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Die Notenbanken und ihre Politik: So wirkt sie sich für Anleger aus

Die US-Notenbank Fed sorgte für Schlagzeilen. Sie pumpte weitere 85 Milliarden Dollar pro Monat in den Markt und löste damit ein neues Allzeithoch beim DAX aus.  Hier erfahren Sie, welchen Einfluss die Notenbanken Fed und EZB auf die Aktienmärkte haben.

Fed steht dabei für Federal Reserve Bank und meint die US-amerikanische Notenbank. EZB ist das Kürzel für die Europäische Zentralbank. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind die EZB und die Fed so präsent wie nie. Es vergeht kaum ein Tag, an dem weder die Fed noch die EZB für neue Schlagzeilen sorgen. Aktuell stehen vor allem die Fed und ihr Chef Ben Bernanke im Rampenlicht.

Es geht um die erst geplante und jetzt verschobene Drosselung des laufenden Anleihekaufprogramms. Aber der Reihe nach. Was genau damit gemeint ist und was das für Konsequenzen für die Wirtschaft und vor allem für Sie als Geldanleger hat, werde ich Ihnen gleich erklären. Beginnen möchte ich aber damit, Ihnen zu schildern, was eine Zentralbank ist, was ihre Ziele sind und mit welchen Instrumenten sie ihre Ziele erreichen kann.

Bedeutung, Ziele und Instrumente von Zentralbanken

Eine Zentralbank (oft auch Notenbank genannt) ist eine für die Geld- und Währungspolitik eines Währungsraums oder Staates zuständige Institution. In den meisten Staaten wurden die Zentralbanken auf das Hauptziel festgelegt, Preisniveau- und Geldwertstabilität zu wahren.

Eine Zentralbank hält zudem die Währungsreserven und refinanziert die Geschäftsbanken. Zentralbanken emittieren Banknoten und bringen diese in Umlauf. Emittieren bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Zentralbanken Banknoten drucken lassen.

Zur Erfüllung ihrer Ziele und Aufgaben stehen den Notenbanken mehrere Instrumente zur Verfügung, die die verschiedenen Zentralbanken unterschiedlich einsetzen. Diese Instrumente sind im Wesentlichen die Steuerung der Höhe des Leitzinses und die Steuerung der Geldmenge.

Die Rolle der Fed seit der Bankenkrise

Die Fed hat als Reaktion auf die im Jahr 2008 durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers ausgebrochene Finanzkrise nicht nur ihren Leitzins auf ein historisches Tief von fast 0% reduziert. Sie hat auch ab Spätherbst 2008 mit massiven Käufen amerikanischer Staatsanleihen und hypothekenbesicherter Wertpapiere (MBS) begonnen.


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Aktuell hält die Fed amerikanische Staatsanleihen im (beinahe unvorstellbaren) Wert von etwa 3,4 Billionen Dollar. Die Bilanzsumme der Fed hat sich dadurch im Vergleich zu den Vorkrisenzeiten mehr als verdreifacht. Das vorrangige Ziel der Anleihenkäufe ist es, die langfristigen Marktzinsen zu senken und dadurch die Finanzierungsbedingungen für die Binnenwirtschaft (inländische Wirtschaft) in den USA zu verbessern, was die Konjunktur beleben soll.

Die Interventionen der Fed fanden in 3 Runden statt, die als QE1, QE2 und QE3 bezeichnet werden. QE steht dabei für „Quantitative Easing“, was übersetzt „quantitative Lockerung“ bedeutet. Es findet also eine Erhöhung der Geldmenge statt, um die Zinsen zu senken. Diese Begriffe dürften Sie bereits mehrmals in den Medien gelesen oder gehört haben. Nachfolgend finden Sie die 3 Runden des „Quantitative Easing“ (QE) in chronologischer Reihenfolge.

QE1 bis 3: Die Fed greift ein

QE1: Im November 2008 begann die Fed in einer ersten Welle, Immobilienpapiere (MBS) im Wert von 600 Milliarden Dollar zu kaufen. Bereits im März 2009 wurden die Käufe um 750 Milliarden Dollar aufgestockt. Das Ziel: Der angeschlagene amerikanische Immobilienmarkt sollte stabilisiert werden.

Außerdem griff die Fed in den Markt für amerikanische Staatsanleihen ein, indem sie für 300 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen erwarb. Die Folge war, dass die Bilanz der Fed zunächst von etwa 800 Milliarden Dollar vor der Krise auf mehr als 2 Billionen Dollar im Jahr 2012 aufgebläht wurde.

QE2: Nachdem sich die US-Konjunktur nicht wie von der Fed erhofft, erholte, beschloss diese im November 2010 eine zweite Runde von Anleihekäufen. In der Folge nahm sie zusätzliche Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar in ihre Bilanz auf. QE2 endete im Juni 2012.

Der nächste Schritt: Als quasi abgeschwächte Form von QE beschloss die Fed im September 2011 ein Programm, durch das die durchschnittliche Laufzeit der von ihr gehaltenen Wertpapiere erhöht wurde. Dazu wurden kurzlaufende Staatsanleihen verkauft und anstelle dessen längerlaufende Titel erworben.

Das Volumen belief sich auf 45 Milliarden Dollar pro Monat und insgesamt auf etwa 400 Milliarden Dollar. Durch diesen Schritt sollte das Renditeniveau in den längeren Laufzeiten zusätzlich gedrückt werden, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln. Dieser Zwischenschritt wurde von der Fed als „Operation Twist“ bezeichnet und kam in den USA bereits im Jahr 1961 zum Einsatz.

QE3: Im September 2012 folgte die dritte und bislang letzte Runde von Anleihekäufen. Erstmalig war das Programm vom Volumen her unbegrenzt ausgestaltet. Bis heute kauft die Fed Hypothekenpapiere im monatlichen Wert von 40 Milliarden Dollar. Im Dezember 2012 wurden die Käufe anlässlich der auslaufenden „Operation Twist“ auf US-Staatsanleihen ausgeweitet.

Seither nimmt die Fed jeden Monat amerikanische Staatsanleihen im Wert von 45 Milliarden Dollar vom Markt. Zusammen mit den Käufen von Hypothekenpapieren ergibt sich eine monatliche Geamtsumme von 85 Milliarden Dollar.

Die Konsequenzen: Zins-Anlagen für Sie unattraktiv, Dividenden-Aktien als Gewinner

Für Sie als Anleger bedeutet diese Entwicklung in erster Linie eines: Die Zinsen werden mit aller Macht nach unten gedrück! Wollen Sie Ihr Geld nach Abzug der Inflation vermehren, fallen viele Anlagemöglichkeiten für Sie weg. So zum Beispiel Fest- und Tagesgeldkonten und (vermeintlich sichere) Staatsanleihen.

Sollte der Leitzins in der Eurozone demnächst wieder etwas steigen, weil sich der Zustand der Eurozone besser entwickelt als gedacht, wird das Zinsniveau trotzdem nicht mehr das Niveau von vor 20 Jahren erreichen, als Sie für 10-jährige Bundesanleihen 6,5% Zinsen bekommen haben.

Das Zinsniveau einer 10-jährigen Bundesanleihe befand sich bereits 2005 (also 3 Jahre vor Ausbruch der Finanzkrise) auf einem Niveau von 3,5%. Sie sehen also, dass an der Zinsentwicklung nicht nur die Euro- und die Finanzkrise schuld sind. Es ist vielmehr so, dass die ausufernde Staatsverschuldung in der Euro-Zone (und natürlich auch in den USA) für einen kontinuierlichen Sinkflug der Zinsen gesorgt haben.

Ich kann mich hinsichtlich des Resümees an dieser Stelle also nur wiederholen: Aufgrund der Tatsache, dass die Zentralbanken auch weiterhin Liquidität in Form „billigen“ Geldes in den Markt pumpen und die Zinsen dadurch niedrig bleiben, stehen Sie mit (den richtigen) Aktien auf der Gewinnerseite.

Denn die Kurse der Aktien werden auch künftig von der Geldpolitik der Zentralbanken und der daraus resultierenden Alternativlosigkeit der Anlageklasse Aktien profitieren – und somit werden auch Sie profitieren. Als Bonus kassieren Sie Jahr für Jahr steigende Dividenden.

19. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.