von Heiko Seibel

Die Schuldenkrise treibt Gold zum Rekord

Schuldenkrisen treiben Anleger zum Gold

Schuldenkrisen treiben Anleger zum Gold

Anleger haben es derzeit ganz schön schwer. Vor allem, wenn sie Bullen sind. Denn zum einen geht es nicht so richtig vor oder zurück, überall herrscht wegen der Überschuldung mehrerer Länder ein reges Tohuwabohu. Führung ist von der Politik nicht zu erwarten – unsere Entscheider verabschieden sich lieber in den Sommerurlaub. Was bleibt, ist die Flucht in den immer schon besonders bevorzugten sicheren Hafen Gold. Doch der Reihe nach.

Harte Bandagen am Finanzmarkt

Gerade erschütterte Italien die Märkte, die Renditen von italienischen Staatsanleihen zogen über die Marke von 5% an. Es ist völlig verständlich, dass deswegen vor allem die Finanzwerte an der Börse nachgaben: Wegen der Korruptionsaffäre in Rom kochten plötzlich die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Italiens und am Willen des Landes zu einem strikten Sparkurs hoch.

Für die deutsche Finanzwirtschaft verheißt dies nichts Gutes: Allein deutsche Banken hatten Ende März insgesamt 116 Milliarden Euro nach Italien verliehen. Zum Vergleich: Die Forderungen gegenüber Griechenland belaufen sich nur auf knapp 20 Milliarden Euro.

Schuldenkrise überall

Dann gerieten die USA ins Visier der Märkte: Die Ratingagentur Moody's droht dem Land mit der Aberkennung der Topbonität, sollten sich Regierung und oppositionelle Republikaner nicht bald auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen können.

Zudem warnte die zweite große Ratingagentur vor einer Abstufung. S&P begründete die Entscheidung ebenfalls mit den stockenden Verhandlungen zwischen US-Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern um eine Anhebung des Schuldenlimits.

Allerdings geht S&P einen Schritt weiter: Während sich Moody's vor allem auf den politischen Streit um eine Anhebung des Schuldenlimits zwischen US-Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern konzentriert, fordert S&P eine nachhaltige Lösung für die steigende Staatsverschuldung. Ansonsten drohe eine Herabstufung innerhalb der nächsten drei Monate.

Stress bei den Banken

Und jetzt auch noch das: Am Freitag wurden die 91 wichtigsten Banken Europas buchstäblich bloßgestellt. Detailliert wie nie zuvor kann sich seitdem die Öffentlichkeit über den Zustand der Kreditinstitute in Europa informieren. So viel Transparenz macht den Banken Angst: Der deutsche Bankenverband befürchtet gar, dass so konkrete Aussagen über einzelne Institute den Markt "überfordern" könnten. Doch Insider wissen, dass der Stresstest die Banken sogar noch recht zart anfasst. So war es kein Wunder, dass die deutschen Banken den Stresstest mit Ausnahme des Sonderfalles Helaba bestanden.

Die Anleger flüchten ins Gold

Angesichts all der Anspannung kam es, wie es kommen musste: Gold markierte einen neuen Höchstpreis. Eine Feinunze kostete im Top 1594 Dollar, ein Bruch der Marke von 1600 Dollar ist nur noch eine Frage der Zeit. Auch in unserer Währung stand mit 1126,50 Euro ein neues Allzeithoch zu Buche. Auch in Britischen Pfund ausgedrückt markiert das gelbe Edelmetall ein neues Hoch, im Japanischen Yen gerechnet kratzte Gold knapp am Höchststand.

Nichts wie raus aus den Weichwährungen

Sie sehen also: Die Anleger sind aus genau denjenigen Währungen geflohen, in denen die Druckerpresse rotiert. Einzig gegenüber dem Schweizer Franken, dem anderen sicheren Hafen, konnte Gold nicht gewinnen.

Im Devisenmarkt legte der Austral-Dollar wegen der Flucht in die Sachwerte kräftig zu. Sie sehen, dass ein „Aussie“ schon seit langem schön gleichmäßig nach oben läuft. Das heißt, dass Sie für einen Austral-Dollar immer mehr US-Dollar kaufen können.

Das ist kein Wunder, denn Australien ist die Gold-Währung schlechthin – jedes Mal, wenn ein Anleger eine „Lunar“- oder „Koala“-Münze kauft, klingelt die Staatskasse in Canberra. Interessant ist die Lage jetzt, da die Währung an einer Kreuzung angelangt ist.

Aussie weiter fest

Deutlichen Aufwind hatte der Goldpreis bekommen, nachdem der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke während einer Anhörung vor dem US-Repräsentantenhaus von weiteren möglichen Stimulierungsmaßnahmen für die US-Konjunktur sprach. Mittlerweile hat Bernanke diese Aussage zwar wieder relativiert. Dennoch hält der Markt eine dauerhafte Papiergeld-Schwemme nach wie vor für absolut möglich.

Vorsicht Falle bei Gold

Da die Schuldenkrise zwar keinesfalls vorbei ist, können wir auch Gold nicht so ohne weiteres abschreiben. Problematisch ist allerdings die Tatsache, dass alle Welt in den Goldmarkt hinein gerannt ist – eine Menge Käufer haben sich schon eingedeckt. Warnsignale gibt es auch von der Charttechnik: Hier sieht es nach einem falschen Ausbruch aus. Sollte sich einer zeigen, wird der Move seit Juli zu mindestens 162% korrigiert. Das Kursziel liegt in diesem Fall bei rund 1.400 Punkten.

Das Schöne für uns: Wir können mit ETFs wunderbar short gehen und beim großen Ausverkauf mit dabei sein. Ich halte Sie auf dem Laufenden!

 
 
Bildquelle: Gina Sanders - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

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