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Erbschaftssteuer: Warum Milchbaron Theo Müller Schweizer werden will

In der Schweiz ist die Erbschaftssteuer je nach Kanton unterschiedlich. Im kantonalen Wettbewerb ist meist gar keine Steuer fällig.

Wer als Deutscher davon profitieren will, muss allerdings Einiges auf sich nehmen, was das Beispiel Theo Müller zeigt.

Erbschaftssteuer in der Schweiz  –  Milch-Müller macht’s vor

Ab in die Schweiz wegen der hohen deutschen Erbschaftssteuer: Das war das Motto von Theo Müller, Gründer des Müllermilch-Imperiums. Der streitbare Milchbaron zog 2003 vom bayerisch-schwäbischen Voralpenland an den Zürichsee – mit Frau und zwei Töchtern. Sie sehen einer beachtlichen Erbschaft entgegen, allein das private Vermögen wird auf ca.1,3 Mrd. € geschätzt.

Aktuell will Theo, der umstrittene Allgäuer Eidgenosse werden. Selbst nach 10 Jahren Schweiz sind ihm die steuerlichen Hürden noch zu hoch. Damit handelt er konsequent. Immerhin hat er noch andere Kinder. Da die nicht mitgezogen sind, greift der deutsche Fiskus zu. Das tut er auch bei Grundstücken und Betrieben auf deutschem Boden.

Deshalb ist Müllermilch jetzt eine Luxemburger Holding. Wer in die Schweiz zieht, um sich von der deutschen Erbschaftssteuer zu verabschieden, muss dies mitsamt seinen Erben tun und alle Zelte, sprich Wohnsitze, in Deutschland abbrechen.

Besser noch: Er wird Schweizer. Der Aufwand ist groß, die Hürden sind hoch. Was lockt ist die Schweizer Erbschaftssteuer. Die ist im schlechtesten Fall niedrig. Meist wird sie erst gar nicht erhoben.

Schweizer Erbschaftssteuer – je nach Kanton mal wenig, mal nichts

Der Grund: Es gibt eigentlich keine Schweizer Erbschaftssteuer. Die ist nach wie vor Sache der Kontone. Nachdem eine Volksabstimmung für eine eidgenössische Erbschaftssteuer vor Kurzem gescheitert ist, bleibt es dabei:

Jeder der 26 Kantone kann die Besteuerung selbst regeln. Mit Ausnahme von Appenzell-Innerrhoden, Waadt und Neuenburg haben alle die Erbschaftssteuer für Ehegatten bzw. Kinder abgeschafft. Im Kanton Schwyz gibt es sogar überhaupt keine Erbschafts- und Schenkungssteuer. Auf letztere verzichtet auch Luzern.

Ansonsten gestaltet sich die Besteuerung der Schweizer Kantone unterschiedlich. Sie richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad und liegt zwischen 1% und 6% für nahe Verwandte. Alle anderen zahlen 30%, im Extremfall 50%, profitieren aber von hohen Freibeträgen  So wie in Deutschland wird das Nettovermögen nach Abzug aller Schulden besteuert.

Und so wie hierzulande früher gibt es bei Immobilien hohe Abschläge vom Verkehrswert – dasgleiche bei Betrieben.

Fazit: Alles bleibt beim Alten

An diesem System wird sich auch für Deutsche nichts ändern, die alle Voraussetzungen zum Genuß kantonaler Erbschaftssteuern erfüllen. Nicht nur die Schweizer Initiative zur Bundessteuer ist gescheitert. Auch das geplante Steuerabkommen zwischen Bern und Berlin fand im deutschen Bundesrat keine Mehrheit. Es hätte spürbare Einschränkungen gebracht.

Somit bleibt es beim Doppelbesteuerungsabkommen von 1978. Mit Österreich übrigens gab es das auch für Erbschaften. Doch das ist mittlerweile gestorben. Das Abkommen vermeidet eine doppelte Besteuerung und setzt auf den Wohnsitz des Erblassers, wenn es um bewegliches Vermögen wie Geld geht.

Für Immobilien und Betriebe hält der „Belegenheitsstaat“ die Hand auf. Der einzige Weg, Häuser oder Unternehmen aus Deutschland herauszuholen, besteht darin, sie in eine Luxemburger Gesellschaft zu überführen. Müllermilch hat´s getan.

Erbschaftssteuer – Schweizer Aufenthalt in Etappen

Entscheidend ist der Lebensmittelpunkt in der Schweiz, und zwar ohne Zweitwohnsitz in Deutschland. Erst nach 5 Jahren wird man nicht mehr als „fiktiver Deutscher“ behandelt. Dann der zweite Abschnitt bis zum Ablauf von 10 Jahren: Geld wird nach Schweizer Recht besteuert. Für deutsches Grund- und Betriebsvermögen gelten deutsche Regeln ebenso wie für Wirtschaftsgüter mit deutschen Erträgen.

Die Ausnahme: Es wurden bereits Schweizer Steuern gezahlt, die mindestens 30% der deutschen Erbschaftssteuer entsprechen. In dem Fall ist der günstigste Kanton einmal nicht der beste.

Nach 10 Jahren zählt für den deutschen Fiskus nur noch das Restvermögen. Dafür schrumpft leider der deutsche Freibetrag auf 2.000 €. Auch Schulden können nicht mehr voll vom Nachlasswert abgezogen werden.

Der Grund: Die sogenannte eingeschränkte Steuerpflicht. Klingt gut ist aber schlecht. Eingeschränkt bedeutet nur, dass man als Wahl-Ausländer nicht mehr vollständig vom deutschen Fiskus besteuert wird.

Der ganz große Haken an der ganzen Sache: In der gesamten Zeit dürfen auch die Erben, also Begünstigten,  keinen Wohnsitz in Deutschland haben. Einziger Ausweg: Man wechselt die Staatsbürgerschaft und wird Eidgenosse. Theo Müller hat’s fest vor.

1. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.