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Dieser Mann machte Ikea zum Weltkonzern

Er gehört zu den Unternehmerpersönlichkeiten, die es verstanden haben, den richtigen Nerv von Kunden weltweit zu treffen und eine der international bekanntesten Marken aufzubauen: der schwedische Ikea-Gründer Ingvar Kamprad.

Als er am 30. März 2016 seinen 90en Geburtstag feierte, sah er noch keinen Grund, das Geschäft komplett seinen Söhnen Jonas, Mathias und Peter zu überlassen.

Ingvar Kamprad – mit Sparsamkeit zum Erfolg

Ingvar Kamprads Misstrauen rührt aus seiner Erfahrung. Ikea ist nicht zuletzt wegen seiner persönlichen Eigenschaften geworden, was es ist. Hinter der weltweit größten Haushaltsmöbelmarke mit 328 Filialen, über 150.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fast 32 Mrd. € im Jahr 2015 steht ein Mann, der stolz auf seine Sparsamkeit ist. Seine Kleider kauft er bevorzugt im Second-Hand-Shop, er fährt einen alten Volvo oder mit dem Senioren-Ticket im Bus.

Ingvar Kamprad ist der wohl sparsamste Milliardär. Das Kamprad-Vermögen wird auf bis zu 48 Mrd. US-$ geschätzt. Über welche Gelder er verfügt, ist schwer zu sagen, Ikea ist ein Stiftungsunternehmen. Die Stichting Ingka Foundation betreibt von den Niederlanden aus die Warenhäuser. Und die Liechtensteiner Stiftung Interogo verwaltet über Inter Ikea Systems die Markenrechte.

Insgesamt umfasst das Firmengeflecht nicht nur Möbel, Schnellrestaurants oder Fertighäuser für jedermann. Auch Banken, Hotels, Leasingunternehmen, Versicherungen und Immobiliengesellschaften gehören zum gelb-blauen Konzern.

Dass der schwedische Staat vom Erfolg des nationalen Aushängeschilds lange kaum Steuern sah, ist Teil von Ingvar Kamprads Sparsamkeit. Er selbst wohnte seit 1973 in der Schweiz und kehrte erst 40 Jahre später in seine südschwedische Heimat zurück, wo alles begann.

Ikea-Kultur erobert die Welt

Bereits als Schuljunge zog er in seinem Geburtsort Agunnaryd von Haus zu Haus und verkaufte Streichhölzer, Papierwaren und Gebrauchsgegenstände für den Alltag. Noch während seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gründete er 1943 Ikea. Der Name ist das Kürzel für die Anfangsbuchstaben von Ingvar, Kamprad, der elterlichen Farm Elmtaryd und Agunnaryd. Die Firma bot günstige Möbel an.

Beim Transport kam die Idee auf, sie nicht im Ganzen, sondern in Einzelteilen zu liefern. Das sparte Kosten und verschaffte den Kunden das Gefühl, bei ihrer Einrichtung selbst Hand anzulegen. Mit Bausatz-Möbeln verkaufte Ingvar Kamprad zugleich ein Lebenskonzept. Die Kombination mit günstigen Preisen wurde zur Grundlage des Erfolgs.

1958 öffnete in der nächstgrößeren Stadt Älmhult das erste Möbelhaus seine Pforten. Es folgten Stockholm, Oslo und 1974 die erste deutsche Filiale in Eching bei München. Nach Europa wurden der russische, asiatische und amerikanische Markt erobert. Bei Ikea ist alles praktisch und günstig. Diesen Gegenentwurf zu einem Leben mit Statussymbolen verkörpert Ingvar Kamprad selbst. Statt irgendwelcher Chef-Allüren legt er Wert auf Vorbildfunktion und Mitarbeitermotivation.

Superlative ohne Börsenwert

Dabei schuf er ein Imperium mit einigen Superlativen. Ganz nebenbei sozusagen entwickelte sich die bei jedem Ikea-Besuch unverzichtbare Gastronomie mit einem Umsatz von 1,5 Mrd. € zu einer der 10 größten Fastfoodketten. Der Ikea-Katalog ist mit 220 Mio. gedruckten Exemplaren in 29 Sprachen noch vor der Bibel das meistverbreitete Druckexemplar der Welt. Er gibt jedes Jahr die neue Stilrichtung vor, wobei Klassiker wie das Bücherregal Billy die Verkaufsliste anführen. Und angeblich wird jeder zehnte Europäer auf einer Ikea-Matratze gezeugt.

Ingvar Kamprad hat von Anfang an beharrlich und unbeirrt sein Konzept verfolgt. Bekannt ist seine immer wieder geäußerte Weigerung, das „Unmögliche zu akzeptieren“. Ebenso hat er sich stets jedweden Überlegungen widersetzt, den Konzern an die Börse zu bringen. Unter dem Renditedruck der Finanzmärkte will er Ikea auch künftig nicht sehen. Seine Söhne hat er bereits darauf eingeschworen. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Während viele Konkurrenten ums Überleben kämpfen, eilt Ikea von einem Kundenrekord zum nächsten.

17. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.