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Die Vollgeldreform: Eine Antwort auf die Finanzkrise?

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Buches „Die Vollgeld-Reform“ von Hans Christoph Binswanger, Phillipe Mastronardi und Joseph Huber führte GeVestor ein exklusives Interview mit einem der Autoren:

GeVestor: Wann ist in Ihnen erstmals aufgefallen, dass Sie mit dem vorhandenen Finanzsystem unzufrieden sind?

Prof. Joseph Huber: Vor 37 Jahren bei einem Seminar an der Wirtschaftshochschule St.Gallen. Es geht aber nicht um Zufriedenheit, sondern um Funktionalität und Stabilität.

Das vorhandene Giralgeldsystem, auch fraktionales Reservebanking genannt, ist unnötig kompliziert, und es ist instabil und verursacht Krisen, weil es immer wieder überschießende Geldmengen erzeugt. Die führen zu Inflation, Finanzmarkt-Blasen und Asset Price Inflation, sowie zur Überschuldung wichtiger Akteure, insbesondere der öffentlichen Haushalte sowie der Banken selbst.

Das mündet dann immer wieder in Banken- und Finanzkrisen, in denen faktisch der Staat haften muss und Wirtschaft und Bevölkerung in der Breite geschädigt werden, während die Gewinne, auch der Gewinn aus der Geldschöpfung, privat von den Banken vereinnahmt werden.

GeVestor: Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen beiden Autoren des Buches, Hans Christoph Binswanger und Philippe Mastronardi, zustande gekommen?

Huber: Wir gehören dem Wissenschaftlichen Beirat des Schweizer Vereins Monetäre Modernisierung an. Die Hauptvorträge der Gründungstagung wurden zur Grundlage dieses Buches.

GeVestor: Sie sind Mitinitiator und Vorstandsmitglied des Geldreform-Netzwerks Monetative, das seit 2012 auch als eingetragener gemeinnütziger Verein besteht. Wie erfolgreich war das Wirken des Vereins bisher?

Huber: In den letzten 3 Jahren hat die Resonanz auf das Konzept einer Reform der Geldschöpfung durch Vollgeld und Monetative deutlich zugenommen, vor allem von Seiten des Publikums und der sozialen Bewegungen, aber auch von Seiten der Medien und auch der Wissenschaft und der Politik, obschon die Kontakte zu letzterer bisher informell geblieben sind.

Von daher könnte man sagen, das Glas sei halb voll. In Anbetracht der Schwere der nun schon im 5. Jahr anhaltenden Banken- und Finanzkrise ist die Resonanz freilich geringer als sie sein sollte. So gesehen würde man meinen, das Glas sei halb leer.

GeVestor: Wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen des Vereins?

Huber: Der Verein existiert erst kurze Zeit, so dass man da noch nichts sagen kann. Aber der in über 3 Jahren gewachsene Kreis unserer Interessenten und Sympathisanten geht sicherlich in die Tausende.

Wir pflegen auch Kontakte zu verwandten Initiativen, darunter auch eine Reihe von gleichgerichteten Reforminitiativen auf internationaler Ebene.

GeVestor: Wie lange werden die Märkte ihrer Meinung nach noch brauchen, um sich von der Finanzkrise zu erholen?

Huber: Erholen wie von einem Schnupfen wird sich niemand. Das ist eine fundamentale Systemkrise, eine Krise der bankenbeliebigen multiplen Giralgeldschöpfung im Rahmen des fraktionalen Reservebankings, deren Schwere man sich nach wie vor nicht angemessen eingesteht.

Innerhalb dieses Systems gibt es, wenn überhaupt, nur Auswege mit Heulen und Zähneklappern; je nach Land in einer gewissen Szenariobreite von Inflation, neuerlichen Asset-Blasen und Assetpreis-Inflation – also Stolpern von einer Krise zur nächsten, teils aber auch Stagnation bis Depression, mit Deflation, Banken- und Firmenzusammenbrüchen, Staatsinsolvenzen, schrumpfender Realwirtschaft und Realeinkommen, großer Arbeitslosigkeit und Verarmung, und entsprechenden politischen Unruhen, womöglich Umstürzen.

Vielleicht gibt es ein langwieriges und ökonomisch suboptimales Durchwursteln, vielleicht haben am Ende auch jene Pessimisten Recht, die das gegenwärtige Geld- und Finanzsystem in einem ‚Endspiel‘, in einer finalen Überdehnungs- und Implosionsspirale sehen.

Dabei könnte eine Vollgeldreform hier und jetzt das Schlimmste noch abwenden. Insbesondere könnte sie das Staatsschulden-Problem lösen, ohne Haircuts für die Banken, Fonds und anderen Gläubiger, und ohne grimmige Austerität für die Bevölkerung.

GeVestor: Könnte es in der näheren Zukunft erneut zu einer Finanzblase kommen; und wenn ja, wie könnte sie aussehen?

Huber: Künftige erneute Blasen sind vorprogrammiert. Vorerst aber befinden wir uns weiterhin in einer bisherigen Blase, einer Megablase der neueren Geschichte überhaupt, nämlich der seit den 1970er-Jahren akkumulierten Staatsanleihenblase.

Man betrachtet sie einseitig nur als Schuldenblase durch Staatsversagen, und verkennt, dass es sich gleichermaßen um eine Investitionsblase durch Banken- und Marktversagen handelt.

Wertberichtigungen wurden da noch nicht viele vorgenommen. Sie werden aber vorgenommen werden müssen, solange man den Banken die Geldschöpfung überlässt und sie fortwährend durch noch mehr Staatsschulden stützt, anstatt zu erkennen, dass das instabile Giralgeldregime der Banken die zentrale Ursache der Finanzprobleme ist.

Letztlich werden alle Finanzreformen kaum etwas nützen, solange nicht die Geldordnung reformiert wird und der Staat das von den Banken usurpierte Geldregal, die Prärogative der Geldschöpfung und des Geldschöpfungs-Gewinns, der Seigniorage, wieder seiner Hoheit unterstellt. Jenseits dessen kann man die Banken frei machen lassen.

Alle 3 Autoren des Buches sind im wissenschaftlichen Beirat des 2011 gegründeten Vereins „Monetäre Modernisierung“ aktiv. Dieser hat das Ziel, das Geldsystem in den Dienst der Realwirtschaft und diese wiederum in den Dienst der Menschen zu stellen. Lesen Sie hier mehr über die Autoren.

Das Buch ist im Zeitpunkt Verlag erschienen und kostet 9,50€.

24. September 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.