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Diese Gründe sprechen für die Abgabe der Anlage KAP

Grundsätzlich ist die Einkommensteuer auf Kapitalerträge durch den Steuerabzug, den die Bank automatisch vornimmt, abgegolten. Eine Angabe der Kapitalerträge in der Steuererklärung ist somit nicht mehr notwendig.

Allerdings kann es Gründe geben, die Kapitalerträge in Ihrer Steuererklärung dennoch anzugeben. Unter den folgenden Voraussetzungen ist die Abgabe der Anlage KAP erforderlich:

– Kapitalerträge haben nicht dem Steuerabzug unterlegen.

– Es besteht Kirchensteuerpflicht, aber es wurde keine Kirchensteuer auf die Kapitalerträge einbehalten.

– Der Steuereinbehalt soll dem Grunde und der Höhe nach überprüft werden.

– Ein Antrag auf Günstigerprüfung wird gestellt.

– Es sind die einbehaltene Kapitalertragsteuer sowie die Nebensteuern im Zusammenhang mit anderen Einkunftsarten (z. B. Gewerbebetrieb) anzurechnen.

– Die Abgeltungswirkung kommt aufgrund von Ausnahmeregelungen nicht in Betracht.

Die Günstigerprüfung kann für Sie vorteilhaft sein Für Rentner und Anleger mit einem niedrigen zu versteuernden Einkommen kann es sinnvoll sein, eine Günstigerprüfung durchzuführen.

Dafür setzen Sie in Zeile 4 der Anlage KAP eine „1“ ein. Bei Zusammenveranlagung mit Ihrem Ehegatten muss jeder Ehegatte eine eigene Anlage KAP ausfüllen.

Was bedeutet die Günstigerprüfung? Hierbei wird seitens des Finanzamts überprüft, ob der persönliche Steuersatz unter dem Abgeltungssteuersatz von 25% liegt.

Dabei werden sämtliche Einkünfte zusammengerechnet und der persönliche Steuersatz ermittelt.

Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25%, werden Ihre Kapitaleinkünfte mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert und Sie bekommen die von Ihrer Bank bereits einbehaltenen Steuern zurück. Für die Günstigerprüfung müssen Sie allerdings sämtliche Kapitalerträge erklären.

Dazu gehören die Kapitalerträge von inländischen auszahlenden Stellen (z. B. Ihre Hausbank), aber auch ausländische Kapitalerträge (z. B. bei ausländischen Kreditinstituten) sowie Erträge aus Beteiligungen.

So profitieren Sie vom Altersentlastungsbetrag

Zudem können Anleger mit einem Alter von über 64 Jahre vom Altersentlastungsbetrag profitieren, auch wenn deren Steuersatz über 25% liegt.

Denn der Altersentlastungsbetrag ist ein Steuerfreibetrag für Nebeneinkünfte und wird für alle angerechnet, die zu Beginn des Jahres 64 Jahre alt sind.

Die Grundlage stellen die Nebeneinkünfte dar. Dazu gehören unter anderem Kapitaleinkünfte.

Geben Sie in Ihrer Steuererklärung z. B. nur die (Alters-)Renten an und machen Sie keine Angabe zu Kapitaleinkünften, wird kein Altersentlastungsbetrag angerechnet, weil dieser nicht auf der Grundlage der Renten berechnet wird.

Sollte dadurch das zu versteuernde Einkommen unter 8.130 € bei Ledigen bzw. 16.260 € bei Ehepaaren (Grundfreibetrag) sinken, kann eine Steuerfreiheit herauskommen.

Wurde bereits die Abgeltungssteuer durch die Bank als auszahlende Stelle einbehalten, werden die Steuern erstattet.

Altersentlastungsbetrag: Ein Rechenbeispiel für Sie

Mit 65 Jahren ging der konfessionslose A im Jahr 2012 in Rente. Im Jahr 2013 erhielt er, wie im Jahr 2012, eine Bruttorente von 26.000 €. Zudem bekam er 4.500 € Zinsen. Ein Freistellungsauftrag in Höhe von 801 € wurde bei der Bank gestellt.

Nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags wurden ihm 975,61 € Steuern (25% Abgeltungssteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag) von den Zinserträgen einbehalten und somit 3.524,39 € ausgezahlt.

In seiner Steuererklärung für 2013 müsste A seine Kapitalerträge nicht mehr angeben. Denn der Steuerabzug auf die Zinsen hat abgeltende Wirkung. Nur seine Rente muss er angeben und in voller Höhe in die Einkommensteuererklärung eintragen.

Da er in 2012 in Rente gegangen ist, werden nur 64% der Rente besteuert, also 16.640 €. Von diesem steuerbaren Rentenanteil werden pauschal noch 102 € Werbungskosten abgezogen. Darüber hinaus erhält A eine Sonderausgabenpauschale von 36 €.

Für seine Krankenversicherung hat A 2.100 € bezahlt. Somit hätte A ein zu versteuerndes Einkommen von 14.402 € und ca. 1.270 € Einkommensteuer (inkl. Solidaritätszuschlag) zu zahlen.

Zusammen mit der Abgeltungssteuer auf die Kapitaleinnahmen hat A in der Summe 2.245,61 € (975,61 € + 1.270 €) Steuern gezahlt. Würde A nun auch die Kapitalerträge angeben, steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu.

Dieser ist vom Lebensjahr abhängig und beträgt hier im Beispielsfall 28,8% der Nebeneinkünfte (hier Zinsen), maximal aber 1.368 €. Mit Angabe der Kapitalerträge ergibt sich die folgende Berechnung:

Zinsen4.500 €
Sparerpauschbetrag-801 €
Kapitaleinkünfte3.699 €
Renteneinnahmen26.000 €
davon steuerbar 64%16.640 €
Werbungskostenpauschale-102 €
Renteneinkünfte16.538 €
Summe der Einkünfte20.237 €
Altersentlastungsbetrag 28,8% von 3.699 €-1.065 €
Versicherungsbeiträge-2.100 €
Sonderausgabenpauschale-36 €
Zu versteuerndes Einkommen17.036 €

Hierauf sind rund 2.000 € Steuern (Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag) zu zahlen. Die durch die Bank einbehaltenen Steuern in Höhe von 975,61 € werden jedoch angerechnet.

A hat somit in der Summe nur eine Steuerbelastung in Höhe von 1.024 € statt – wie im Beispiel dargestellt – 2.245,61 €. Seine Steuerbelastung sinkt um rund 1.220 €. Zudem stellt A noch einen Antrag auf Günstigerprüfung.

Die Zinsen werden dann mit dem niedrigen persönlichen Steuersatz besteuert. Die Abgeltungssteuer wird bei der Steuerberechnung wie dargestellt verrechnet.

Der Antrag auf Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge

Tragen Sie in Zeile 5 der Anlage KAP eine „1“ ein, wenn das Finanzamt eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge vornehmen soll. Insbesondere gehören dazu die folgenden Fälle:

  • Der Sparerpauschbetrag wurde beim Steuerabzug nicht vollständig ausgeschöpft.
  • Die Ersatzbemessungsgrundlage wurde beim Steuerabzug angewendet, weil Ihrer Bank die Anschaffungskosten von Wertpapieren nicht bekannt waren (z. B. infolge eines Depotübertrags).
  • Verluste wurden bei Ihrer Bank nicht vollständig oder zu niedrig berücksichtigt.

In diesen Fällen sind in die linken Spalte der Zeilen 7 bis 13 der Anlage KAP die Beträge laut der Steuerbescheinigung Ihrer Bank und in die rechte Spalte die korrigierten Beträge einzutragen. Auf einem gesonderten Blatt machen Sie Erläuterungen und fügen dieses Blatt der Einkommensteuererklärung bei.

Auszahlung der Kapitalerträge ohne Kirchensteuerabzug

Sind Ihnen trotz der Kirchensteuerpflicht Kapitalerträge mit Abzug der Abgeltungssteuer, aber ohne Kirchensteuerabzug gutgeschrieben worden, tragen Sie in das Formular in Zeile 6 eine „1“ ein.

Dabei ist es ausreichend, wenn Sie in Zeile 50 die Kapitalertragsteuer und in Zeile 51 den Solidaritätszuschlag eintragen. Möchten Sie darüber hinaus auch eine Minderung der Kapitalertragsteuer (z. B. durch die Günstigerprüfung), müssen Sie auch die anderen Felder ausfüllen.

Neuerung zum Kirchensteuerabzug ab 2015

Ab dem Jahr 2015 muss jede Bank auch die Kirchensteuer automatisch von den Kapitalerträgen einbehalten. Ein Wahlrecht des Anlegers gibt es dann nicht mehr. Die Daten dazu – ob bei Ihnen die Kirchensteuerpflicht vorliegt – holt sich die Bank vom zentralen Register, dem Bundeszentralamt für Steuern.

Künftig wird jede Bank einmal im Jahr – immer zwischen dem 01.09. und dem 31.10. – diesen Abruf durchführen (sogenannte Regelabfrage). Sie als Anleger haben jedoch die Möglichkeit, einen Sperrvermerk eintragen zu lassen. Dann wird kein Kirchensteuermerkmal an die Bank übertragen.

Die Frist für den Widerspruch läuft in diesem Jahr bis zum 30.06.2014. Alle Banken informieren derzeit ihre Kunden hierüber. Das entsprechende Formular finden Sie im Internet.

10. März 2014

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Dirk Schöbel
Von: Dirk Schöbel. Über den Autor

Dirk Schöbel ist Diplom-Kaufmann und für einen Steuerberater, wie auch als Finanzredakteur tätig. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Vermögensberatung und -analyse unter Berücksichtigung der steuerlichen Gegebenheiten.