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Die Zahlungsbilanz von Griechenland – ein vielschichtiges Problem

Die Zahlungsbilanz von Griechenland ist seit Jahren defizitär. Das Land sorgt mit seiner maroden Wirtschaft, seiner Abhängigkeit von Energie und Rohstoffimporten und hohen Schulden für massive Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums. Griechenland zählt neben Italien, Portugal oder Spanien zu den Volkswirtschaften, die kontinuierlich Zahlungsbilanzdefizite aufbauten.

Euro blockiert Anpassungsprozesse

Wäre Griechenland nicht Mitglied des Euroraums, so hätten schon vor Jahren die Preise sinken, die Zinsen steigen und die Währung abgewertet werden müssen. Doch der Ausgleich in der Eurozone durch Überschussländer wie Deutschland, Österreich oder Finnland veranlasste Investoren, die Risiken zu unterschätzen. Die Preise stiegen weiter, was das Problem nur noch vergrößerte.

Die hohen Produktionskosten waren für das Ausland wenig Anlass, aus Griechenland zu importieren. Gleichzeitig gab und gibt es nicht die Möglichkeit, eine eigene Währung abzuwerten, um den Export anzukurbeln.

Insofern erweist sich der Euro als Hemmschuh. Andererseits würde eine wesentlich schwächere eigene Währung dazu führen, dass die Importe von Rohstoffen und Energie auf Dollarbasis noch teurer würden.

Erster Leistungsbilanzüberschuss seit 1948

Mittlerweile ist es nach den bekannten Querelen, Rettungsmaßnahmen, Schuldenerlassen und Reformbemühungen Anfang 2014 erstmals seit 65 Jahren gelungen, einen Überschuss in der Leistungsbilanz zu erzielen. Fragt sich nur, warum sich das nicht über die Kapitalbilanz kompensiert.

Zahlungsbilanz: Kapitalflucht ins Ausland

Das Problem ist seit Längerem ein Zusammenspiel von unpassend niedrigen Zinsen und einer massiven Kapitalflucht.

Griechenland verzeichnet einen hohen Kapitalabfluss. Die Griechen haben enorme Summen ins Ausland geschafft. Deshalb gleichen sich die Bilanzen auch nicht aus. Weil das Geld fehlt, ist die Nachfrage nach Liquidität ist wesentlich höher als das Angebot. In dieser Situation müssten eigentlich die Zinsen steigen.

Target2-Kredite finanzieren Zahlungsbilanzdefizite

Dieser rechnerisch logische Schritt wird jedoch durch die sogenannten Target2-Kredite blockiert. Anstatt die Zinsen zu erhöhen und Anlegergeld anzuziehen besorgen sich die griechischen Geschäftsbanken ihr Geld lieber zu Niedrigstzinsen von 1% bei der Zentralbank, die sich ihrerseits wiederum günstige Kredite bei anderen Zentralbanken wie etwa der Bundesbank holt.

Durch die Target2-Kredite sehen griechische Investoren keinen Anlass, im eigenen Land zu investieren. Dort aber würde es dringend benötigt. Stattdessen wird dieses Fluchtkapital vor allem in Deutschland investiert – etwa durch den Kauf von Immobilien.

In Griechenland wiederum belastet das abgezogene Kapital den Binnenkonsum und die Volkswirtschaft insgesamt.

Damit hat sich das Target2-System als kontraproduktiv erwiesen. Über diese Kredite der WZB lassen sich fast grenzenlos Zahlungsbilanzdefizite finanzieren. In der Folge ist Griechenland bei der Deutschen Bundesbank hochverschuldet.

Gemischte Aussichten

Trotz aller Negativeffekte: Bis auf Weiteres wird das System wohl bestehen bleiben. Es ist von den Eurostaaten einstimmig beschlossen worden und kann auch nur so wieder aufgehoben werden. Dies allerdings dürfte an der Stimme Griechenlands scheitern.

Hoffnung auf eine nachhaltige Verbesserung der Zahlungsbilanz machen jüngste Meldungen über angebliche größere Erdgas- und Ölfunde in den eigenen Gewässern vor Kreta. Käme es zu einer Erschließung würden die enormen Kosten für Energieimporte von zuletzt 15,6 Mrd. € deutlich sinken.

9. Januar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.