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Disagio und Steuer: so bilanzieren Sie richtig

Erhält ein Kreditnehmer ein Darlehen und bekommt weniger als den Nennwert, dann liegt ein sogenanntes Disagio (auch: „Abgeld“ oder „Damnum“) vor. Für das Thema der Steuer beim Disagio interessant: In der Handelsbilanz besteht auf dieses Abgeld ein sogenanntes Aktivierungswahlrecht, in der Steuerbilanz jedoch eine Aktivierungspflicht – was das Disagio hinsichtlich der Steuer relevant macht.

Im Beispiel: So funktioniert ein Disagio

Herr Klein nimmt einen Kredit auf in Höhe von 5.000 € von 3 Jahren Laufzeit. Dieser Betrag ist der Nennwert des Darlehens, auf welchen sich auch der ausgewiesene Nominalzins bezieht. Dieser Zins beträgt hier 10%. Das bedeutet, in jedem Jahr muss der Kreditnehmer 10% auf den Kredit von 5.000 € als Kreditzinsen zahlen. Dies macht 500 € pro Jahr oder auch knapp 42 € pro Monat.

Auf diesen Kredit soll nun ein Disagio von 5% einbehalten werden. Dieser Abschlag bezieht sich ebenfalls auf den Nennwert, macht also 250 € (0,05 * 5000 = 250). Herr Klein erhält also nicht den eigentlichen Nennwert von 5.000 € als Darlehen, sondern, nach Abschlag des Disagio, 4.750 €. Das Besondere: Bis zum Ende der Laufzeit muss er jedoch den vollen Nennwert von 5.000 € zurückzahlen.

Herr Klein muss dementsprechend mehr zurückzahlen, als ihm bei Aufnahme des Kredites tatsächlich ausgezahlt wurde. Der Auszahlungsbetrag ist bei einem Disagio also niedriger, als der Rückzahlungsbetrag.

Disagio in Steuer- und Handelsbilanz: Die Unterschiede

Nach §250 Handelsgesetzbuch (HGB) besteht in der Handelsbilanz ein sogenanntes Aktivierungswahlrecht, nicht aber die Pflicht es zu aktivieren. So kann Herr Klein das gezahlte Disagio bei Aufnahme des Kredites von 250 € im Sinne eines aktivischen Rechnungsabgrenzungspostens aufführen, er kann jedoch auch darauf verzichten und das Abgeld als vorweggenommene Zinsaufwendung behandeln.

Er würde das Abgeld dann nicht als aktives Bestandskonto, sondern als Gewinn-Verlust-Rechnung Position, als Zinsaufwendung. Der Unterschied: Während Herr Klein sich bei letzterer um 250 € „ärmer“ rechnet, rechnet er sich bei ersterer um 250 € „reicher“. Dementsprechend muss sich Herr Klein als Handelsbilanzier überlegen, ob er sich ärmer oder reicher rechnen möchte.

Diese Wahlmöglichkeit für ein Disagio besteht in der Steuer-Buchhaltung nicht. Dort ist es verpflichtend, das Damnum als aktivischen Posten zu bilanzieren. Sollte jedoch der Gewinn möglichst niedrig ausgewiesen werden und eine Einheitsbilanz nicht verbindlich sein, so wäre die GUV-Rechnung als Bilanzposition naheliegend.

Verteilung kehrt sich über Laufzeit um

Die Verteilung dieser „ärmer“ und „reicher“ Bilanzierung gilt jedoch nur zu Beginn der Laufzeit. Im weiteren Verlauf der Kreditlaufzeit – bei Zahlung von Zinsen – dreht sich die Verteilung um.

Wenn eine Position in der Bilanz aktiviert wird, muss sie planmäßig abgeschrieben werden. Wenn das Disagio also einmal bilanziell aktiviert wird, so muss man es über die Laufzeit des Kredites auch auflösen – aufgrund der Pflicht gilt dies für die Steuer-Bilanzierung.

Über eine Laufzeit von 3 Jahren ergibt sich daraus eine regelmäßige Abschreibung von 83,33 €. Somit rechnet sich Herr Klein ärmer, da er bei Aktivierung eine Abschreibung hat, die er sonst nicht hat – die Zinsaufwendung ist identisch, da es sich um einen Nominalzins handelt. Im Sinne einer Maßgeblichkeit, die §5 Abs.1 EStG vorschreibt, ist die Handelsbilanz maßgeblich für die Steuerbilanz.

Das heißt im Klartext: Was in der Handelsbilanz steht, muss auch in der Steuerbilanz so angewendet werden, sofern in dieser nicht anderes ausdrücklich erwähnt wird. Daher wird es gemeinhin so ausgelegt, dass das handelsrechtliches Aktivierungswahlrecht zu steuerrechtlichen Aktivierungspflichten führt.

7. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Max Fassbender
Von: Max Fassbender. Über den Autor

Max Fassbender arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.