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Ehe und Scheidung – das ist bei der Lohnsteuerklasse zu beachten

Eine Ehe bietet klare Steuervorteile. Geht sie aber zu Bruch, zieht dies eine Reihe finanzieller Konsequenzen nach sich.

Dazu gehört neben Unterhaltszahlungen die Neuordnung der persönlichen Steuerklassen. Geschiedene Partner sind verpflichtet, ihre Steuerklasse zu ändern. Wer aufs richtige Timing achtet, kann die Vorteile der Ehe noch eine Zeit lang mitnehmen.

Vorteilhafte Kombinationen in der Ehe

Zunächst: Das Gesetz privilegiert die Ehe und erlaubt Gestaltungsvarianten. Wenn beide Ehepartner Arbeitsgehalt beziehen, können sie zwischen zwei Kombinationen wählen: Lohnsteuerklasse IV/IV oder III/V.

In der Regel ist die Kombination III/V dann günstiger, wenn ein Partner mindestens 60% des gemeinsamen Einkommens erwirtschaftet. Der wird also die Lohnsteuerklasse ändern, um von der Klasse III zu profitieren. Hier werden sämtliche Frei- und Pauschbeträge des Paares zusammengefasst, die Steuerbelastung ist sehr gering. Der Partner mit der Klasse V indes verzichtet darauf und zahlt überproportional mehr.

Meist wird dieser Nachteil durch den Vorteil der Klasse III aufgehoben. Wenn nicht, so sorgt seit 2010 das sog. Faktorverfahren für eine faire Verteilung: Bei jedem Ehepartner werden die ihm zustehenden Freibeträge beim Lohnsteuerabzug voll berücksichtigt. Das Verfahren muss jährlich beim Finanzamt beantragt werden.

Steuervorteile gehen bei Scheidung verloren

Scheitert die Ehe, müssen die Partner ihre Lohnsteuerklasse wieder ändern und zurück zur getrennten Veranlagung wechseln. Der Partner mit der günstigeren Klasse III muss in die Klasse I und zahlt künftig mehr. Der andere mit der ungünstigen Klasse V wechselt zur Klasse I oder II und zahlt wieder weniger.

Wichtig ist aber nicht, ob beide geschieden sind. Entscheidend ist die Trennung, also das Trennungsjahr und die Tatsache, dass die Partner dauerhaft getrennt leben. Vorsicht: Mit dieser Vorgabe entfällt das Steuerprivileg der Ehe beispielsweise auch dann, wenn in einer Fernbeziehung ein Ehepartner dauerhaft im Ausland wohnt.

Geschicktes Timing zum vorübergehenden Erhalt des Eheprivilegs

Das Gebot der dauerhaften Trennung lässt sich aber auch zum Vorteil nutzen: Kann man nachweisen, dass man im Trennungsjahr noch geraume Zeit zusammengelebt hat, wird das Finanzamt in der Regel die alte Zusammenveranlagung akzeptieren.

Das Eheprivileg lässt sich aber auch durch geschicktes Timing eine Weile erhalten, denn das Finanzamt schaut nur aufs jeweilige Kalenderjahr. Erfolgt die Trennung erst am Jahresende, gilt bereits im folgenden Januar die getrennte Veranlagung. Trennen sich beide aber zu Beginn des Jahres, bleibt die gemeinsame Veranlagung mit allen Vorteilen noch bis zum 31. Dezember erhalten.

Ab Januar müssen dann beide die Lohnsteuerklasse ändern. Wer das vergisst, riskiert Nachzahlungen und schlimmstenfalls ein Strafverfahren.

Unterhaltszahlung steuerlich absetzbar

Sobald sich die Steuerklassen ändern, ist zudem eine Neuberechnung des Unterhalts fällig. Unterhaltszahlungen sind ein leidiges Thema, doch die Zahlungen lassen sich von der Steuer absetzen. Bei dem Verfahren, das sich „begrenztes Realsplitting“ nennt, wird der Ehegattenunterhalt als Sonderausgabe von der Steuer abgezogen.

Auf der anderen Seite muss der Unterhaltsempfänger das Geld versteuern. Doch diesen Nachteil hat wiederum der Zahlungsverpflichtete auszugleichen, da er seinerseits vom Sonderausgabenabzug profitiert.

Wenn sich also eine Trennung schon nicht vermeiden lässt, so sollte man wenigstens aufs richtige Timing achten und die Folgen möglicher Unterhaltszahlungen im Auge behalten.

18. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.