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Handelsbilanzdefizit: Je größer, desto schlimmer?

Es ist immer wieder interessant, ob – umgangssprachlich ausgedrückt – jemand über seine Verhältnisse lebt. Das gilt sowohl für den Nachbarn, für die heimatliche oder eine weiter entfernte Stadt.

Wer sich aber ein Bild über die Wirtschaftskraft eines Landes oder einer Region machen möchte, dem verschafft die so genannte Handelsbilanz einen ersten, aussagekräftigen Eindruck.

Die Handelsbilanz ist ein Begriff aus der Volkswirtschaft. Hierdurch wird die Gegenüberstellung von Im- und Exporten eines Staates bezeichnet. Je nachdem, ob die Exporte oder die Importe das Übergewicht haben, sprechen Experten von einem Handelsbilanzüberschuss oder -defizit.

Ein Handelsbilanzdefizit liegt dann vor, wenn in einem bestimmten Zeitraum die Einfuhr von Waren die Ausfuhr derselben wertmäßig übersteigt. In diesem Fall spricht man von einem Importüberschuss. Wenn die Handelsbilanz eines Landes regelmäßig einen Importüberschuss aufweist, erhöhen sich die Verbindlichkeiten gegenüber anderen Ländern der Erde.

Dies kann dazu führen, dass die Konkurrenzfähigkeit des Landes abnimmt. Aber auch, dass sich der Lebendstandard der Bürger dieses Staates auf Dauer verringert. Daher ist besonders für Anleger wichtig, wie sich die Handelsbilanz seines eigenen Landes entwickelt. Denn hieran können sie erkennen, ob es eventuell sinnvoll ist, in fremde Märkte zu investieren.

Länder mit dem höchsten Handelsbilanzdefizit

Die Länder mit dem höchsten Handelsbilanzdefizit im Jahr 2011 waren nach Statista:

LandMilliarden US-$
USA785,46
Großbritannien164,57
Indien158,05
Frankreich117,79
Türkei105,92
Spanien65,54
Hongkong55,21
Italien34,29
Japan32,43
Griechenland29,02

Das Handelsbilanzdefizit im Hinblick auf weitere Leistungsdaten

Allerdings müssen diese Zahlen in Relation gesehen werden. Wenn man nämlich die Einwohnerzahl eines Landes mitberücksichtigt, wird deutlich, dass etwa Griechenland mit etwa 2.710 US-$ pro Kopf der Bevölkerung ein größeres Handelsbilanzdefizit als die Vereinigten Staaten mit ca. 2.570 US-$ aufweist. Auf jeden Einwohner Hongkongs entfällt sogar ein Handelsbilanzdefizit von etwa 7.660 US-$.

Ein weiterer Faktor, der hierbei mit in Betracht gezogen werden muss, ist das Bruttopsozialprodukt (BIP) des jeweiligen Landes. Das BIP ist die Summe aller Werte, die von Bürgern eines Staates innerhalb eines bestimmten Zeitraums erwirtschaftet werden. Während 2013 in den USA das BIP pro Kopf der Bevölkerung 53.101 US-$ ausmachte, erwirtschaftete jeder Bürger Griechenlands nur etwa 21.857 US-$.

Um bei dem Vergleich USA – Griechenland zu bleiben, relativiert sich also das – auf den ersten Blick enorme – Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten. Denn während das Handelsbilanzdefizit pro Kopf der Bevölkerung bei beiden Staaten in etwa gleich ist, belastet es die Wirtschaftskraft der USA wegen des deutlich höheren BIPs wesentlich weniger als die griechische Volkswirtschaft.

Anleger profitieren von Informationen

Ein Blick über den „Gartenzaun“ ist immer spannend. Besonders dann, wenn Anleger planen, in Finanzprodukte des eigenen und fremder Länder zu investieren.

Die Information über grundlegende Daten zur Wirtschaftskraft unterstützt Anleger bei der Planung einer Geldanlage und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf diese Weise können teure Irrtümer vermieden und bares Geld verdient werden.

5. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.