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Dividendenstrategie: Ein einfaches Aktien-Auswahl-System

Ich habe Ihnen bereits gezeigt, welche Möglichkeiten Sie haben, im aktuellen Zinstief unattraktive Zins-Anlagen durch Dividenden zu ersetzen.

Eine der genannten Anlage-Alternativen, die mechanischen Dividendenstrategien, stelle ich Ihnen im Folgenden genauer vor.

Grundidee: Ausschaltung von Emotionen

Die Grundidee der mechanischen Dividendenstrategien ist die Ausschaltung von Emotionen wie Angst oder Gier bei der Aktienauswahl, die zu schlechteren Anlage-Ergebnissen führt.

Schon Investoren-Legende Benjamin Graham hatte deshalb empfohlen, einfach die 6 bis 10 Aktien aus dem US-Aktien-Index Dow Jones mit dem niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu kaufen.

Später schlug John Slatter einen ähnlichen Ansatz vor. Statt auf das niedrigste KGV setzte er auf die höchste Dividendenrendite.

Heute gelten beide Methoden als überholt. Die folgenden Auswahlmethoden haben sich hingegen als erfolgreicher erwiesen:

O’Higgins-Methode (Low-5)

Michael O’Higgins analysierte die Auswahlmethoden Benjamin Grahams und John Slatters eingehend und entwickelte diese weiter.


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Nach ausführlichen statistischen Untersuchungen von Börsendaten über mehrere Jahrzehnte fügte er dem Kriterium Dividendenrendite ein weiteres hinzu: die Höhe des Aktienkurses.

Statt einfach die 10 Aktien aus einem Index mit der höchsten Dividendenrendite zu kaufen, empfahl er, nur die 5 niedrigsten dieser 10 mit dem niedrigsten Aktienkurs ins Depot aufzunehmen.

Die gekauften Aktien werden alle 1 Jahr lang gehalten. Danach wird eine neue Auswahl vorgenommen.

Die O’Higgins-Strategie wird auch als „Low-5“ bezeichnet. O’Higgins führte zum Beweis seiner Strategie Rückrechnungen („Backtesting“) durch.

Ergebnis: Seine Strategie war dem Dow Jones in der Vergangenheit deutlich überlegen. Und auch die folgenden Jahrzehnte untermauerten die guten Ergebnisse mit dieser einfachen Aktien-Auswahlmethode.

Ein Verbesserungs-Versuch: Die Low-4-Auswahlmethode

Seit der Veröffentlichung der O’Higgins-Strategie gab es zahlreiche Versuche, die Ergebnisse noch weiter zu steigern. Zu größerer Bekanntheit brachten es dabei lediglich die Ideen von Robert Sheard:

Er hatte auf der Basis der O’Higgins-Methode eine Vielzahl von statistischen Untersuchungen angestellt, bei denen er die Anzahl der ausgewählten Aktien sowie deren Gewichtung variierte.

Das Ergebnis: Die Rendite der Dividendenstrategie lässt sich noch weiter steigern, wenn nicht alle 5 Aktien mit dem niedrigsten Kurs ins Depot aufgenommen werden.

Bei der Low-4-Auswahlmethode wird die Aktie mit dem niedrigsten Kurs nicht ins Depot aufgenommen, sie hat sich nach Sheards Untersuchungen häufig am schlechtesten entwickelt.

Stattdessen wird die Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs doppelt gewichtet (40%), da sie sich statistisch am besten entwickelt hat.

Anwendung mechanischer Dividendenstrategien: US-Markt aktuell empfehlenswerter

In den vergangenen Jahrzehnten haben die mechanischen Dividendenstrategien v. a. im Dow Jones (USA) und im DAX (Deutschland) gut funktioniert.

In den letzten Jahren funktionierten sie jedoch im DAX nicht mehr, da sich die beiden Versorger-Aktien RWE und E.ON (die regelmäßig in der Auswahl landen) seit Jahren auf Talfahrt befinden.

Wenn Sie die mechanische Dividendenstrategie aktuell anwenden wollen, empfehle ich Ihnen daher, dies für den Dow Jones zu tun.

17. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.