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Die vergessene Transferklausel: Schuldenschnitt für Griechenland

Im Zuge um die Diskussion und Verhandlungen um ein 3. Hilfspaket für Griechenland wurde 2015 öffentlich immer wieder ein Argument angeführt:

Griechenland bräuchte einen Schuldenschnitt.

Dies ist faktisch sicher nicht falsch; die Begründung, die zumeist angeführt wird, aber schon:

So wird ins Feld geführt, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ein Großteil der Schulden erlassen wurde. Wir möchten dieses Argument genauer betrachten.

Fakten zum Schuldenschnitt der BRD

Hier noch einmal der Mythos, der durch sämtliche medialen Diskussionen geisterte:

Nach dem verheerenden Krieg soll eine wohlwollende internationale Gläubiger-Gemeinschaft der jungen Bundesrepublik die Auslandsschulden erlassen haben; damit jene – quasi ohne diese Belastungen – neu durchstarten konnte.


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All diesen Gläubigern voran die Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Londoner Schuldenkonferenz

1952 und 1953 wurde auf der sogenannten Londoner Schuldenkonferenz tatsächlich über die deutschen Vorkriegs-Schulden verhandelt.

Ebenso aber auch über die Rückzahlung des von den USA initiierten und gewährten Kapitals des weithin bekannten Marshallplanes.

Die Vorkriegsschulden waren staatliche Schulden. Sie gingen teilweise auf die massiven Reparations-Forderungen nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Andere wiederum waren privatwirtschaftliche Schulden.

Auslandsschulden der jungen BRD

Als erstes wurde in London der Barwert dieser Schulden festgestellt. So kam man zu dem Schluss, dass sie rund 30 Mrd. D-Mark betragen; zusammengesetzt aus 13,5 Mrd. Vorkriegs- und 16,2 Mrd. Nachkriegsschulden.

Einen Schuldenschnitt gab es dann tatsächlich; nämlich in Höhe von 50%. So verblieben also noch rund 14 Mrd. D-Mark an Auslandsschulen. Das war wirklich ein großes Entgegenkommen der internationalen Gläubiger.

Die so bezifferten Auslandsschulden wurden von der BRD bereits 1958 getilgt.

Nur die halbe Wahrheit

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Insgesamt hat die BRD 100 Mrd. D-Mark in Abwicklung des Londoner Schuldenabkommens und anderer Verträge bezahlt.

Das teilte die Bundesregierung bereits 1991 mit, wie die FAZ berichtet.

100 Mrd. D-Mark an geleisteten Zahlungen sind somit natürlich alles andere als ein großzügiger Schuldenerlass der internationalen Gläubiger – und gleich gar kein Schuldenschnitt im herkömmlichen Sinne.

USA will friedlichen Neubeginn in Europa

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage, warum die Gläubiger damals überhaupt einem Schuldenschnitt zugestimmt haben.

V. a. den USA lag viel daran, dass es in Europa einen friedlichen Neubeginn gibt. Vergessen Sie auch nicht, dass die Welt in jener Zeit direkt vor einem Kalten Krieg mit der Sowjetunion stand!

Die Amerikaner konnten also alles andere als eine desolate BRD im Herzen Europas gebrauchen – sozusagen vor den Toren des Erzfeindes; und somit vor ihrer unmittelbaren Einfluss-Sphäre.

11. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.