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DWN-Herausgeber Michael Maier warnt vor der Enteignung der Sparer

Die These ist nicht neu. Schon Marx kritisierte, dass einige Wenige die Vielen in der Gesellschaft um den Mehrwert ihrer Arbeit bringen. Michael Maier beschreibt in seinem Buch „Die Plünderung der Welt“, wie ein elitärer Kreis aus Geldwirtschaft und Politik breiten Anlegerschichten um ihre Ersparnisse bringen.

michael_meierZwei neue Trends hat der ehemalige Stern-Chefredakteur und Gründer der Deutschen-Wirtschafts-Nachrichten als Instrumente ausgemacht: Die Globalisierung der Kapitalströme und die neuen Technologien. Marcus Schult fragte den Autor im Gevestor-Gespräch, wie genau das passiert.

Michael Maier: Das Hauptproblem ist, dass diese globale Verschiebung von Verantwortlichkeiten Tür und Tor geöffnet hat für Manipulationen und damit keine korrekten Informationsströme mehr sichergestellt werden können – die Grundvoraussetzung für jedes Investment.

Wir haben heute erlebt, dass ein berühmter Hedgefonds in den USA aufgelöst wurde mit der Begründung, man könne eigentlich nicht mehr vernünftig investieren, weil alle Indizes manipuliert werden, weil Unternehmenszahlen manipuliert werden.

Das ist eigentlich mein Hauptplädoyer: Es zerstört das Investmentverhalten von allen, wenn nur noch mit falschen Karten gespielt wird. Durch die Globalisierung und die unglaubliche Beschleunigung durch die Technologie ist es heute fast nicht mehr möglich zu beurteilen: Ist das wirklich ein sinnvolles Unternehmen? Wie ist die Perspektive? Wie ist die Länderperspektive, beispielsweise bei Staatsanleihen?

Das sind alles Faktoren, die am Ende nur noch den Insidern helfen, also denen, die als erste von den Zentralbanken das Geld kriegen und damit spekulieren können, aber nicht mehr den wirklichen Investoren.

GeVestor: Im Zuge der Finanzkrise wurde gesagt, die Finanzmärkte müssten reguliert werden, gerade auch um Manipulationen zu verhindern. Sie aber beschreiben in Ihrem Buch, dass es auch eine unheilige Allianz gibt zwischen der Finanzelite und der Politik. Was kann man also tun gegen diese Enteignung, diese Plünderung der Welt?

Maier: Diese unheilige Allianz besteht vor allem auf der Ebene der Zentralbanken, die erklären, Investments in Staatsanleihen seien eigentlich grundsätzlich risikolos. Das ist eigentlich der Gipfelpunkt der Manipulation.

Damit kann ich keine Bewertungen vornehmen, kann nicht absehen, ob sich ein Staat besser oder schlechter entwickelt und kann auch kein Risiko mehr abschätzen. Deswegen glaube ich auch, dass die ganzen Regulierungen am Ende nicht dazu führen werden, dass es wirklich gerechtere Märkte gibt, sondern dass es noch verzwicktere Allianzen geben wird, die für die Anleger am Ende überhaupt nicht sichtbar sind.

Was wir aber auch beobachten können sind neue Formen von Investmentverhalten. Ich glaube, dass es hier zu einer disruptiven Technologie kommen wird. Es wird stärkere Peer-to-Peer-Modelle geben. Das heißt, Leute werden sich in der Community über Investments verständigen und werden neben den Banken und neben den klassischen Finanzsystemen lernen und Möglichkeiten entwickeln, ihr Geld anzulegen.

Eines der Beispiele – es ist nicht ganz zutreffend, stimmt aber in gewisser Weise – ist die Bitcoin. Das ist eigentlich eine Aktie, die auf Vertrauen aufzubauen versucht, mit allen Schwächen, weil auch dort viele Manipulationen möglich sind.

Aber daran sieht man, dass es eine breite Bewegung der Leute gibt raus aus dem klassischen Bankensystem, raus aus dem klassischen Anlagesystem in neue Systeme, wo es ihnen am Ende möglich sein muss, zu beurteilen, wie die Aussichten eines Investments sind, um das einigermaßen zu entscheiden.

GeVestor: Wer Ihr Buch als Privatanleger liest, fragt sich, um Gottes Willen, was mache ich jetzt mit meinem Geld? Wenn ich den klassischen Weg nehme, um es anzulegen, werde ich es womöglich gleich verlieren, dann behalte ich es doch besser unter dem Kopfkissen. Was ist Ihrer Meinung nach die richtige Strategie? Was soll der durchschnittliche Anleger mit dem Wissen, was Sie ihm vermitteln, anfangen?

Maier: Es ist ganz einfach: Er sollte nur in Dinge investieren, die er auch versteht. Das ist eine alte Börsenweisheit, die leider oft vergessen wird. Der durchschnittliche Anleger sollte aufhören, in irgendwelche komplexen Hybridprodukte zu investieren, von denen er nichts versteht und bei denen er sich auf den Rat von jemand anderem verlassen muss.

Es gibt viele Möglichkeiten, zu investieren. Man muss es natürlich auch langfristig, mittelfristig, kurzfristig sehen. Aber ich glaube, dass die Themen Ackerland, Lebensmittel, auch Edelmetalle, wenngleich das ein umstrittenes Thema ist, sind interessante Formen.

Ich glaube, dass man auch in Firmen investieren sollte – in Firmen, die man kennt und deren Geschäftsmodell man versteht, ob das nun über den Dax ist oder über Anleihen, ist eine andere Frage.

Aber dort sehe ich auch die Entwicklung von neuen Investmentmodellen, wo es auch Möglichkeiten für den Privatanleger gibt, sich den Durchblick zu verschaffen, ihn zu bewahren und am Ende auch auszusteigen, wenn er es entscheidet und nicht, wenn er durch irgendwelche Zwänge dazu veranlasst wird.

Zur Person Michael Maier

Michael Maier ist Herausgeber der Deutschen-Wirtschafts-Nachrichten. Nach seinem Jurastudium in Graz war er Wirtschaftsleiter des Afro-Asiatischen Instituts in Graz, danach Chefredakteur der Presse (Wien) und Kolumnist beim Standard (Wien) sowie Chefredakteur der Berliner Zeitung, des Stern und der Netzeitung. Er war Fellow am Shorenstein Center der Harvard Kennedy School for Government (Forschungsthema: Umweltschutz und Bürgerjournalismus) sowie Gast am Koebner Institut für Neue Deutsche Geschichte der Hebräischen Universität Jerusalem (Professor Moshe Zimmerman), wo er über Antisemitismus in der DDR forschte.

Lesen Sie jetzt auch den aktuellen Gastbeitrag von Michael Maier zum Thema „Die Plünderung der Welt“. 

16. Juli 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.