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Erbschaftssteuer berechnen: So bleibt das Finanzamt berechenbar

Die Erbschaftssteuer kann zumindest im Groben jeder berechnen, der eine Erbschaft erwartet.

Allerdings sind hierbei einige Einflussgrößen zu berücksichtigen, die im Detail und hinsichtlich der zu zahlenden Steuer erhebliche Unterschiede ausmachen können.

Erbschaftssteuer: Eckdaten zur Berechnung

Wer die nötigen Daten hat, kann schon vorab berechnen, wie viel Erbschaftssteuer auf ihn zukommt. Das gilt übrigens auch für Schenkungen. Ob sich dann aber die Berechnung auch mit der des Finanzamts deckt, ist eine andere Sache.

Die zahllosen Streitigkeiten vor den Finanzgerichten wegen irgendwelcher Details sprechen für sich. Zumindest aber schafft die Vorabberechnung einen ersten Überblick und bewahrt vor allzu großen  Überraschungen. Die Zutaten für die Berechnung sind zunächst einige wenige Eckdaten.

Als erstes muss der Wert des Erbes, der Nachlasswert, bekannt sein. Dann braucht man die eigene Steuerklasse, und zwar die Erbschaftssteuerklasse, die sich nach dem Grad der Verwandtschaft richtet. Hier gibt es 3 Steuerklassen. Weiterhin den eigenen Freibetrag. Und nicht zu vergessen: Die Verbindlichkeiten der Erbschaft, sprich die Schulden.

Wert minus Schulden minus Freibetrag

Der Nachlasswert entspricht grundsätzlich dem aktuellen Marktwert. Dabei schaut man, welchen reellen Preis ein Auto, ein Wertpapapierdepot oder Schmuck beim Verkauf am Todestag des Erblassers erzielen würde. Bei Immobilien gelten übrigens eigene Verfahren zur Wertertmittlung.

Von diesem Marktwert zieht man dann die Verbindlichkeiten ab. Schließlich kann nur das besteuert werden, was der Erbe unterm Strich tatsächlich erhält. Nachlassverbindlichkeiten sind Schulden und Zahlungsverpflichtungen des Erblassers. Dazu gehören auch Pflichtanteile, die aus der Erbschaft zu zahlen sind. Bestattungskosten, Grabstein und Grabpflege können zusätzlich abgezogen werden.

Das Ergebnis ist der Netto-Nachlasswert. Von dem geht dann der jeweilige Freibetrag ab. Der Rest ist die Summe, auf die Erbschaftssteuer zu zahlen ist.

Beispiel Sohn

Angenommen, ein verwitweter Vater vermacht seinem Sohn Bargeld, Vermögensanlagen und ein Auto im Gesamtwert von 900.000 €. Alle Verbindlichkeiten sind dabei schon abgezogen. Dann muss der Sohn noch die gesamten Kosten für die Beerdigung und die Grabpflege für die abgeschlossene Laufzeit ermitteln.

Belaufen die sich beispielsweise auf 10.000 €, dann geht erst dieser Betrag vom Nachlasswert ab und dann noch der Freibetrag in Höhe von 400.000 €. Zu versteuern sind somit 484.000 €.

Die darauf zu zahlende Erbschaftssteuer ist für den Sohn einigermaßen überschaubar. Für ihn gelten in seiner Steuerklasse I 15% bis maximal 600.000 €. Das heißt, er wird aller Voraussicht nach einen Steuerbescheid von 72.600 € erhalten.

Beispiel Freundin

Etwas anders sieht die Berechnung beispielsweise bei der Steuerklasse III aus. Hier geht es um erbende Tanten, Onkels sowie Freunde und Bekannte.

Angenommen, eine gute Freundin erbt 100.000 €. Dann fallen wohl keine Beerdigungskosten an. Der Freibetrag wird in diesem Fall, sprich „übrige Personen“, auf nur 20.000 € festgesetzt. Bleiben 80.000 €, die zu versteuern sind.

In der Steuerklasse III liegt der Steuersatz bei Beträgen bis 300.000 € bei 30%. Das Finanzamt wird die Freundin also auffordern, 24.000 € Erbschaftssteuer zu zahlen.

Erbschaftssteuer berechnen: Nicht immer nur einfach

Soweit, so eindeutig. Doch die Berechnung nach festen Steuersätzen und starren Werten kann manchmal zu falschen Ergebnissen führen. Zum Beispiel Ergebnisse, die auch aus Sicht des Finanzamts nicht sinnvoll sind.

Es geht um unangemessen hohe Steuern, die dadurch entstehen, dass der Nachlasswert durch geringfügiges Überschreiten der maximalen Summe für einen Steuersatz in eine höhere Steuerstufe führt – Stichwort: Steuerprogression.

In diesen Fällen wendet das Finanzamt automatisch einen sogenannten Härteausgleich an, bei dem ein solcher Effekt abgemildert wird. Das führt beispielsweise bei einem Nachlasswert von 78.000 € und Steuerklasse II zu einer Ersparnis von 2.850 €.

Zum Verständnis nur so viel: Der Nachlasswert liegt nur 3.000 € über der Grenze von 75.000 €. Bis dahin beträgt der Steuersatz nur 15%. Darüber aber 20%. Die Formel, nach der das Finanzamt in diesen Fällen rechnet, ist jedem Steuerberater bekannt.

Spätestens hier zeigt sich, dass im Detail eine selbständige Berechnung der Erbschaftssteuer nicht immer dem Ergebnis des Finanzamts entsprechen muss. In diesem Fall ausnahmsweise zugunsten des Steuerzahlers. Dass ein Steuerberater sinnvoll ist, zeigt auch die Berechnung der besonderen Versorgungsfreibeträge.

Die stehen Ehepartnern und Kindern zusätzlich zum regulären Freibetrag zur Verfügung. Allerdings berechnet sich deren Höhe sowohl nach Alter als unter Anrechnung eigener Versorgungsansprüche. Dabei wird der Versorgungsfreibetrag um den Kapitalwert steuerfreier Bezüge gekürzt.

26. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.