Saisonal gesehen ist die Börse zwar um Weihnachten reif für eine kleine Rallye gewesen.
Dass die Hausse allerdings trotzdem nicht so richtig einsetzte, hat nach wie vor mit der europäischen Schuldenkrise zu tun.
Weiter halten sich die Anleger bedeckt und parken ihr Geld vor allem im Anleihenmarkt der Bundesrepublik und der USA.
Das Misstrauen grassiert weiter
Kurz vor Weihnachten bestätigte eine negative Nachricht, was sowieso alle vermutet hatten: Vor allem die südeuropäischen Banken wanken, die jüngste Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) von 489 Milliarden Euro ist zu einem großen Teil dorthin geflossen. Allein italienische Institute sollen 116 Milliarden Euro abgerufen haben.
Insgesamt haben 523 Banken aus dem Euroraum den ersten Tender der EZB über den Zeitraum von drei Jahren in Anspruch genommen. Dies war die zugeteilte Summe ein neuer Höchstwert für ein EZB-Offenmarktgeschäft.
Dass das frische Geld der EZB vor allem in den Club Med floss, ist kein Wunder. Gerade Italien – und natürlich auch Griechenland – hat über Jahre alle Regeln verletzt, auf denen die Eurozone einst basiert.
Stark nimmt kein Blatt vor den Mund
In für einen Notenbanker erstaunlichen Offenheit brachte dies Jürgen Stark, der scheidende Chef-Volkswirt der EZB zu Papier.
Der Zeitung „Die Welt“ sagte er, einige Regierungen hätten „offensichtlich bis heute nicht verstanden, wie wichtig die seit Maastricht etablierten Prinzipien, wie Haushaltsdisziplin und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken, für die Funktionsweise der Währungsunion sind.“
Und weiter: „Doch einige Regierungen haben auch in der Währungsunion die Politik der vergangenen Jahrzehnte einfach fortgesetzt. Sie haben keine nachhaltige Haushaltspolitik betrieben und sind ihrer Verantwortung für ihre Währung trotz aller Warnungen nicht nachgekommen.“
Ferner warnte er, es könne nicht sein, „dass auf jedem EU-Gipfel immer größere Rettungsschirme aufgespannt werden. Irgendwann kommen wir an einen Punkt, an dem diese Programme nicht mehr zu bezahlen sind.“
Besonders interessant ist dieser Part: „Wenn ein Land hoch verschuldet ist, hat es ein Glaubwürdigkeitsproblem und kann über Nacht den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren. Solche Länder haben gar keine andere Wahl, als ihre Haushalte auf eine gesunde Basis zu stellen.
Es gibt immer Gründe zu sagen, es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um zu konsolidieren. Aber entweder wir führen einen Paradigmenwechsel herbei oder wir steuern auf einen Kollaps zu.“
Tja, so spricht einer der letzten stabilitätsorientierten Währungspolitiker der alten Bundesbank. Sie ruhe in Frieden.
Stark fordert, dass die Bilanzfrisierer ihren Haushalt in Ordnung bringen. Das werden sie aber nicht tun. Ergo bleiben die Anleger misstrauisch, wie der Blick auf den Markt für Staatsanleihen sehr schön belegt.
Fluchtpunkt Staatsanleihen
Sowohl deutsche als auch amerikanische Staatsanleihen werden weiter als sicherer Hafen in der Krise gesucht - trotz der mickrigen Zinsen.
Neuer Anlauf des Bund-Future
Schauen Sie sich nur den Bund-Future an: Der Support in der Region um 136 hat gehalten und meine Indikatoren zeigen tendenziell, dass Markt eher rauf, als runter will.
Das würde bedeuten, dass die Renditen weiter sinken und – beim 7. Anlauf(!) – der Bund über die Marke von 139 ausbrechen wird. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass der Aktienmarkt unter Druck käme.
Ein ähnliches Bild ergibt sich in den USA – hier habe ich Ihnen mal die Rendite mitgebracht, die sich umgekehrt zu den Anleihekursen verhält. Sie sehen, die Zinsen laufen an den Abwärtstrend heran.
Aber der ist so stark, dass ich mir keine Sorgen mache, dass dieser brechen wird – auch nicht, wenn man sich den Bund-Chart so ansieht. Ich denke eher, dass die Renditen im nächsten Jahr in Richtung 1,5% oder sogar 1% marschieren.
Minizins in den USA
Sie sehen also: Das Thema Schuldenkrise hält uns weiter in Atem. Nur gut, dass wir sowohl die Long- als auch die Short-Seite spielen können.




