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Erfolgreich investieren: Grundlagen der Börsenpsychologie

Anleger neigen zu „Anomalien“. So lautet die Grundaussage der Börsenpsychologie, die auch als Behavioral Finance bezeichnet wird.

Das bedeutet, dass Anleger zu nicht rational begründbaren Verhaltensmustern neigen, die sich in ihren Anlage-Entscheidungen – und damit auch in den Kursen der Wertpapiere – niederschlagen.

Dadurch gibt es keine stets effizienten Märkte, denn es kommt durch diese „Anomalien“ immer wieder zu Fehlbewertungen.

Die Behavioral-Finance-Theorie wird gerade deshalb für Sie als Anleger besonders interessant, denn:

Wenn Sie typische Verhaltens-Fehler erkennen und damit auch bei sich selbst erkennen, können Sie nicht nur eigene Entscheidungen optimieren, sondern auch die durch das Fehlverhalten anderer Investoren entstehende Chancen für sich nutzen.

Wie das in der Praxis funktioniert, erfahren Sie hier.

Themen der Börsenpsychologie

Untersucht werden in der Börsenpsychologie auch die starke Verlust-Abneigung oder das starke Bedauern, das mit jeder Entscheidung verbunden ist, bei der Objekte, zu denen eine starke gefühlte Bindung besteht (z. B. das eigene Haus oder die „Lieblings-Aktie“), verloren werden können.

Diese Verlustängste zeigen sich etwa im Börsenalltag.

Wenn ein Verkauf von Aktien zur Folge hat, dass ein Verlust realisiert werden muss, so lässt sich häufig ein Unwillen beobachten, diese Transaktion durchzuführen.

Der Durchschnitts-Anleger „sitzt“ Verluste lieber aus und hofft auf Besserung, auch wenn der Fall nahezu hoffnungslos ist.


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Diese Angst vor Verlust-Realisierung erklärt auch, warum sich die Preise auf dem Immobilienmarkt selbst bei schwacher Nachfrage nicht den Angebotspreisen nähern.

Börsenpsychologie konkret in der Praxis

Ich möchte Ihnen jetzt etwas praxisnäher einige Auswirkungen verdeutlichen:

Im Rahmen ihrer Arbeit an der „Neuen Erwartungstheorie“ entdeckten Daniel Kahneman und Amos Tversky bereits in den 70er-Jahren, dass Investoren ein Verlust mindestens doppelt so stark schmerzt, wie ein Gewinn in identischer Höhe positive Emotionen auslöst.

Das Ergebnis dieses unterschiedlichen Schmerzempfindens in der Praxis ist, dass Verluste oftmals zu spät realisiert, Gewinne hingegen zu früh mitgenommen werden.

Zudem konnten Tversky und Kahneman bei Investoren eine selektive Wahrnehmung nachweisen.

Im Rahmen der Informations-Aufnahme und -verarbeitung nehmen viele Investoren Informationen derart subjektiv wahr, dass die Handlungen oder Ansichten des jeweiligen Investors bestätigt werden sollen.

Das bedeutet in der Praxis: Der Anleger sieht nur das, was er sehen will. Dies ist sehr gefährlich.

Denn: Eine wichtige Information kann dadurch bei 2 Investoren vollkommen unterschiedliche Bewertungen und darauf basierende Entscheidungen auslösen.

Die Fehler, die daraus bei Börsen-Geschäften entstehen, können sehr teuer werden.

Der Rückschau-Effekt

Auch der „Rückschau-Effekt“ ist ein ganz typisches Börsen-Phänomen.

Er beschreibt den Umstand, dass sich Menschen systematisch falsch an ihre Vorhersagen erinnern, nachdem das Ereignis eingetreten ist.

Im Ergebnis führt dies zu einer fatalen Überschätzung der eigenen Prognose-Fähigkeiten.

Dazu ein Zitat von Daniel Kahneman (der übrigens zusammen mit Amos Tversky 2002 den Wirtschafts-Nobelpreis erhielt):

„Wenn sich etwas ereignet, schaut es im Nachhinein immer so aus, als hätte es passieren müssen.“

Was er damit sagen will, ist, dass sich zu jedem Ereignis – egal, ob ein Aktienkurs steigt oder fällt – rückblickend ein scheinbar zwingender Grund erkennen oder konstruieren lässt.

Viele Investoren ärgern sich dann (völlig unberechtigt), dass sie nicht vorher entsprechend ge- oder verkauft haben.

Meine Empfehlung: Schreiben Sie bei Investitions-Ideen (egal ob Käufe oder Verkäufe) einige Stichpunkte auf (Vor- und Nachteile).

So erhalten Sie ein realistisches Bild, warum Sie an der Börse bestimmte Entscheidungen getroffen haben. Sie verhindern damit, dass Sie verpassten Chancen hinterhertrauern.

Oft ist es so, dass es für die konkrete Handlung gute Argumente gab und die Entscheidung aus damaliger Sicht richtig war. Dieses Wissen macht den Kopf frei für zukünftige Entscheidungen.

12. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.