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Die Zwangsanleihe 1922 – heute wieder salonfähig?

Eine Zwangsanleihe wurde unter anderem bereits im Jahr 1922 eingeführt.

Damit sollten unter anderem Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg beglichen werden können.

Damals beschloss der Deutsche Reichstag die Einführung einer Zwangsanleihe für Besserverdienende.

1922 wie heute – Besserverdienende sollen zur Kasse gebeten werden

Ab 1. Januar 1923 wurden Einwohner mit einem Einkommen ab 30.000 Mark jährlich und Inhaber von Immobilien und Vermögen über 250.000 Mark mit durchschnittlich 5% zur Kasse gebeten.

Ab 100.000 Mark wurde zunächst ein Zins von 1% erhoben, von den nächsten 150.000 Mark dann 2%. Bei einem Vermögen von einer Mio. Mark fiel sogar ein Zins von 10% an.

Die Tilgung sollte ab November bei November 1925 erfolgen. Doch dazu kam es nicht mehr, da das Vermögen der Deutschen durch die Inflation von 1914 bis 1923 fast vollständig vernichtet wurde.

Damit wurde die Zwangsanleihe praktisch zur Vermögensabgabe, die Zeichner verloren am Ende alles.

Ökonomen schlagen Zwangsanleihe von 1922 auch heute vor

Eine solche Vermögensabgabe ist heute wieder in der Diskussion. Ökonomen des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) haben jüngst vorgeschlagen, dass „Reiche“ zur Zeichnung einer staatlichen Zwangsanleihe verpflichtet werden sollten.

Die Rückzahlung sollte erst beginnen, wenn sich die Lage bei den staatlichen Kassen entspannt hat. Als „Reiche“ definiert der DIW jeden Einwohner, der ein Vermögen von mehr als 250.000 Euro (Eigentumswohnungen, Aktien usw. mit eingeschlossen) besitzt.

Aber nicht nur von Seite der Ökonomen wird der Ruf nach einer Zwangsanleihe lauter. Auch Michael Sommer, Chef des Gewerkschaftsbundes DGB, schlägt zur Lösung der Finanzprobleme in Europa eine Zwangsanleihe für Reiche vor.  

Vermögende sollen zur Kasse gebeten werden, geht es der Wirtschaft wieder besser, sollen sie ihre Einlagen wieder zurückerhalten.

Überschuldete Staaten erhalten kaum noch frisches Geld

Der Grund für die Vorschläge ist die schwierige Lage vor allem in Schuldenstaaten wie Griechenland oder Spanien.

Für die hoch verschuldeten Länder ist es zunehmend schwierig, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen. Bei der Ausgabe von Staatsanleihen müssen diese Länder hohe Risikoaufschläge in Kauf nehmen.

Für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren muss Spanien inzwischen mehr als 7,5% Zinsen bieten, Belastungen, die heute kaum mehr zu finanzieren sind. Ähnlich ist die Lage in Italien. Zinsen für Staatsanleihen notieren aktuell um die 7%.

Auswirkungen von Zwangsanleihen und Vermögensabgaben

Doch ob Zwangsanleihe und Vermögensabgabe wirklich der richtige Weg sind, bleibt heute ebenso zweifelhaft wie schon 1922.

In Frankreich sind derzeit die Auswirkungen der aktuellen Diskussion zu beobachten. Dort hat inzwischen eine kleine Abwanderungswelle von Vermögensbesitzern in Richtung London und der Schweiz begonnen, nachdem die Regierung in Paris den Spitzensteuersatz auf 75% anheben will.

Natürlich mit dem Ergebnis, dass die vermögenden Exilanten bald gar kann keine Steuern mehr in Frankreich bezahlen werden.

Ganz ähnliche Konsequenzen sehen Finanzexperten bei der Einführung von Zwangsanleihen, wie sie von Ökonomen in Berlin vorgeschlagen werden. Dabei ist fraglich, ob eine Zwangsanleihe überhaupt bestand vor Gericht hat.

In den Jahren 1983-1985 wollte Deutschland eine Investitionshilfeabgabe einführen, welche aber vom Bundesverfassungsgericht gestoppt wurde.

Mehr zum Thema: Zwangsanleihe 1922: Der Staat schröpft seine Bürger

16. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.