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Die Russlandkrise 1998 – Russland im Sog der Asienkrise

Als 1997 die Asienkrise ausbrach, begannen viele Investoren, die Risiken von Geldanlagen neu einzuschätzen.

Die Folgen dieser Neubetrachtungen waren nicht nur in den ostasiatischen Krisenstaaten zu spüren.

Vielmehr hatten auch weitere Schwellenländer mit den Auswirkungen der Asienkrise zu kämpfen, allen voran Russland.

Dort wurde am  17. August 1998 der Rubel-Kurs freigegeben, was eine Abwertung der Währung in Höhe von 60 Prozent zur Folge hatte.

Auch wenn die Kurs-Freigabe als Auslöser der Russlandkrise gilt, so wurden die Voraussetzungen für die Krise schon wesentlich früher „geschaffen“.

Russland – der Weg in die Krise

Eines der größten Probleme Russlands war die Binnenverschuldung. Staatliche Betriebe arbeiteten weitgehend unrentabel, es gab Korruption und Schattenwirtschaft.

Der Staat hatte Schwierigkeiten, die Löhne von Staatsbediensteten zu bezahlen und die aufgenommenen Kredite zu bedienen.

Aufgrund von Absatzrückgängen hatten viele Unternehmen wiederum Schwierigkeiten, die Angestellten zu bezahlen. Auch der Steuerpflicht konnten einige Firmen nicht nachkommen, was zu weiteren Mindereinnahmen des Staates führte.

Generell galten die Steuern als eines der größten Probleme Russlands: nur ein kleiner Teil der Bevölkerung und Unternehmen zahlte regelmäßig Steuern.

Zu diesem Zeitpunkt gab es in Russland somit große Haushaltslöcher, die der Regierung einen harten Sparkurs abverlangten.

Dieser war zudem Voraussetzung für die Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds.

Der Ausbruch der Russlandkrise 1998

Russland hatte große Probleme, an frisches Kapital zu gelangen. Nur gegen hohe Zinsen war dies möglich. Die Anleger hatten aus der Asienkrise gelernt und agierten sehr viel zurückhaltender.

Durch den harten Sparkurs der Regierung sowie die unsichere Wirtschafts- und Finanzlage waren die Aktienmärkte in ständiger Bewegung.

Als im August 1998 die Investment-Legende George Soros eine Abwertung des Rubels von 15-25 % empfahl, kam es an der Moskauer Börse zu Panikverkäufen und drastischen Kursverlusten.

Der damalige Präsident Jelzin schloss zwar eine Abwertung des Rubels aus, was zu einer Erholung der Aktienkurse führte. Diese Zusage konnte er jedoch nicht halten.

Wenige Tage nach den Börsen-Turbulenzen wurde der Wechselkurs faktisch freigegeben und der Rubel erlitt in kurzer Zeit einen Wertverlust von rund 60 Prozent.

Die Geschäftsbanken konnten durch diesen Wertverlust die Kredite in Fremdwährungen nicht mehr bedienen und viele Privatanleger plünderten ihre Konten.

In der Folge mussten viele Geschäftsbanken Insolvenz anmelden. Die Finanzwirtschaft Russlands war praktisch am Boden.

Russlands Weg aus der Krise

Das Vertrauen ausländischer Investoren musste wiedererlangt werden. Und Spekulationen gegen den Rubel und Russlands Wirtschaft mussten ein Ende finden, wollte Russland den Weg aus der Krise finden.

Die instabile innenpolitische Situation verhinderte dies jedoch. Potentielle Anleger waren weiterhin zurückhaltend und waren nicht davon überzeugt, dass Russland seine Sparziele einhalten und die Inflation eindämmen könne.

Erst ein Regierungswechsel im September 1998 bewirkte, dass ein umfassendes Sparprogramm eingeleitet und konsequent umgesetzt wurde.

Dadurch wurde das Vertrauen der Finanzmärkte wiedererlangt und bereits 1999 konnte die Inflation eingedämmt werden.

Angetrieben von steigenden Exporten von Rohstoffen konnte sich die Wirtschaft im Jahre 2000 bereits erholen und auch die Binnennachfrage stieg wieder an, da die Kaufkraft der Bevölkerung wuchs.

So konnte die Russlandkrise überwunden werden und in den folgenden Jahren konnte das Land beeindruckende Zuwachsraten beim Bruttoinlandsprodukt vorweisen.

Durch wirtschaftspolitische Reformen, eine Neustrukturierung des Steuersystems und den Anstieg des Erdölpreises am Weltmarkt konnten unter dem neuen Präsidenten Putin Schulden getilgt und die Zinsbelastung verringert werden.

26. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.