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Eigenkapitalquote: Aussagekraft und Bedeutung

Die Eigenkapitalquote von Unternehmen muss mindestens 20% der Bilanzsumme betragen. Erst dann gilt ein Unternehmen als kreditwürdig.

Mit einer niedrigen Eigenkapitalquote erhöht sich zwar die Eigenkapitalrendite, eine hohe Eigenkapitalquote senkt jedoch die Gefahr von Liquiditätsproblemen eines Unternehmens.

Mehr dazu: Wie hoch sollte Eigenkapitalquote sein?

Doch inwieweit ist die Eigenkapitalquote vor Manipulationen geschützt? Und ist die Aussagekraft der Eigenkapitalquote wirklich so hoch?

Interpretationen des Begriffs „Eigenkapital“

Der Begriff „Eigenkapital“ ist insbesondere für Personengesellschaften und Einzelunternehmen ein dehnbarer Begriff. Was vom Gesamtvermögen dem Privat- oder Betriebsvermögen zugerechnet wird, liegt im Ermessen der Eigentümer.

Eine Anrechnung von Immobilien und Geldanlagen zum Privatvermögen hat zum Beispiel positive steuerliche Auswirkungen bei Veräußerungsgewinnen.


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Bei Kreditvergaben müssen Einzelunternehmer jedoch aus Haftungsgründen oftmals zusätzlich mit diesem Privatvermögen bürgen. Bei einer Aufnahme von Kreditfinanzierungen lohnt sich wiederum die Abwicklung über den Betrieb.

Kapital von dritter Seite, zum Beispiel von Investoren oder privaten Geldgebern, kann ebenfalls zum Eigenkapital des Unternehmens gezählt werden. Voraussetzung ist nur der haftende Charakter des Kapitals.

Aufgrund dieser Verschiebungen im Bereich des Eigenkapitals kommt es zu keiner tatsächlichen Aussagekraft der Finanzsituation eines Unternehmens. Die Bilanzen bieten eine erhebliche Interpretationsfläche.

Mehr dazu: Börsenaufschwung: Die Banken müssen ihr Eigenkapital erhöhen

Der Mittelstand und die Eigenkapitalquote

Der Mittelstand setzte in der Vergangenheit auf eine niedrige Eigenkapitalquote.

Die Umwandlung von Betriebsvermögen in Privatvermögen bot interessantere Finanzaspekte, wie steuerliche Vergünstigungen oder die niedrige Verzinsung von Fremdkapital, als die Erhöhung des Eigenkapitals.

Bei der Kreditvergabe zählten vorrangig der Cashflow des Unternehmens und die Haftungsmasse, so dass die Versorgung mit Krediten gewährleistet war.

Die Banken sind jedoch vorsichtiger geworden. Die Eigenkapitalquote wird seit der Wirtschafts- und Finanzkrise in das Rating der Unternehmen einbezogen.

Da eine hohe Eigenkapitalquote die Konditionen bei einer Kreditfinanzierung nun erheblich verbessert, ist ein Anstieg der Eigenkapitalquote insbesondere in mittelständischen Unternehmen zu verzeichnen.

Aussagekraft der Eigenkapitalquote – überbewertet oder nicht?

Auf dem ausgewiesenen Eigenkapital beruhen die Bonität des Unternehmens und das Ratíng bei den Banken. Kreditfinanzierungen und damit die zukünftige Investitionsfähigkeit des Unternehmens stehen im engen Zusammenhang mit diesen Merkmalen.

Die Aussagekraft der Eigenkapitalquote ist zumindest fragwürdig. Die Auslegung des Begriffs „Eigenkapital“ ermöglicht die Manipulation der Quote sowohl nach oben als auch nach unten.

Kriterien wie der Cashflow und die Haftungsmasse eines Unternehmens bieten Kreditinstituten oder Anlegern oft einen aussagekräftigeren Kennwert als die Eigenkapitalquote.

Dennoch ist eine hohe Eigenkapitalquote in der Regel ein Signal für eine gewisse finanzielle Stabilität eines Unternehmens, so dass die Kennzahl gerade für Anleger alles andere als unbedeutend ist.

23. Oktober 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.