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Cash-Flow: Stärkstes Argument gegenüber Ihrer Bank

Wenn Sie heutzutage Ihre Bank davon überzeugen wollen, dass sie Ihnen ohne Risiko Kredit zur Verfügung stellen kann, dann gelingt Ihnen dies mit dem Angebot, besonders gute Sicherheiten zu stellen, nicht mehr.

Ihr Banker wird damit argumentieren, dass die Bewertung von Sicherheiten für ihn problematisch sei und selbst die besten Immobilien nicht immer die Preise bringen würden, die man erwarte.

Sicherheiten, gleich welcher Kategorie, sind für Ihre Bank zwar nicht gänzlich uninteressant, stehen jedoch nicht in der ersten Reihe, wenn es darum geht, eine gute Bonität zu beweisen.

Mehr wert als die besten Sicherheiten ist Ihrer Bank der Nachweis, dass Ihr Unternehmen in der Lage ist, den aufzunehmenden Kredit aus laufenden Überschüssen zu verzinsen und auch wieder zurückzuzahlen.

Mehr dazu: Bilanzanalyse: Cash Flow gewinnt an Bedeutung

Für Ihre Bank ist bedeutsam, dass Sie in Ihrem normalen Geschäft so viel verdienen bzw. an Überschuss erwirtschaften, dass der Kapitaldienst für Sie kein Problem ist und Sie noch über einen ausreichenden Liquiditätsüberschuss verfügen.

Diese Situation können Sie am besten anhand einer Cash-FlowRechnung belegen, denn anhand Ihres Cash-Flow – des finanzwirtschaftlichen Überschusses – können Sie am besten die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens in puncto Kreditwürdigkeit dokumentieren.

So wird der Cash-Flow definiert

Ausgangspunkt der Cash-Flow-Rechnung ist der Jahresüberschuss, der um nicht zahlungswirksame Aufwendungen, die hinzuaddiert werden, und um nicht zahlungswirksame Erlöse, die abgezogen werden, korrigiert wird.

Die neuen Vorschriften nach Basel 2 und der Cash-Flow

In der neuen Eigenkapitalvereinbarung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht, kurz Basel 2 genannt, sind Vorschriften enthalten, die den Cash-Flow für Ihre Bank wichtig machen. Im Rahmen der Risikoeinschätzung von Kreditnehmern wird der Cash-Flow auch dort als Bezugsgröße genannt.

  • Die Fähigkeit, bezogen sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft, Erträge zu erwirtschaften, um Kredite zurückzuzahlen und anderen Finanzbedarf zu decken, beispielsweise Kapitalaufwand für das laufende Geschäft und zur Erhaltung des Cash-Flow.

Vorgaben durch Basel 2 für die Risikoeinschätzung eines Kreditnehmers

Basel 2 fordert, folgende Punkte für die Risikoeinschätzung von Kreditnehmern heranzuziehen:

  • Die Kapitalstruktur und die Wahrscheinlichkeit, dass unvorhergesehene Umstände die Kapitaldecke aufzehren könnten und dies zur Zahlungsunfähigkeit führt. Qualität der Einkünfte, d.h. der Grad, zu dem die Einkünfte und der Cash-Flow des Kreditnehmers aus dem Kerngeschäft und nicht aus einmaligen, nicht wiederkehrenden Quellen stammen. Die Qualität und rechtzeitige Verfügbarkeit von Informationen über den Kreditnehmer, einschließlich der Verfügbarkeit testierter Jahresabschlüsse, der anzuwendenden Rechnungslegungsstandards und der Einhaltung dieser Standards. Der Grad der Fremdfinanzierung und die Auswirkungen von Nachfrageschwankungen auf Rentabilität und CashFlow. Finanzielle Flexibilität in Abhängigkeit vom Zugang zu Fremd- und Eigenkapitalmärkten, um zusätzliche Mittel erlangen zu können. Stärke und Fähigkeit des Managements, auf veränderte Bedingungen effektiv zu reagieren und Ressourcen einzusetzen, sowie der Grad von Risikobereitschaft versus Konservativität. Position innerhalb der Branche und zukünftige Aussichten.

An 3 Stellen verlangt also Basel 2 von den Banken, zur Risikoeinschätzung eines Kreditnehmers den Cash-Flow als Beurteilungsgröße heranzuziehen:

  1. Der Cash-Flow ist Gradmesser für die Fähigkeit Ihres Unternehmens, Erträge bzw. Überschüsse zu erwirtschaften und Kredite zurückzuzahlen.

  2. Der Cash-Flow ist im Kerngeschäft zu erwirtschaften und darf nicht erst im außerordentlichen Bereich entstehen.

  3. Der Cash-Flow soll in einem günstigen Verhältnis zum Grad der Fremdfinanzierung stehen.


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Wie Sie Cash-Flow-Kennzahlen bilden und zur Beurteilung einsetzen können

Die Ermittlung des Cash-Flow als absolute Zahl ist wenig aussagekräftig.

Erst wenn Sie den Cash-Flow ins Verhältnis zu anderen Werten setzen, erhalten Sie aussagefähige Kennzahlen, die auch von der Bank zur Bewertung herangezogen werden.

Die Cash-Flow-Kennzahl, die am weitesten verbreitet ist und die größte Aussagekraft bezüglich der Bonität hat, ermittelt den „Dynamischen Verschuldungsgrad“, das heißt, sie zeigt die „Kredittilgungsdauer“ Ihres Unternehmens.

Sie setzen Ihr Fremdkapital (Bilanzsumme abzüglich Eigenkapital und eigenkapitalähnliche Mittel) ins Verhältnis zum BruttoCash-Flow und errechnen so Ihre Kredittilgungsdauer.

Die folgende Zusammenstellung zeigt die Bewertung, wie sie im Regelfall von den Banken vorgenommen wird.

Kennzahl sehr gut gut mittel schlecht sehr schlecht insolvenzgefährdet 1 2 3 4 5 6 Kredittilgungs- unter 3 3 bis 5 5 bis 10 10 bis 20 20 bis 30 über 30 dauer (in Jahren)

Wie Sie weitere Cash-Flow-Kennzahlen zur Beurteilung Ihrer finanzwirtschaftlichen Lage einsetzen

Setzen Sie den Cash-Flow ins Verhältnis zum Gesamtkapital, ermitteln Sie die Kapitalrentabilität. Setzen Sie ihn in Relation zum Umsatz, ermitteln Sie die Umsatzrentabilität.

Beide Werte gewinnen dann besondere Aussagekraft, wenn sie zusätzlich ins Verhältnis zu den jeweiligen Branchenwerten gesetzt werden.

Daneben können Sie Ihre Selbstfinanzierungsquote bei Investitionen ermitteln. Je höher Ihre Selbstfinanzierungsquote ist, umso günstiger wird dies von der Bank beurteilt.

Beispiel: So ermitteln Sie mit der Kennzahl „Kredittilgungsdauer“ Schwachstellen und verbessern Ihre Finanzierung

Am Beispiel der „Kredittilgungsdauer“ zeigen wir Ihnen, wie Sie diese Kennzahl ermitteln, interpretieren und für Verbesserungen nutzen können.

Die Vorgehensweise bei der Kennzahl „Kredittilgungsdauer“ steht beispielhaft auch für die anderen Kennzahlen, mit denen Sie ähnlich verfahren können.

Sie errechnen für Ihren Betrieb die Kennzahl „Kredittilgungsdauer“. Diese Kennzahl setzt die Summe Ihres Fremdkapitals ins Verhältnis zum Brutto-Cash-Flow und zeigt Ihnen, in welchem Zeitraum Ihr Unternehmen aufgenommene Kredite wieder zurückzahlen kann.

Nehmen wir an, die Zahlenreihe zeigt Ihnen, dass sich die Schuldendienstfähigkeit Ihres Unternehmens von Jahr zu Jahr verschlechtert hat. Dies hat zur Folge, dass auch Ihre Bank die Kreditwürdigkeit Ihres Unternehmens schlechter beurteilt.

Auf Grund dieser Feststellung sollten Sie weitere Überprüfungen vornehmen, denn Sie wollen und müssen eine Verbesserung erreichen.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Ihr Fremdkapital ist zu hoch oder Ihr Cash-Flow ist zu niedrig.

Zunächst sollten Sie die Position Fremdkapital näher beleuchten und überlegen, ob und in welchem Umfang Sie Fremdkapital abbauen können.

Da Sie mit dem Fremdkapital sowohl Anlage- als auch Umlaufvermögen finanzieren, sollten Sie prüfen, ob Sie nicht durch die Reduzierung von Anlage- und Umlaufvermögen zu einem Abbau von Fremdkapital kommen können.

Fragen zum Anlagevermögen

  • Ist Ihr Anlagevermögen in vollem Umfang betriebsnotwendig? Können Sie nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen verkaufen, um Fremdkapital abzubauen? Können Sie sich über Sale-and-lease-back von Anlagevermögen trennen? Würden Sie mit Sale-and-lease-back durch die Freisetzung von stillen Reserven zusätzliche Liquidität gewinnen, um Fremdkapital abbauen zu können? Ist bei Sale-and-lease-back die Leasingrate höher/niedriger als Ihre bisherige Kapitaldienstrate?

Fragen zum Umlaufvermögen

  • Können Sie Material-/Warenvorräte reduzieren? Ist der von Ihnen erzielte Lagerumschlag besser/schlechter als der Branchenwert?

  • Können Sie über einen limitierten Wareneinkauf Ihren Lagerumschlag verbessern? Können Sie mit einzelnen Lieferanten die Lieferung auf Kommission vereinbaren? Nach wie viel Tagen zahlen im Durchschnitt Ihre Kunden die Rechnungen? Können Sie Ihre Kundenforderungen reduzieren? Können Sie durch Zahlungsanreize, beispielsweise durch Skontogewährung, das Kundenziel verkürzen? Verfügt Ihr Betrieb über ein funktionierendes Mahnwesen? Können Sie durch den Einsatz von Factoring Ihren Bedarf an kurzfristigem Fremdkapital reduzieren?

Ihre Antworten auf diese Fragen zeigen meist Verbesserungsmöglichkeiten auf. Wenn Sie Anlage- und/oder Umlaufvermögen abbauen können, reduzieren Sie automatisch auch Ihr Fremdkapital und erreichen somit eine günstigere Relation.

Wenn Sie beispielsweise auf Grund einer dieser Maßnahmen Ihr Anlagevermögen um 150.000 € verringern können, vermindert sich auch Ihr Fremdkapital um diesen Betrag.

Folge: Sie haben nicht weniger Fremdkapital. Bei einem unveränderten NettoCash-Flow errechnet sich nur noch eine geringere Kredittilgungsdauer.

Können Sie zusätzlich noch Umlaufvermögen reduzieren, verbessert sich die Kredittilgungsdauer nochmals. Haben Sie zum Beispiel bisher einen Lagerumschlag von 1,5-mal erzielt und erhöhen diesen durch Lagerabbau auf 2,0-mal, dann reduzieren Sie bei einem Material-/Wareneinsatz von 1 Mio. € Ihren Bestand um rund 167.000 €.

Wenn Sie durch ein strafferes Mahnwesen und zusätzliche Skontoanreize Ihre Kunden veranlassen können, ihre Rechnungen schneller zu regulieren, bauen Sie Kundenforderungen und damit weiteres Fremdkapital ab.

Wenn Sie also Ihren Material-/Warenbestand um 167.000 € und Ihre Kundenforderungen um 66.000 € abbauen können, verringern Sie Ihr Fremdkapital wie folgt:

Die Entwicklung des Fremdkapitals Ursprüngliches Fremdkapital 2.214.765 õ – Abbau Anlagevermögen 150.000 õ – Abbau Material-/Warenbestand 167.000 õ – Abbau Kundenforderungen 66.000 õ = Summe Fremdkapital 1.831.765 õ

Bei einem unveränderten Netto-Cash-Flow verbessert sich die rechnerische Kredittilgungsdauer auf 8,7 Jahre. Ein deutlich besserer Wert als die bisherigen 10,5 Jahre.

Relation: Netto-Cash-Flow zu Effektivverschuldung

Wenn Sie an die Stelle des Brutto-Cash-Flow den Netto-CashFlow rücken, setzen Sie den Teil Ihres Überschusses ein, der Ihnen tatsächlich zur Rückzahlung von Krediten zur Verfügung steht.

Um Ihre Netto-Kredittilgungsdauer zu ermitteln, sollten Sie von Ihrer Gesamtverschuldung noch die liquiden Mittel und die kurzfristigen Kundenforderungen abziehen. Jetzt haben Sie Ihre Effektivverschuldung errechnet.

Wenn Sie diese Positionen in Relation zum Netto-Cash-Flow setzen, ermitteln Sie die Netto-Kredittilgungsdauer.

So erbringen Sie den Nachweis Ihrer Kapitaldienstfähigkeit auch für zusätzliche Kredite

Für Ihre Bank ist besonders wichtig, ob Sie den Kapitaldienst dauerhaft und sicher leisten können. Diesen Nachweis können Sie am besten anhand des „frei verfügbaren Netto-Cash-Flow“ erbringen.

Berechnungsschema Cash-Flow Netto-Cash-Flow – bereits vereinbarte Kredittilgungen = frei verfügbarer Netto-Cash-Flow

Beispiel: Sie erwirtschaften einen frei verfügbaren Netto-CashFlow von 150.000 € und haben Kredittilgungen in Höhe von 80.000 € jährlich vereinbart. Ihre Fähigkeit, den Kapitaldienst zu leisten, beträgt 187,5%. Ein Wert, der Ihrer Bank Sicherheit signalisiert.

Sie sollten einen Wert erreichen, der deutlich über 100% liegt, denn nur dann verfügen Sie über ausreichend hohe Reserven, um Ihrer Bank darzustellen, dass Sie ein sicherer Kreditnehmer sind.

Liegt dagegen die Kennzahl „Kapitaldienstfähigkeit“ unter 100%, sieht die Bank sofort, dass Sie Schwierigkeiten mit der Kreditrückzahlung haben.

Checkliste: Wie Sie den Cash-Flow zur Beurteilung der Bonität und zum Beweis Ihrer Kapitaldienstfähigkeit einsetzen können

Beachten Sie bei Ihrer Kreditargumentation, dass die Kreditsicherheiten für die Bank nicht die ausschlaggebende Rolle spielen.

Argumentieren Sie mit einem guten Cash-Flow, wenn Sie mit Ihrer Bank über Kredite sprechen. Ein guter Cash-Flow überzeugt die Bank davon, dass Sie in der Lage sind, Zinsen und Tilgung für Ihre Kredite zu verdienen.

Unterscheiden Sie bei Ihrer Cash-Flow-Berechnung zwischen dem Brutto-Cash-Flow und dem NettoCash-Flow.

Mehr dazu: Erweiterter-Cash-Flow – Berechnung für Bonität und Bankkredite

Nutzen Sie Ihre Cash-Flow-Berechnungen, um folgende Kennzahlen zu bilden: Kredittilgungsdauer, brutto Kredittilgungsdauer, netto Cash-Flow-Kapitalrentabilität Cash-Flow-Umsatzrentabilität Selbstfinanzierungsquote.

Falls Sie bei der Berechnung der Kredittilgungsdauer zu einem ungünstigen Ergebnis kommen, sollten Sie die dafür verantwortlichen Schwachstellen ermitteln und Initiativen zur Verbesserung ergreifen.

Ziehen Sie zur Beurteilung der Kapitaldienstfähigkeit Ihres Unternehmens insbesondere die Kennzahl „Kredittilgungsdauer netto“ heran, die Ihnen die tatsächliche Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens verdeutlicht.

6. März 2002

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.