von Andreas Sommer

E.ON: Aktie mit Fusions-Potenzial?

Charttechnik E.ON: Risiko überwiegt die Chance

Charttechnik E.ON: Risiko überwiegt die Chance

Der EU-Energiekommissar Oettinger überrascht die Börse heute mit dem Vorschlag, die Energiekonzerne RWE und E.ON zu fusionieren.

In der Rheinischen Post wird er zitiert: „Bei allem Respekt vor E.ON und RWE: Im Weltmaßstab sind beide nur Regionalliga. Will Deutschland in der Weltliga mitspielen, die von Konzernen wie Exxon, Chevron oder Gazprom dominiert wird, brauchen wir einen nationalen Player von entsprechender Größe.“

Die Aktienkurse der beiden DAX-Titel reagieren darauf verhalten positiv. Während RWE zu Stunde immerhin mit rund +2,7% im Plus notiert, verbucht E.ON nur einen mageren Zuwachs von +0,42%.

Charttechnik E.ON: Risiko überwiegt die Chance

Aus aktuellem Anlass habe ich mir deshalb einmal den E.ON-Chart vorgenommen und anhand des Wochencharts (1 Kerze bildet den Handelsverlauf 1 Woche nach) die Perspektiven aus Sicht der Charttechnik abgeklopft.

Der obligatorische Hinweis: Da die laufende Woche noch nicht abgeschlossen ist, ist die letzte Kerze natürlich noch nicht vollständig und kann daher nur bedingt zur Analyse heran gezogen werden.

Zunächst einmal sehen wir im Kurschart, dass sich die Aktie der E.ON AG seit dem Allzeithoch im Januar 2008 (für eine bessere Übersichtlichkeit im Chart nicht zu sehen) in einem Abwärtstrend bewegt. Das habe ich Ihnen anhand der pinkfarbenen Linien deutlich gemacht, welche die wichtigsten Hoch- und Tiefpunkte miteinander verbinden.

Nach dem August-Crash im letzten Jahr konnte sich der E.ON-Kurs zunächst deutlicher erholen als die Masse der DAX-Aktien. Und: Der Kurs konnte sich seit Oktober auf einem höheren Niveau stabilisieren.

Dies ist jedoch auch genau das Dilemma, in dem der Kurs derzeit steckt: Es geht weder nach oben 18,50 Euro hinaus, noch nach unten unter die 16,95 Euro (rote Linien).

Selbst wenn ein Ausbruch nach oben gelänge, dann würde die Marke von 20,00 Euro den Lauf wohl gleich wieder ausbremsen. Hier wartet nämlich ein starker Widerstand aus dem Sommer des letzten Jahres, nachdem dieses Niveau im März davor noch Unterstützung bot.

Nach unten bietet sich indes etwas größeres Potenzial: Sollte der Kurs nachhaltig unter 16,95 Euro rutschen, winkt ein Test des Septembertiefs bei 12,50 Euro.

Momentum mit überraschendem Warnsignal

Auch die Indikatoren machen wenig Hoffnung.

Das Momentum notiert nun schon seit Mai 2010 (!) unter der Nulllinie. Es wird also stetig negatives Momentum aufgebaut.

Und noch etwas fällt dem eifrigen Charttechniker ins Auge: Während der Kurs noch in seinem Seitwärts-Band verharrt, ist das Momentum zuletzt nach unten aus der parallel dazu verlaufenden Seitwärts-Bewegung nach unten ausgebrochen.

Das ist ein Warnsignal, das Sie nicht außer Acht lassen sollten!

Last not least bewegt sich das Momentum schon wieder verdächtig nah an dem Niveau, das mit dem Tief im September einher ging (gelbe Kreise, violette Linie).

Auch der Relative Stärke Index (RSI) gibt, bislang zumindest, noch keinen Anlass zu Käufen: Mit Ausnahme einer mehrwöchigen Phase im Januar / Februar 2010 notierte der RSI unter 50. Das ist der Bereich (0 bis 50), der in der Charttechnik als Verkaufs-Territorium angesehen wird.

Die mit den blauen Kreisen versehenen Versuche, die 50er-Marke zu durchbrechen, stellten in der Rückschau tatsächlich sogar eher gute Short-Möglichkeiten dar.

Fazit: Lieber Herr Oettinger, Ihre Fusions-Idee macht wirtschaftlich gesehen vielleicht durchaus Sinn. In der aktuellen Lage hilft es dem Aktienkurs indes nicht auf die Beine.

Vielmehr sendet das Momentum ein signifikantes und, mit Blick auf den Kursverlauf, auch ziemlich überraschendes Warnsignal.

 
 

Autor:

Andreas Sommer

Seit November 2008 veröffentlicht Andreas Sommer seine Profi-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Chartanalyse-Trends.