MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Double Irish – das Ende des irischen Steuerschlupflochs

Wer als Privatanleger in IT-Firmen investiert hat, sollte in den kommenden Jahren die Augen offen halten. Denn ein wichtiges Standbein für hohe Gewinne wird bei vielen Unternehmen ab 2020 wegfallen. Das Steuerschlupfloch in Irland, bekannt als „Double Irish With A Dutch Sandwich“, wurde abgeschafft.

Apple und Google nutzen Double Irish

Weil insbesondere multinationale IT-Konzerne, allen voran Apple und Google von dieser Steuerersparnis profitiert haben, könnten deren Gewinne sinken. Das wird allerdings erst ein Thema, wenn ab 2020 die neue Verordnung in Kraft tritt. Seit 2015 gilt diese Regelung bereits für neue Unternehmen. Wer jedoch bereits von diesem Schlupfloch profitiert, dem wurde eine großzügige Frist von 5 Jahren eingeräumt, um sich nach Alternativen umzuschauen.

Hintergrund des Double Irish

Der irische Finanzminister Michael Noonan setzt mit der Änderung nun das um, was bereits ein Jahr zuvor angedacht wurde. Irland weist mit 12,5 % eine schon sehr niedrige Unternehmenssteuer auf. Dennoch gelingt es großen Konzernen mit dem Double Irish, selbst diese geringe Abgabe zu umgehen. Irland profitiert also in keinster Weise von diesem Steuermodell und darunter leidet auch der Haushaltsetat.

Mit der neuen Regelung hofft die irische Politik auf höhere Steuereinnahmen und damit mehr Mittel im Kampf gegen die Staatsverschuldung. Irland zählte in Europa bislang als Zufluchtsort für Steuerflüchtlinge. Doch das Land selbst hat wenig davon, wenn dort große Unternehmen wie Amazon und Facebook jeweils 2 Unternehmen gründen, die in etwa einer Briefkastenfirma gleichen.

Funktionsweise des Double Irish

Das Steuerschlupfloch basiert aus einer Kombination aus irischen Unternehmen und Steueroasen wie die Bermudas oder den Kaimaninseln. Konzerne wie Yahoo, IKEA oder IBM gründen 2 Ableger von ihren Unternehmen in Irland. Das erste Unternehmen wird im irischen Handelsregister eingetragen, bekommt aber offiziell den Unternehmenssitz im Steuerparadies. Diese Firma wird dann Eigentümer aller Lizenzrechte des Konzern.

Das zweite Unternehmen, das ebenfalls in Irland gegründet wird, wickelt hierbei alle Lizenzzahlungen über die Muttergesellschaft ab. Es verbucht aber alle Gewinne aus dem Lizenzgeschäft mit der ersten Firma. Somit fällt der Profit nur bei dem Unternehmen an, das den Sitz in den Bermudas hat.

Laut irischen Recht muss eine Firma nur dann Unternehmensteuern zahlen, wenn sie einen Handelsregistereintrag und gleichzeitig den Sitz in Irland hat. Das wird per Double Irish With A Dutch Sandwich umgangen.

Auf diese Weise schaffte es Google beispielsweise im Jahr 2013 einen Umsatz von fast 60 Mrd. US-$ zu erwirtschaften. Jedoch zahlte die bekannteste Suchmaschine der Welt lediglich 27,7 Mio. € Körperschaftsteuer bei einem Gewinn von fast 13 Mrd. US-$. Aus dem zweistelligen Millionenbetrag für Steuerabgaben müsste dann ab 2020 ein mindestens einstelliger Milliardenbetrag werden. Wenn Google weiterhin schnell wächst, könnten es sogar noch mehr zu zahlende Steuern werden.

Auswirkungen vom Ende des Double Irish

Für Privatanleger, die in Oracle, Starbucks, Adobe Systems oder die weiter oben genannten Konzerne investiert haben, könnten ab 2020 kalt erwischt werden. Denn dann ist das Steuerschlupfloch für diese Unternehmen Vergangenheit und die Unternehmenskosten werden steigen. Das gilt natürlich nur unter der Bedingung, dass diese multinationalen Konzerne bis dahin keine neue Lösung gefunden haben, einen Großteil ihrer Steuerpflichten zu umgehen.

Auf jeden Fall lohnt es sich als Anleger diese potentielle Gefahr im Hinterkopf zu haben. So könnte es auch sein, dass zukünftig ein anderes Land mit besonders günstigen Konditionen lockt und die Konzerne ihre Unternehmen dorthin verlagern. Vielleicht warten diese Börsenschwergewichte dann sogar nicht bis 2020 und ziehen schon vorher um. Deshalb ist das Double Irish für Investoren auf jeden Fall ein Thema, dem sie Beachtung schenken sollten.

17. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.