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Ein teures Interview: Rolf Breuer über die Kirch-Gruppe

Ein Interview des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, über die finanzielle Situation der Kirch-Gruppe im Jahr 2002 hatte kostspielige Folgen:

Nach dem Interview machte Leo Kirch die Deutsche Bank und Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich. „Der Rolf hat mich erschossen.“ sagte Kirch in einem der vielen Prozesse, in denen Kirch Schadensersatz von der Deutschen Bank einforderte.

Kirch-Gruppe schon vor dem Interview in Schwierigkeiten

Es war kein Geheimnis, dass die Kirch-Gruppe finanzielle Schwierigkeiten hatte. Schon seit 1999 gab es immer wieder Gerüchte um Zahlungsschwierigkeiten bei verschiedenen Unternehmen der Gruppe. Die Dresdner Bank forderte im Jahr 2001 einen Kredit über 900 Mio. € von der Kirch-Gruppe zurück und schrieb damit Schlagzeilen.

Trotz dieser Schwierigkeiten schaffte es Leo Kirch immer wieder, neue Kreditgeber von seinen Ideen und Unternehmen zu überzeugen. Als Rolf E. Breuer dann aber als Vorstandssprecher der Deutschen Bank öffentlich die Zahlungsfähigkeit der Kirch-Gruppe infrage stellte, ging es Schlag auf Schlag, und die Insolvenz für viele von Kirchs Unternehmen wurde unausweichlich.

Auszug aus dem Interview von Rolf Breuer über die Kirch-Gruppe

Um die Folgen der Äußerungen von Rolf Breuer beurteilen zu können, hier der entscheidende Abschnitt aus dem Interview auf Bloomberg TV im Februar 2002:

Frage: „Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?“

Dr. Rolf E. Breuer: „Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn – das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskredition, wenn ich das erzähle – der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag.

Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme: Wir bräuchten keine Sorgen zu haben.“


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Frage: „Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiterzumachen.“

Breuer: „Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren.“

(Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichthofes Nr. 13/06 vom 24.01.2006)

Warum Breuers Interview so entscheidend war

Auch wenn Breuer der Meinung war, er begehe keine Indiskretion, so hätte ihm doch klar sein müssen, dass in seiner Position eine solche Aussage nicht ohne Folgen bleibt:

Rolf E. Breuer ist nicht irgendwer, sondern der Vorstandsprecher der Deutschen Bank. In dieser Position kann eine solch wertende Aussage über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens Einfluss auf Kreditentscheidungen anderer Geldgeber haben.

Erschwerend kam hinzu, dass die Deutsche Bank über Kredite in einem Geschäftsverhältnis zu Teilen der Kirch-Gruppe stand. Eine Aussage Breuers zur Kreditwürdigkeit eines Kunden der Deutschen Bank stellt somit eine Verletzung des Bankgeheimnisses dar.

Nach dem Interview folgten Insolvenzen in der Kirch-Gruppe

Leo Kirch führt die Insolvenzen, die verschiedene seiner Unternehmen kurz nach dem Interview anmeldeten, auf die Aussagen Breuers zurück. Ob dies wirklich so war, wurde in den folgenden 12 Jahren Gegenstand vieler Gerichtsverhandlungen und konnte nie ganz geklärt werden.

Tatsache aber ist, dass zunächst die Printbeteiligungs GmbH und dann deren Mutterunternehmen, die TaurusHolding GmbH & Co. KG, Insolvenz anmeldeten. Die Kirch-Gruppe insgesamt sollte mehr als 6,5 Mrd. € Schulden angehäuft haben. Unter diesem Druck meldeten mehr und mehr Unternehmen der Gruppe Insolvenz an und die ganze Gruppe wurde schließlich zerschlagen.

Breuers Interview kostet die Deutsche Bank mehr als nur Nerven

Die von Leo Kirch eingeleiteten Klagen auf Schadenersatz kosteten die Deutsche Bank und deren Führungsriege mehr als nur eine Menge Zeit und Nerven. Die Prozesse zogen sich über Jahre und Kirch erlangte 2006 einen Teilerfolg.

Da die Printbeteiligungs GmbH mit der Deutschen Bank in einer Geschäftsbeziehung stand, sprach der BGH im Urteil des XI. Zivilsenats vom 24.01.2006 Leo Kirch zumindest für diesen Fall den Anspruch auf Schadensersatz zu.

Um weitere Ansprüche und die Höhe einer Schadensersatz-Zahlung wurde weiter zumindest jahrelang gestritten. Mehrere Versuche einen Vergleich zu erzielen scheiterten.

Im Februar 2014 schließlich einigte sich die Deutsche Bank mit den Erben des mittlerweile verstorbenen Leo Kirch. Die Deutsche Bank zahlte eine Summe von 775 Mio. € zuzüglich Zinsen. Geschätzt erhalten die Erben von Kirch eine Summe von 900 Mio. €.

Nachbetrachtung

Ob die Kirch-Gruppe es ohne das Interview von Breuer geschafft hätte, den angehäuften Schuldenberg zu stemmen, bleibt fraglich.

Sicher aber ist, dass die Deutsche Bank durch die langwierigen Prozesse bei vielen Anlegern und Aktionären eine große Unsicherheit ausgelöst hat. Die Störungen des eigentlichen Geschäftsbetriebs gingen so weit, dass die Hauptversammlung des Jahres 2012 in 2013 wiederholt werden musste.

Die Einigung mit den Erben Kirchs ist somit auch als ein Investment der Deutschen Bank anzusehen, um in Zukunft diesen „Klotz“ vom Bein zu haben. Viele Mitarbeiter können sich nun wieder dem grundlegenden Geschäft zuwenden und Anleger werden nicht mehr durch ein schwebendes Damoklesschwert verunsichert.

Alles in allem wären wohl alle Beteiligten froh gewesen, wenn Rolf Breuer sich in seinem Interview mehr zurückgehalten hätte.

2. Februar 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.