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Erbschaftssteuer: Nichte und Neffe zahlen wie Bruder und Schwester

In Sachen Erbschaftssteuer werden Nichte und Neffe wie Geschwister behandelt. Sie gehören zur gleichen Steuerklasse.

Wer einen alleinstehenden reichen Onkel ohne Kinder hat, zahlt fürs Erbe denselben Satz wie dessen Bruder. Die letzte Reform der Erbschaftssteuer brachte spürbare Nachteile.

Erbschaftssteuer – Nichte im Nachteil

Eigentlich sollte man annehmen, dass eine vom reichen Onkel verehrte Nichte für dessen großzügige Erbschaft mehr Erbschaftssteuer zahlen müsste als etwa dessen Bruder. Dies ist aber nicht der Fall. Neffen und Nichten gehören wie Bruder und Schwester in die Steuerklasse II.

Dort finden sich übrigens auch Stiefeltern, Schwiegereltern bzw. –kinder und geschiedene Ehegatten. Sie alle gehören zur Grupper der indirekten Verwandten.

Der Satz, den die Nichte für die Erbschaftssteuer zahlen muss, liegt zwischen 15% und 43%, abhängig vom Wert des Erbes. Damit zahlt sie mehr als vor der Erbschaftssteuerreform im Jahre 2009 bzw. 2010. Zu den Gewinnern der Gesetzesänderung zählen unter anderem eingetragene Lebenspartnerschaften.

Neffen und Nichten als Verlierer der Gesetzesänderung

Deutlich wird das bei der Erbschaftssteuer für Immobilien. Gab es bis dahin noch Abschläge von rund 60% vom Verkehrswert eines Hauses, so ist der komplett entfallen. Dafür wurde eben der Freibetrag etwas angehoben.

In der Steuerklasse II auf mindestens 20.000 €, was bei höheren Beträgen jedoch keine große Erleichterung ist. Sie sind auch nicht zu vergleichen mit den Freibeträgen von erbenden Ehegatten, Eltern oder Kindern, die zwischen 10 und über 20 Mal so hoch sind.

Also: Alles, was eine Nichte oder ein Neffe erben und was über 20.000 € wert ist, muss versteuert werden. So wie auch bei Geschwistern.

Schenkung statt Erbschaft – Nichte nutzt Freibeträge

Eine Möglichkeit, wie die Nichte eine hohe Erbschaftssteuer vermeiden könnte, wäre eine Vereinbarung mit dem Onkel, ihr das versprochene großzügige Erbe schon zu Lebzeiten nach und nach zu schenken. Die Nichte kann nämlich ihren Freibetrag 10 Jahre lang ausschöpfen. Danach entsteht er wieder neu. Somit können in 20 Jahren 40.000 € steuerfrei verschenkt werden, in 30 Jahren 60.000 usw.

Da das Alter diesem Spiel Grenzen setzt, ist ein möglichst früher Beginn ratsam. Der Extremfall könnte theoretisch so aussehen: Angenommen, der reiche Onkel wird bei der Taufe Patenonkel, dann könnte er das bis die Nichte geschäftsfähig wird mit ihren Eltern, also seinem Bruder und Schwägerin vereinbaren.

Verstirbt er dann im hohen Alter, dürfte die Nichte vermutlich 52 Jahre alt sein. Ihren Freibetrag von 20.000 € hätte sie dann 5 Mal ausgenutzt, macht 100.000 € ohne Schenkungssteuer.

Die ist mit der Erbschaftssteuer im Wesentlichen gleich. Alternativ hätte er das Ganze auch zunächst über seinen Bruder laufen lassen können, der den Gesamtwert dann seiner Tochter vererbt.

Im Ergebnis ändert sich nichts. Denn für den Bruder gelten die selben Freibeträge und Steuersätze wie für die Nichte. Hätte der Onkel insgesamt 190.000 € an seine Nichte zu vererben, so würden für die restlichen 90.000 € Erbschaftssteuern anfallen. Nach Abzug ihres Freibetrags wären das 10.500 €, also 15%.

Erbschaftssteuer: Neffe klagt, Verfassungsgericht entscheidet

Hätte die Nichte den Betrag im Jahre 2009 geerbt, so hätte sie das Pech, nicht 15% sondern ganze 30% zahlen zu müssen. Das wären 21.000 €. Der Grund: Die Reform der Erbschaftssteuer von 2009 belastete Nichten, Neffen oder Geschwister mit Steuersätzen zwischen 30% und 50%. Damit wurde Die Steuerklasse II der Klasse III gleichgestellt.

Nach massiver Kritik wurde das 2010 auf die aktuell gültigen Sätze hin abgeändert. Allerdings: Die Abänderung gilt seltsamerweise nicht rückwirkend für die überzogenen Steuerbescheide von 2009.

Dagegen hatte unter anderem ein Neffe geklagt, der für das Erbe von seinem Onkel nicht die 30%, sondern die korrigierten 15% Steuern zahlen will. Mittlerweile steht das ganze Gesetz beim Bundesverfassungsgericht auf dem Prüfstand.

Bis Ende des Jahres wird mit einer Entscheidung gerechnet. Sollte sich das gesamte derzeitige Erbschaftssteuergesetz als verfassungswidrig erweisen, müsste der Gesetzgeber wieder vieles verändern. Ob dann die jetzigen Regeln noch Bestand haben, wird sich zeigen.

26. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.