Endlich legen Anleihen wieder zu – Turbulenzrisiko inklusive

Gab es da nicht mal den Grundsatz, dass zu einem ausgewogenen Depot verschiedene Anlageklassen wie Aktien und Anleihen gehören, weil sie eher nicht in die gleiche Richtung laufen – das eine gleicht das andere aus?

Den gibt es immer noch, doch wer holt sich schon Anleihen ins Boot, die schon lange für wenig bis Null Ertrag stehen? Schließlich sind die Aktienmärkte eindeutig im Vorteil. Haben nun Anleihen in 2017 wieder eine Chance auf bessere Renditen?

Anleihen: 2017 gibt Amerika den Takt vor

Von der Tendenz her ja. Nach den Marktturbulenzen Ende letzten Jahres zeichnet sich ein vorläufiges Bild ab: Die US-Notenbank wird den Leitzins deutlich erhöhen, während die EZB noch geraume Zeit auf niedrigem Niveau verharrt. Auch wenn die Schere zwischen den USA und Europa auseinander geht, so scheint immerhin die Wende eingeläutet.

Konnten Anleger bislang nur vom Kursgewinn laufender Papiere profitieren, weil die nachfolgenden Zinsen immer weiter sanken, dreht sich das Verhältnis um. Gerade länger laufende amerikanische Staatsanleihen rentieren deutlich besser. Zuletzt stiegen sie auf über 2,6%. Auch  deutsche Papiere haben ihr historisches Tief verlassen. Die 10-jährige Bundesanleihe brachte bis zu 0,4%. Es gibt wieder mehr Zinsen.

Den Takt geben die USA vor. Zwar stehen die Details von Trumps massivem Investitionsprogramm noch aus. Klar ist aber, dass alles auf eine höhere Staatsverschuldung und steigende Inflation hinausläuft.

Da die US-Wirtschaft ohnehin schon gut läuft, legte die Fed auch einen Zahn zu. Liegt der Zins derzeit zwischen 0,5% und 0,75%, stehen für 2017 gleich drei weitere Anhebungen auf dem Programm. Die EZB wird den Zins ebenfalls anheben, wenn auch erheblich vorsichtiger. Zumindest hat sie ihre monatlichen Anleihekäufe schon mal um 20 Mrd. € reduziert. Auch Japan wird sein niedriges Niveau nur zögerlich verlassen.

Unsicherheit geht weiter

Für Anleger heißt das: Auch die beliebten Bundespapiere bleiben weiterhin unattraktiv. So werden selbst deutsche Anleihen 2017 im Idealfall nur auf 1% zulegen. Unter Rendite versteht man was anderes. US-Bonds indes werden um die 3% zugetraut. Ob sie deshalb eine echte Alternative sind, ist aber fraglich.

Zum einen lässt sich bei 10-jähriger Laufzeit die Entwicklung, gerade auch aus derzeitiger Sicht, schlecht vorhersagen. Zum anderen bedeuten steigende Renditen zugleich fallende Kurse. Und hier kommt etwas ins Spiel, was das Ganze so unberechenbar macht: Wie schon zuletzt, dürften die Schwankungen am Markt erheblich zunehmen – auch bei deutschen Anleihen.

Die Unsicherheiten gehen nämlich weiter, und zwar nicht nur in den USA. In den Niederlanden, Italien, Frankreich und Deutschland stehen entscheidende Wahlen an. Ist der Euro in Gefahr? Steht die EU auf dem Spiel? Wenn Fondsmanager versuchen, kurzfristige Gewinne mitzunehmen geraten auch Privatanleger unweigerlich auf die Achterbahn.

Unternehmenspapiere ziehen nach

Als echte Alternative bieten sich daher Unternehmensanleihen. Sie bieten einen Risikoaufschlag, mit dem die Rendite erheblich über der von Staatspapieren liegt. Je besser die Kreditwürdigkeit, desto moderater. Wie wichtig eine gute Bonität ist, zeigt nicht zuletzt der in Verruf geratene Bereich der Mittelstandsanleihen.

Junk-Bonds mit schwächerer Bonität mögen zwar etwas mehr bieten, doch auch etablierte, solide Kandidaten sind nicht uninteressant. Die Deutsche Telekom beispielsweise legt jetzt eine Anleihe auf, die bei 10-jähriger Laufzeit einen Zinskupon von 3,6% hat. Das ist mehr als bei US-Staatspapieren und Bundespapieren allemal. Letztlich muss man sich das jeweilige Unternehmen wie ein Aktionär etwas genau ansehen. Abgesehen davon bleibt es wohl beim Alten: Aktien sind nach wie vor attraktiver.

25. Januar 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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