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Erfolgreiche Übernahme-Investoren lassen Chancen auch einmal liegen

Spannende Übernahmen auf der einen Seite – hilfreiche Tipps zum Übernahme-Geschäft auf der Anderen.

Hier erfahren Sie regelmäßig, was gerade in der Gerüchteküche herumgereicht wird und worauf Sie unbedingt achten sollten.

In diesem Beitrag beantworte ich Ihnen die Frage: Wie reagiere ich auf Übernahme-Gerüchte richtig und wie auf Übernahme-Fakten?“

Dem entgangenen Gewinn nicht hinterhertrauern

Sie kennen es: Die Nachrichten-Portale sind voll mit Meldungen, dass ein Großkonzern wieder einmal einen kleineren Konkurrenten schlucken will und die Aktie 35% über dem Schlusskurs vom Vortag notiert.

Statt sich zu ärgern, dass Sie an dem Deal nicht beteiligt sind, ist es sinnvoller, sich zu fragen: „Gibt es vielleicht noch eine Gewinn-Chance nach dem 35%-Anstieg?“

Nicht selten steigen Aktien nach einem Übernahme-Angebot weiter.

Teilweise lohnt sich sogar noch der Einstieg, nachdem das Unternehmen bereits mehrheitlich vom Bieter kontrolliert wird.

Wer sich z. B. im Vorjahr in die DMG Mori-Übernahme einkaufte, der liegt heute über 40% im Gewinn. Die Aktie gehörte zu den Top-Performern im Mittelstands-Index MDAX.

Doch auch trotz des kräftigen Zugewinns: Verallgemeinert werden kann die Aussage natürlich nicht. Wie immer an der Börse, muss auch im Übernahme-Geschäft genau hingeschaut werden.


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Die Kunst, eine Chance liegen lassen zu können

2015 war gemessen am Übernahme-Volumen ein Rekordjahr. Wen wundert es, dass angesichts dessen auch die Anzahl falscher Gerüchte höher lag als üblich!?

Besonders in den USA musste sehr sorgfältig geprüft werden, wie glaubhaft ein Gerücht ist. Nicht selten können Gerüchte in kurzer Zeit als unwahr entlarvt werden – manchmal ist die Arbeit aufwendiger.

Wichtig ist, dass Sie immer darauf achten, wie sich Ihre Investition darstellt, wenn die Übernahme-Story sich als falsch entpuppt.

Achten Sie darauf, dass der fundamentale Rahmen dann auch noch stimmt und die Aktie auch ohne Deal kaufenswert ist.

Im Zweifel sollten Sie eine Übernahme-Chance liegen lassen. Nur Gerüchten hinterherzujagen wird nicht zum Erfolg führen.

Die Betrugs-Masche mit Penny-Stocks

Wie in fast allen Bereichen der Geldanlage, gibt es auch im Übernahme-Geschäft vereinzelt kriminelle Energien. Manchmal wird in Internet-Foren eine Übernahme-Story konstruiert, um den Aktienkurs zu pushen.

Das ist besonders bei Penny-Stocks (Aktienkurs unter 1 €) höchst gefährlich. Unter dem Vorwand, dass eine Übernahme kurz bevorsteht, werden ahnungslose Privat-Anleger in Unternehmen gelockt, die nur wenige Millionen wert sind.

Durch die künstliche Nachfrage explodiert der Kurs, die Betrüger steigen aus und Sie bleiben auf einem Verlust sitzen, der manchmal sogar 90% übersteigt.

Sie halten dann nichts als eine wertlose Hülle in den Händen.

Die Betrugs-Masche am Telefon

Wenn Ihnen unaufgefordert „heiße“ Übernahme-Tipps genannt werden, dann ist absolute Vorsicht geboten.

Immer wieder sind nämlich auch Betrüger unterwegs, die sich als bekannte Übernahme-Experten tarnen und Anleger in nicht einmal börsennotierte Titel locken.

Kaufen Sie niemals nach einem unaufgeforderten telefonischen Übernahme-Hinweis eine Aktie!

Wenn Sie nach den „Tipps“ auch noch unter Druck gesetzt werden, ist es fast immer ein Fall für die Kripo. Einige Betrüger haben sogar schicke Webseiten, um sich zu tarnen.

Gier ist gefährlich! Fragen Sie sich, welches Interesse eine unbekannte Person daran haben könnte, Ihnen kostenlos heiße Tipps zu nennen.

Wenn Sie auf etablierte, börsennotierte Übernahme-Kandidaten mit einer Marktkapitalisierung von 100 Mio. € oder mehr setzen, die täglich rege gehandelt werden, umgehen Sie dieses Problem.

Auch Übernahme-Fakten eignen sich nicht immer zum Einstieg

Nicht nur bei Gerüchten, auch bei Übernahme-Fakten sollten Sie vorsichtig sein. Wenn Sie das Gefühl haben, dass der Deal zu sehr abbruchgefährdet ist, dann steigen Sie aus.

Bei Pfizer/Allergan oder Canadian Pacific/Norfolk Southern hätte man an der großen Lücke zwischen Aktienkurs und Angebots-Preis erkennen können, dass die Deals gefährdet sind.

Als Faustformel gilt: Je größer die Lücke, desto unwahrscheinlicher die Übernahme. Sicher: Auch da gibt es Ausnahmen und viele andere Einfluss-Faktoren. Wenn einem die Sache zu heiß ist, dann lieber die nächste Chance nutzen und verkaufen.

Erfolgreiche Übernahme-Spekulanten sind geduldige Jäger und nicht bei jedem Gerücht dabei. Ruhe bewahren, sorgfältig die Sachlage prüfen und zuschnappen, wenn es etwas zu holen gibt – das macht aus Ihnen einen erfolgreichen Übernahme-Jäger.

11. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.