Immer wieder werden die Aktienmärkte von neuen Verkaufswellen erschüttert. Vor allem der vergangene Donnerstag zeigte einmal mehr, wie nervös die Marktteilnehmer sind. Innerhalb von Minuten stürzte der DAX, der am Morgen noch bis knapp unter die 5.800er-Marke geklettert war, um mehr als 300 Punkte ab. Am Freitag fiel der deutsche Leitindex zeitweise sogar wieder in die Nähe seines Jahrestiefs zurück, das vor einer Woche bei 5.345 Punkten markiert worden war.
Aktienmärkte sind günstig bewertet
In diesem Umfeld ist es für Anleger nicht einfach, Ruhe zu bewahren und emotionslos vernünftige Anlageentscheidungen zu treffen. Tatsächlich ist der langfristige Aufwärtstrend, der im Frühjahr 2009 seinen Anfang genommen hatte, inzwischen klar gebrochen. Unter markttechnischen Aspekten sind weitere Einbußen nicht auszuschließen.
Anders stellt sich die Lage aus fundamentaler Sicht dar. Im historischen Vergleich sind die Aktienmärkte inzwischen ausgesprochen günstig bewertet. Bereits in der vergangenen Woche hatte ich Ihnen hier geschrieben, dass der DAX nur noch knapp über seinem Buchwert notiert. Bei den letzten Baissephasen 2003 und 2009 hatte der deutsche Leitindex jeweils die Wende geschafft, als die Bewertung in solch tiefen Regionen angelangt war.
Max Otte: Kurssturz ist eine Kaufgelegenheit
Das sehen auch renommierte Value-Anleger so. Wie Max Otte, Fondsmanager und Buchautor. Der Wirtschaftswissenschaftler erfreut sich hierzulande großer Beliebtheit und wurde zuletzt zweimal in Folge als „Börsianer des Jahres“ ausgezeichnet. Otte, der konsequent nach dem Value-Ansatz investiert, ist der Ansicht, viele Aktien seien derzeit „brutal unterbewertet“.
Otte in einem Interview: „Wenn die Welt nicht zusammenbricht, dann ist jetzt wieder eine der Gelegenheiten, bei der man kaufen sollte.“ Gerade für den Fall einer steigenden Inflation hält der 47-Jährige Aktien als Sachwerte für eine gute Wahl.
Ottes Fonds ist voll investiert
In seinem Fonds PI Global Value Fund, den er seit März 2008 managt, hat Otte nach dem jüngsten Kurssturz alle Cash-Bestände abgebaut und ist voll investiert. Beispiele für unter Value-Aspekten stark unterbewertete Aktien sind für ihn E.ON, Salzgitter, GrenkeLeasing oder Celesio. Auch die Aktien der Pharmakonzerne Novartis und Sanofi-Aventis hält Otte für „lächerlich niedrig“ bewertet. Um vom Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, rät der Value-Anleger zum Kauf von Aktien wie Nestlé oder Coca-Cola.
Auch Warren Buffett kauft
Warren Buffett, das Vorbild Ottes und der Value-Guru schlechthin, nutzt die aktuellen Kurse ebenfalls zum Einstieg. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, wird sich Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway an der kriselnden US-Großbank Bank of America beteiligen. Die Investmentgesellschaft kauft für 5 Mrd. Dollar Vorzugsaktien und kassiert dafür eine Dividende von 6% pro Jahr.
Nicht alles auf eine Karte setzen
Bei der Bank of America wäre ich vorsichtig. Der Trend zeigt hier ganz klar gen Süden. Und auch insgesamt mahnt die negative Markttechnik derzeit zur Zurückhaltung. Weitere Kursrückgänge sind nicht auszuschließen. Daher würde ich nicht alles auf eine Karte setzen und Cash in der Hinterhand behalten. Bereits jetzt gezielte Käufe bei ausgewählten Werten zu tätigen, wird sich auf mittlere und lange Sicht aber mit Sicherheit auszahlen.



