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Entwarnung: Crash-Gefahr durch Ölpreisverfall nicht zwingend

05Der Ölpreisverfall steht in einem klaren Zusammenhang mit der Entwicklung an den internationalen Finanzplätzen. Auch wenn es zu Verwerfungen kommen mag, ein größerer Börsencrash ist nicht die zwangsläufige Folge.

Anfänglicher Crash in den Ölförderländern

Die ersten direkten Auswirkungen des vorwiegend von Saudi Arabien verursachten Ölpreisverfalls bekamen die Börsen auf der arabischen Halbinsel zu spüren. An den Finanzplätzen in Dubai oder Riad ging es zwischen September und Dezember letzten Jahres um ca. 28% bergab.

Kein Wunder, denn diese Volkswirtschaften hängen zu 90% vom Öl ab. Anfang 2015 haben sich die Börsenkurse wieder etwas erholt und stagnieren seitdem auf einem Niveau, das grob 15% unter den Werten vom September 2014 liegt.

Unterdessen zeigten sich die Börsen in New York oder Frankfurt unbeeindruckt. Der DAX setzte sogar immer wieder zu neuen Höhenflügen an.

Bedrohliches Dubai-Omen

Bisher zumindest ist die Lage nicht mit der von 2008 zu vergleichen, der ebenfalls ein dramatischer Ölpreisverfall vorausging. Seither ist schnell vom „Dubai-Omen“ die Rede. Dabei geht es um die Befürchtung, dass ein Verfall an den Börsen in Dubai, Katar und Riad einen weltweiten Börsencrash nach sich zieht.

Der Grund: Diese Länder hängen extrem von stabilen Rohstoffpreisen ab und spüren früher, wenn die Luft an den aufgeblähten Märkten dünn wird. Gleichzeitig steckt ihr Kapital in Unternehmen weltweit. 2008 markierte der Staatsbankrott Dubais den Anfang der anschließenden Finanzkrise.

Der Unterschied heute: Auch wenn die Kurse nicht ganz zu den Realdaten passen, so ist ein derartig massiver Ketteneffekt nicht zu befürchten. Dennoch könnten sich etwa am US-Markt Einbruchstellen ergeben, und zwar bei den Fracking-Unternehmen. Die machen Gewinne erst bei einem Ölpreis von ca. 80 US-$.

Verschuldete Fracking-Firmen als Schwachstelle

Seit einiger Zeit aber machen viele Verluste und sind zugleich hochverschuldet. Die meisten haben ihre umfangreichen Investitionen mit Hochzinsanleihen finanziert. Die erleben in den USA einen Boom. Der Anteil der Fracking-Firmen liegt bei nicht ganz 20%.

Gehen die ersten pleite und bleiben Emissionen aus, so könnte dies den ganzen Markt zerlegen. Und da die Energieunternehmen zu den Börsenschwergewichten gehören, ist dann auch ein Börsencrash nicht ausgeschlossen.

Die Rolle der Ölfonds im DAX

Und was den DAX angeht, so bleibt dieser erstens nicht von der Entwicklung der US-Börsen unberührt und zweitens hängen auch hier einige Firmen am Investitionstropf der milliardenschweren Fonds aus Katar, Kuweit oder Saudi-Arabien. Markante Beispiele: Katar ist an der Deutschen Bank mit 6% und an VW mit gar 17% beteiligt. Bei Daimler ist ein Kuweit-Fonds mit 7% größter Einzelinvestor.

Sobald nun der Ölpreisverfall diesen Investoren anhaltend zusetzt, könnten sie sich notfalls gezwungen sehen, ihre Engagements zurückzufahren. Die Folge: Deutsche Bank, VW oder Daimler müssten sich nach neuen Investoren umsehen, die Aktien gerieten dabei massiv unter Druck.

Ölpreisverfall: Belebung oder Risiko

Was jedoch gegen einen Börsencrash spricht ist die Tatsache, dass ein niedriger Ölpreis eine Art Konjunkturprogramm ist. Er spart nicht nur bei vielen Unternehmen Kosten, sondern auch bei den Verbrauchern. Was an Heizöl und Sprit gespart wird, kommt anderen Konsumgütern zugute.

Hinzu kommt: Ein niedriger Ölpreis hält die auch die Inflation niedrig und damit die Zinsen. Verschieben die USA abermals ihre angekündigte Leitzinsanhebung, wird das wiederum die Börsen in Schwung halten.

Ob diese Belebungseffekte die Finanzmärkte im Gleichgewicht halten, wird sich zeigen. Anleger sind gut beraten, wenn sie ihr Portfolio für alle Fälle möglichst risikoarm und breit streuen. Auch ein hektischer Ausstieg aus Rohstoff- und Öltiteln ist wenig sinnvoll. Jede Transaktion kostet Geld. Lieber einige Monate aussitzen. In der Vergangenheit hat sich der Ölpreis früher oder später wieder erholt.

5. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.