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Die Zahlungsbilanz von China – Trendwende nach Boomjahren

Die Zahlungsbilanz von China ist ein Spiegel der gravierenden Veränderungen in dem Land. Die vielfältigen Auswirkungen der jüngsten Defizite dürften unter anderem einen steigenden Goldpreis zur Folge haben.

Schlechtere Zahlungsbilanz

Nach über 20 Jahren von Export- und Investitionsboom haben die gewohnten Überschüsse in der Zahlungsbilanz ins Negative gedreht. Der Renminbi ist gestiegen, ebenso die Löhne und der Wohlstand im Land. Längst verschiebt sich Chinas Geschäftsmodell mit Export durch Billiglöhne hin zum Binnenkonsum.

Zwar ist die Leistungsbilanz nach wie vor positiv, doch in der Kapitalbilanz zeigen sich massive Geldabflüsse. Die Folge ist ein Rückgang der Liquidität.

Angefangen hat es vor 2 Jahren, als die chinesische Nationalbank erstmals US-Anleihen verkaufen musste, um eine negative Zahlungsbilanz auszugleichen. Zuvor hatte China stets versucht, eine Währungsaufwertung aufgrund der vielen Bilanzüberschüsse zu verhindern, um weiterhin billig zu exportieren. Dazu wurden mit den Überschüssen massenhaft US-Anleihen gekauft. Die enormen Währungsreserven stiegen weiter.

Exportboom lässt nach

Seit 2012 jedoch sorgten vor allem 2 Faktoren für eine Trendwende. Zum einen machte sich die Umstellung auf mehr Binnenkonsum fürs Wirtschaftswachstum bemerkbar. China will sich von der Nachfrage Europas und den USA unabhängiger machen. Zum anderen flachte gerade bei diesen Handelspartnern die Nachfrage nach chinesischen Produkten ab. Der Leistungsbilanzüberschuss geht zurück.

Hohe Kapitalabflüsse

In der Kapitalbilanz macht sich zugleich ein Rückgang der Investitionen von Amerikanern und Europäern bemerkbar. Der bei Anlegern bekannte Emerging Markets-Boom hat nachgelassen. Investoren zogen nach und nach Kapital aus China ab. Gleichzeitig fließt vermehrt chinesisches Geld ins Ausland.

Dabei geht es nicht nur um Investitionen der Staatsfonds. Ein nicht unerheblicher Teil geht offenbar auf privates Fluchtkapital zurück. Reiche Chinesen schaffen Vermögen ins Ausland. Teils aus Vorsicht, teils wegen besserer Anlagemöglichkeiten. Zu diesem offenen Geheimnis gibt es jedoch keine offiziellen Zahlen.

Tatsache ist, dass unterm Strich durch den Kapitalabfluss die immer noch positive Leistungsbilanz nicht mehr ausgeglichen wird. Dass nach dem Investitionshype künftig der Kapitalstrom nicht mehr vorwiegend Richtung China geht, liegt auf der Hand.

Wenn das Wirtschafts- und Exportwunder verblasst, gibt es weniger Anreize dort zu investieren. Amerikaner, Europäer und die Chinesen selbst wandern zunehmend in Länger mit niedrigeren Löhnen ab.

Schmelzende Währungsreserven und Abwertungsdruck

Die Frage ist nur, wie lange China künftigen Zahlungsbilanzdefiziten durch den Verkauf von Währungsreserven begegnen kann. Die Option, eine Aufwertung der eigenen Währung zwecks höherer Exportchancen zu verhindern, wird auch China wahrnehmen. Nicht zuletzt hat der japanische Yen deutlich abgewertet.

Eine Folge künftiger Unwägbarkeiten und Abwertungen könnte sein, dass die Chinesen selbst ihre Vermögen zunehmend in Gold anlegen, womit der jüngst gesunkene Preis wieder steigen dürfte.

Außerdem: Wenn China vermehrt US-Anleihen abstößt, wird dies den Dollarkurs drücken. Gleichzeitig müssten die USA neue Käufer suchen, um ihre Schulden zu finanzieren. Andererseits begünstigt ein billigerer Dollar die US-Exporte. Für Europa wiederum wird es schwieriger.

10. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.