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Diese Anleger-Mogelpackung könnte demnächst vom Markt verschwinden

Wenn Aktien Höchststände erreichen und Zinsanlagen nichts abwerfen, lassen sich Anleger schon mal zu riskanteren Alternativen überreden. Verlockend sind vor allem Produkte, bei denen schon die Bezeichnung selber Verständlichkeit und gewisse Sicherheit suggeriert. Prominentes Beispiel: Bonitätsanleihen.

Bonitätsanleihen: Verbot wird von der Bafin erwogen

Sie versprechen höhere Renditen, sind aber so ziemlich das Gegenteil von einfach oder sicher und schon gar keine Anleihen. Dass es sich um strukturierte Produkte handelt, fällt meist im Nachhinein auf. Landläufig gehört das in die Kategorie Etikettenschwindel. Nun droht Bonitätsanleihen das Verbot.

Die Bundesfinanzaufsicht (Bafin) will mit ihrer frisch gegründeten Verbraucherschutzabteilung die Notbremse ziehen und Privatanleger vor einem Produkt bewahren, das sich gleichzeitig zunehmender Beliebtheit erfreut. Grundlage für das Bonitätsanleihen-Verbot ist das neue Kleinanlegerschutzgesetz.

Doch während sich die einen freuen, sprechen andere von Bevormundung. Immerhin stecken in der Anlageform über 6 Mrd. € von Privatanlegern – einige dürften durchaus einschätzen, worauf sie sich eingelassen haben, oder es zumindest ahnen.

Die Bafin jedenfalls stützt sich in ihrer Abwägung auf Rückmeldungen und Beschwerden von Privatanlegern. Und die sprechen nicht nur von Vermögensvernichtung, sie zeigen auch: Selbst Anlageberater haben Probleme, ihren Kunden eine Bonitätsanleihe richtig zu erklären. Der Kreis derer, die durchblicken, ist letztlich so klein, dass man kaum von einer verbrauchertauglichen Geldanlage sprechen kann.

Komplex und voller Fallstricke

Bonitätsanleihen sind eigentlich Kreditderivate aus dem Bereich der Cedit Linked Notes. Diese verzinsten Schuldverschreibungen haben die Besonderheit, dass Rückzahlungen bzw. Zinsen gekürzt oder gar gestrichen werden, wenn ein „Kreditereignis“ auftritt. Das aber beschränkt sich, anders als vermutet, nicht nur auf eine Insolvenz. Sogar ausgefallene Zahlungen, Verzug oder Umschuldungen gehören dazu.

Obendrein bezieht sich dieses außergewöhnliche Ausfallrisiko auf zwei Ebenen: die Bank, die das Papier herausgibt und das Unternehmen, auf das es sich bezieht. Gerät die Bank in Schieflage, nützt auch das zahlungskräftigste Unternehmen nichts. Teils gibt es weniger Zinsen, teils eine stufenweise Reduzierung, teils gar nichts. Im Zusammenspiel mit der Rückzahlung existieren verschiedenste Varianten.

Die Verzinsung richtet sich nach dem Spread von Credit Default Swaps. Solche CDS sind Kreditversicherungen und werden neben dem üblichen Bonitätsranking zur Einschätzung der Zahlungsfähigkeit herangezogen. Bei echten Anleihen hingegen gibt das jeweilige Unternehmen die Zinsen vor. Zum Verständnis von Swaps: Das sind Tauschgeschäfte um Renditevorteile zu erzielen – etwa der Tausch von festverzinslichen gegen variabel verzinste Forderungen.

Bonitätsanleihen sind also schlecht durchschaubar. Nicht selten steht die Kreditwürdigkeit eines soliden Konzerns im Vordergrund, während die Bank selbst das schwächste Glied in der Renditekette ist.

Weitere Finanzprodukte im Visier

Ob nun ein Bonitätsanleihen-Verbot tatsächlich kommt, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Die Bafin prüft zunächst die Stellungnahmen aller Beteiligten, also auch der Finanzunternehmen. Die Behörde sieht sich weder als Produkt-TÜV noch will sie pauschal in Gut und Böse einteilen. Verbote dienen nur in wenigen Fällen als letztes Mittel.

Deshalb hat sie etwa auch Differenzkontrakte oder binäre Optionen im Auge, die derart geschickt beworben werden, dass den Interessenten kaum klar wird, dass sie nicht nur Geld verlieren können, sondern sogar neues nachschießen müssen. Hinzu kommt: Das Internet verleitet viel schneller zu unüberlegten Schritten, als ein Beratergespräch, das immer seltener wird.

Verbot als ultima ratio

Produktverbote sind natürlich ein Eingriff in den Markt. Doch erstens zeigt sich spätestens seit der letzten Finanzkrise, dass es ohne Regeln nicht geht. Und zweitens können sie dazu beitragen, dass der Ruf der Finanzindustrie nicht pauschal unter die Räder kommt. Handelt es sich um wohlüberlegte Schritte, erkennen Privatanleger sehr wohl den Wert eines Korrektivs im System.

Letztlich geht es bei Geldanlagen um Transparenz und Berechenbarkeit. Wenn Nicht-Profis auf ein Parkett gezogen werden, wo sie ziemlich sicher ausrutschen, kann man demjenigen kaum widersprechen, der von List und Trickbetrug spricht. Abgesehen davon, ist sogar in den USA der Anlegerschutz teilweise ausgeprägter und rigider als in Europa.

5. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.