greifen weltweit ein
Da die Regierungen nicht fähig oder willig sind, gegen die Krise zu kämpfen, gibt es nur noch einen Marktteilnehmer, der für einen Umschwung sorgen kann, oder zumindest etwas Zeit „erkauft“. Und das sind die Notenbanken. So ist es kein Zufall, dass fast überall zeitgleich die Aktionen der Zentralbanken beginnen.
Die Notenbanken in der Schweiz und in Japan kämpfen gegen die Aufwertungen der Währungen. Wie gestern hier im Schlussgong beschrieben: Die Schweizer Notenbank senkt die Zinsen auf Null und pulvert weitere 50 Mrd. Franken in den Markt.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auch die ersten Pfeile verschossen. Seit Donnerstag kauft die EZB wieder Staatsanleihen, um den Markt zu beruhigen. Nächste Woche können sich die Banken für 6 Monate Geld bei der EZB leihen. Das Volumen ist unbegrenzt! Gleichzeitig dürfte die Vorentscheidung gefallen sein, dass der Zinserhöhungs-Zyklus gestoppt oder zumindest zeitlich gestreckt wird. Das Geld bleibt weltweit extrem billig. Der Markt soll mit Liquidität geflutet werden.
Warten auf die FED
Nächsten Dienstag betritt dann der letzte große Notenbank-Spieler das Spielfeld. Die amerikanische Notenbank FED wird tagen. Ich erwarte, dass die Null-Zins-Politik verteidigt und verlängert wird.
Außerdem ist es möglich, dass die FED die Märkte darauf vorbereitet, dass im Herbst das nächste große Hilfsprogramm gestartet wird. Die Zocker an den Märkten warten wie Drogensüchtige auf den nächsten Liquiditäts-Schuss. Das Programm „QE3“ dürfte aber so langsam der letzte Schuss sein. Wesentlich stärker kann auch die FED-Bilanz nicht mehr belastet werden.
Der Einsatz der Gelddruckmaschine spricht für Inflation
All die genannten Notenbank-Aktionen haben ein Ziel: Es soll Liquidität in das Finanzsystem gepumpt werden. Teilweise, um die eigene Währung zu schwächen (Schweiz, Japan), teilweise um verschuldete Staaten zu stützen (EU) und dann noch, um die eigene Wirtschaft zu stützen (USA).
In den vergangenen Monaten sind diese Rezepte gescheitert. Was blieb, waren steigende Preise in Europa und in den USA. Ob man die Zentralbanken noch als „Hüter der Währung“ bezeichnen darf, ist doch sehr fraglich. Die Inflation ist der heimliche Gewinner.



