Diese Unternehmen sind führend bei Diabetes-Medikamenten

Wer stabile Aktien fürs Portfolio sucht, ist mit Unternehmen gut beraten, deren Umsätze stabil sind und unabhängig von der Konjunktur. Allen voran: Pharma- und Biotech-Firmen. Spezielle ETFs auf Biotech-Werte konnten seit 2012 jährlich über 35% zulegen, Äquivalente im generellen Pharmabereich bis 27%.

Hauptumsatzträger sind weit verbreitete Volkskrankheiten wie Diabetes. Die Unternehmen haben einen weltweiten Markt von geschätzten 366 Mio. Zuckerkranken vor sich. Bis 2030 geht die International Diabetes Federation von 552 Millionen Betroffenen aus. In Deutschland liegt die Zahl aktuell bei ca. 7 Mio. Erkrankten.

Diabetes: Unternehmen kämpfen um den Markt

Das globale Marktvolumen des Diabetesmarktes beläuft sich auf über 30 Mrd. US-$, mit jährlichen Zuwachsraten um die 12%. Marktführer in der Diabetes Sparte sind die Unternehmen Novo Nordisk und Sanofi. Die Dänen bringen es auf ca. 9 Mrd. € Umsatz jährlich, die Franzosen auf 8,87 Mrd. €. Doch der Konkurrenzdruck ist enorm.

So verzeichnete zuletzt Sanofi einen spürbaren Einbruch seiner Kennzahlen. Ein Grund: Das Patent des Erfolgsprodukts Lantus ist ausgelaufen – Nachahmerprodukte werden billiger angeboten. Lantus, das als Insulin gespritzt wird, brachte bisher im Jahr über 5 Mrd. € ein.

Nachfolger-Medikamente allerdings werden für Patienten immer teurer. Je nach Land sind die Aufschläge verschieden. In der Schweiz etwa betrugen sie zuletzt bis zu 50%. Hauptgrund sind die Anfangsinvestitionen für neue Wirkstoffe.

Langer Weg zu innovativen Wirkstoffen

Einer jüngeren US-Studie zufolge verschlingt im generellen Pharmabereich allein die im Schnitt 10 Jahre lange Forschung und Entwicklung über verschiedene Zulassungsstufen bis zur fertigen Markteinführung ca. 2,9 Mrd. US-$. Diese Summe hat sich in den letzten 10 Jahren um 130% gesteigert. Die internationale Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ indes sieht solche Werte als extrem hochgerechnet und kommt auf einen Bruchteil davon.

Sollte die Kritik berechtigt sein, dann wäre die tatsächliche Gewinnspanne umso höher. Dennoch ist das Investitionsrisiko hoch. Längst nicht jede Entwicklung schafft die Zulassung. Und einiges muss sogar nachträglich vom Markt genommen werden. Zuletzt traf es Novo Nordisk. Wenigstens ist die Entwicklungspipeline der Dänen mit innovativen Wirkstoffen gut gefüllt – bei Sanofi ebenfalls.

Medizin- und Softwareanbieter wachsen zusammen 

Stichwort innovativ: neuerdings gibt es bislang ungewöhnliche Konstellationen in der Diabetes-Versorgung. Google bzw. ein Life Science-Ableger der Holding Alphabet hat vor wenigen Wochen mit Sanofi ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, genannt Onduo. Ziel ist es, die Diabetes Forschung voranzutreiben und bessere Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Dass die klassische Domäne der Pharma- und Biotech-Firmen nun auch vom IT-Konzern entdeckt wird, erklärt sich mit dem digitalen Umbau in der Industrie.

Die Pharmaunternehmen versprechen sich von der Zusammenarbeit eine effizientere Umsetzung größerer Datenmengen, die verstärkt zur Grundlage für Wirkstoffentwicklungen werden. Erst kürzlich hatte sich Google bereits mit Glaxo SmithKline zusammengetan. Medizin und Software verschmelzen miteinander. Unter anderem hat Sanofi Geräte im Visier, die nach der Messung von Blutzuckerwerten automatisch die passende Menge Insulin verabreichen.

Rundum-Versorgung übers Handy

Es bleibt abzuwarten, wann auch Telekommunikationsunternehmen den Markt aktiv bearbeiten. Im April beispielsweise gab Vodafone eine Pressemeldung zu einem erfolgreichen Telemedizin-Projekt heraus. Gemeinsam mit dem Westdeutschen Diabeteszentrum in Düsseldorf wurden Probanden über die Netzinfrastruktur des Mobilfunks betreut.

Der Vorgang: Gesundheitswerte wurden übermittelt und analysiert. Auf deren Basis bekamen die Patienten Verhaltensempfehlungen und die Möglichkeit zur Videokonferenz mit dem Arzt – egal wo sie sich aufhielten. Im Ergebnis entfiel der Gang zum Arzt und es wurden weniger Medikamente benötigt, was den Herstellern natürlich ein Stück vom Umsatz nimmt.

Nachdem auch Bayer seine Diabetes-Technik an den japanischen Elektronik-Konzern Panasonic verkauft hat, ergeben sich zunehmend völlig neue Ausgangskonstellationen und Allianzen zwischen Medizin, Technik, Software und Telekommunikation.

Der Markt wird noch auf absehbare Zeit attraktiv bleiben, denn Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die fortlaufend behandelt werden muss. Eine Heilung ist in den nächsten zehn Jahren noch nicht in Sicht. Bis dahin bleibt es bei den krankheitsbegleitenden Therapien mit Insulinspritzen und Tabletten. Und die sorgen weiterhin für stabile Umsätze.

8. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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