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Ermittlung kalkulatorischer Zinsen – die Benchmark zum Kapitalmarkt

Ein Unternehmer hat wie üblich Kapital (Eigenkapital + Fremdkapital) ins Unternehmen gesteckt und damit Investitionsprojekte finanziert. Daraus erhofft er sich nun Gewinne, die auch der Investition gerecht werden.

Anschließend erhält er einen Anruf seiner Bank, die ihm hingegen eine Kapitalmarktanlage zu einem bestimmten Zins anbietet.

Der Unternehmer ist verunsichert: War es richtig, das Kapital ins Unternehmen zu stecken, anstatt die Kapitalmarktanlage zu erwerben?

Die kalkulatorischen Zinsen geben Aufschluss darüber, welche Investition ertragreicher gewesen wäre.

Denn die kalkulatorischen Zinsen entsprechen den entgangenen Zinsen, wenn das Geld statt im Unternehmen am Kapitalmarkt angelegt worden wäre.

Diese Zinsen werden daher auch als Opportunitätskosten bzw. Kapitalkosten bezeichnet und sind dem betrieblichen Rechnungswesen zugeordnet.

Die kalkulatorischen Zinsen können demnach auch als Benchmark angesehen werden, die ein Unternehmer erreichen sollte, wenn das Kapital ins Unternehmen geflossen ist.

Wie werden die kalkulatorischen Zinsen berechnet?

Da die kalkulatorischen Zinsen sogenannte Opportunitätskosten sind, werden sie auch in die Kostenrechnung aufgenommen. Damit diese Zinsen nun errechnet werden können, wird zuvor das betriebsnotwendige Vermögen ermittelt.

Dieses besteht aus dem durchschnittlichen Umlaufvermögen und den kalkulatorischen Restwerten des Anlagevermögens, das um die nicht notwendigen Vermögensteile reduziert wird.

Mehr zum Thema: Umlaufvermögen – das ist der Unterschied zum Anlagevermögen

Dazu gehören beispielsweise vermietete Gebäude, stillgelegte Anlagen oder Wertpapiere.

Das damit errechnete betriebsnotwendige Vermögen wird anschließend um das nicht verzinsliche Kapital (Abzugskapital) wie Kundenzahlungen, Rückstellungen oder sonstige Verbindlichkeiten gekürzt.

Damit ergibt sich das betriebsnotwendige Kapital. Als letzter Schritt wird dieses nun mit dem vorher festgelegten Marktzins, der auf dem Kapitalmarkt erzielt werden kann, multipliziert, um so die kalkulatorischen Zinsen zu erhalten.

Daher ergeben sich die zwei folgenden Formeln:

Betriebsnotwendiges Kapital (BK) = betriebsnotwendiges Anlagevermögen (BAV) + betriebsnotwendiges Umlaufvermögen (BUV) – Abzugskapital (AK)

Kalkulatorische Zinsen (KZ) = betriebsnotwendiges Kapital * Marktzins (i)

Beispielrechnung eines kalkulatorischen Zinses

Ein Unternehmen möchte wissen, welchen Betrag es an kalkulatorischen Zinsen kostenrechnerisch einzutragen hat, um es dem eigenen Ertrag von 60.000 € gegenüberstellen zu können.

Als betriebsnotwendiges Umlaufvermögen wird dabei ein Wert von 600.000 € festgestellt. Das betriebsnotwendige Anlagevermögen beträgt 800.000 €, während das Abzugskapital mit nur 50.000 € zu Buche steht.

Damit ergibt sich für das betriebsnotwendige Kapital folgender Wert:

BK  = 600.000 + 800.000 – 50.000 = 1.350.000 €

Ferner geht das Unternehmen von einem Marktzins von 4% aus. Damit ergibt sich für die kalkulatorischen Zinsen folgender Wert:

Kalkulatorische Zinsen = 1.350.000 * 0,04 = 54.000 €

Die kalkulatorischen Zinsen betragen 54.000 € und liegen unterhalb des Ertrages vom Unternehmen. Damit ist die Bindung des Kapitals am Unternehmen ertragreicher, als wenn es am Kapitalmarkt angelegt worden wäre.

Mehr zum Thema: Kapitalmarkt – was oder wer gehört alles dazu?

Probleme bei der Ermittlung des kalkulatorischen Zinses

Wenn nicht gerade ein Angebot mit einem konkreten Zinssatz für eine Kapitalanlage der Hausbank vorliegt, muss der Marktzins vom Unternehmen selbst festgelegt werden.

Dies kann sehr subjektiv sein. Daher ist es möglich, dass das Unternehmen einen falschen Zins zugrunde legt und die Rentabilität des Kapitals am Kapitalmarkt unterschätzt wird:

Die Firma bindet das Kapital im eigenen Unternehmen, obwohl ein Investment am Kapitalmarkt ertragreicher wäre – und umgekehrt.

Daher sollte das Unternehmen, um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, immer über die aktuellen Marktzinsen informiert sein.

31. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.