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DSW-Dividendenstudie: Anlageexperte Christian Röhl im Interview

Neue Ausschüttungs-Rekorde im MDAX und im TecDax, Rückgänge bei den DAX-Unternehmen – mit 37,3 Mrd. € beteiligten deutsche Aktiengesellschaften ihre Eigentümer zuletzt kaum mehr als im Vorjahr.

Das Dividendenjahr 2014 werde aber das freundliche Konjunktur- und Börsenumfeld widerspiegeln, sagt Christian W. Röhl, Beiratsvorsitzender des Deutschen Instituts für Portfolio-Strategien, das gemeinsam mit der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz eine Studie zur Dividendenpolitik in Deutschland erarbeitet hat.

Marcus Schult sprach mit dem Anlage-Experten. Zum Start der Audio-Datei klicken Sie bitte auf den roten, runden „Play“-Knopf.

Das komplette Interview als Textversion

GeVestor: Herr Röhl, Dividende galt lange Zeit mal als „uncool“. Sie sagen: Eigentlich völlig falsch, Dividende ist wichtig! Wie sieht es denn aus mit der Dividendenlandschaft 2014 in Deutschland?

Christian Röhl: Dividende ist vor allem deshalb cool, weil Dividende sich in steigenden Kursen niederschlägt. Unternehmen, die Dividenden zahlen, schneiden empirisch betrachtet deutlich besser ab als Unternehmen, die keine Dividende zahlen. Insofern macht es für Anleger Sinn, sich mit Dividenden zu beschäftigen, auch in die Details reinzugehen.

Und die sind dieses Jahr sehr erfreulich. Wir haben zwar per saldo nicht mehr Dividenden-Einnahmen als im Vorjahr, aber die meisten Unternehmen haben ihre Dividenden zum Teil deutlich anheben können.

Es gibt nur wenige Enttäuschungen, diese aber gleichzeitig bei großvolumigen Dividendenzahlern, namentlich bei der Deutschen Telekom und den beiden Versorgern RWE und Eon.

GeVestor: 86% der indexgelisteten Gesellschaften schütten aus. Trotzdem ist der DSW nicht zufrieden. Können Sie diese Unzufriedenheit nachvollziehen?


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Röhl: Es ist keine Unzufriedenheit generell mit dem Ausschüttungsverhalten. 86% der Unternehmen, die ausschütten, ist ein Allzeitrekord. Es sind 5 Prozentpunkte mehr in dieser Quote als im letzten Jahr. Die Unzufriedenheit muss sich eher auf Detailfaktoren gründen, wie zum Beispiel die Ausschüttungsquote.

Da haben wir deutlichen Nachholbedarf. Die meisten Unternehmen schütten etwas zu wenig aus, liegen im Schnitt bei etwa 40%, während die DSW davon ausgeht, dass 50% eigentlich an die Eigentümer ausgeschüttet werden sollen.

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Vorsitzender des dips-Fachbeirats: Christian Röhl.*

Schließlich wird mit der Dividende das Vertrauen der Aktionäre entlohnt. Und gleichzeitig ist natürlich Dividende – gerade in Zeiten niedriger Zinsen – ein Argument, das für Aktien spricht. Das heißt: Schon im eigenen Interesse, um ihre Anteilseigner zu binden, sollten Unternehmen etwas mehr für die Aktionäre übrig haben.

GeVestor: Warum tun sie es nicht?

Röhl: Man hat natürlich aus den Jahren 2008/2009 einige Lehren mitgenommen. In deutschen Finanzabteilungen herrscht natürlich die Angst vor, noch einem solchen Schockfrost zu erliegen, wo plötzlich Kreditmärkte eingefroren sind und man kein Geld mehr beschaffen kann.

Insofern versucht man, doch möglichst viel Liquidität zu horten. Es gibt das eine oder andere DAX-Unternehmen, das eigentlich fast eine Bank oder eine Vermögensverwaltung mit angeschlossenem Industrie- oder Dienstleistungsbetrieb ist.

Da spielen diese Erfahrungen eine Rolle. Wir haben die Hoffnung, wenn das gesamtwirtschaftliche Umfeld sich weiter so entspannt zeigt, wie das momentan der Fall ist, die Euro-Krise nicht noch einmal zuschlägt, dass dann die Ausschüttungsquoten vielleicht auch mal wieder etwas nachhaltiger steigen.

GeVestor: Fragt sich der Anleger: Was mache ich aus diesem Wissen? Wie kann der Anleger davon profitieren?

Röhl: Der Anleger kann aus der Studie vor allem eines mitnehmen: Prof. Frey und ich können zeigen, dass die eindimensionale Betrachtung, die nur die Dividendenrendite oder nur das Dividendenwachstum berücksichtigt, nicht richtig ist.

Sondern dass Anleger, wenn sie Dividendenqualität finden wollen, 4 Faktoren prüfen sollten: nämlich neben der Dividendenrendite und dem Dividendenwachstum auch die Ausschüttungsquote und die Nachhaltigkeit der Ausschüttungspolitik. Sprich: Gab es mal Ausfälle? Wie viele Erhöhungen in Folge gab es? Sprich: das Ganze auch über einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren.

Wenn Anleger hier Unternehmen finden, die in allen 4 Disziplinen gut oder zumindest überdurchschnittlich abschneiden, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, nicht nur gute Dividendenerträge zu bekommen, sondern überdies auch noch erfreuliche Kursgewinne.

GeVestor: Eigentlich gucken die Unternehmen immer gern, was im angelsächsischen Markt passiert. Dort gibt es die „dividend aristocrats“. Hier sind sie eher rar gesät, solche Unternehmen, die lange hintereinander die Dividenden ausgezahlt haben, diese auch immer gesteigert haben. Ist da eine Trendwende absehbar?

Röhl: Eine Trendwende absehbar wäre nur über sehr lange Fristen. Selbst über 10 Jahre finden wir nur 4 Unternehmen in den Auswahlindizes der Deutschen Börse, die kontinuierlich die Dividende angehoben haben.

Die Ursprungsdefinition von Aristocrats geht über 25 Jahre. Da gibt es in Deutschland kein einziges Unternehmen, das das geschafft hat, zumindest nicht in den Indizes. Wenn wir auf die 10 Jahre gehen, dann sind das Fresenius, Fresenius Medical Care, Fuchs Petrolub und ein TecDAX-Unternehmen, nämlich Stratec Biomedical.

Da können natürlich andere hinzukommen. Aber wer 2005 einen Ausfall hatte, oder 2009 im Zuge der Finanzkrise, der muss diesen erst einmal aufholen, um dann irgendwann da langsam reinzuwachsen. Das kann nur die Zeit bringen.

Wir hoffen natürlich, dass der Anteil derer, die durch kontinuierliche Dividendenzahlungen Anleger binden wollen, steigen wird.

*(c) dips – Deutsches Institut für Portfolio-Strategien.

14. April 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.