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Es gibt Maßnahmen gegen feindliche Übernahmen

In der gestrigen Ausgabe habe ich die Funktionsweise und Technik einer freundlichen und einer feindlichen Übernahme näher erläutert.

Die heutige Ausgabe soll die Möglichkeiten der Gegenmaßnahmen einer feindlichen Übernahme erläutern.

Übernahme: Mannesmann durch Vodafone

Sie erinnern sich wahrscheinlich an die großen Werbekampagnen der Konzerne in den verschiedenen Medien. Das Ziel des Mannesmann-Managements war dabei, den Kaufpreis in die Höhe zu treiben, indem es das Angebot Vodafones als zu niedrig bezeichnete und den Aktionären dazu riet, das Übernahmeangebot nicht anzunehmen.

So besserte Vodafone sein Angebot von anfangs 100 Mrd. Euro immer weiter auf, bis sie bei 190 Mrd. Euro dann doch zum Zuge kamen und Mannesmann für einen kräftigen Aufschlag übernehmen konnten.


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Eine weitere Möglichkeit, einem unliebsamen Investor zuvorzukommen, ist die Suche nach einem „weißen Ritter“. Dabei sucht das Unternehmen selbst einen Investor.

Zwar wird in diesem Fall auch die Eigenständigkeit aufgegeben, allerdings kann das Management auf diese Weise gemeinsame Ziele in Bezug auf die Geschäftsstrategie, Produkte, Kosten oder Investitionen besser verfolgen. So fand beispielsweise 2006 Schering bei der versuchten feindlichen Übernahme durch Merck seinen „weißen Ritter“ in Bayer.

„Goldener Fallschirm“ versüßt dem Vorstand die Übernahme

Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, dass sich das Management seinen Arbeitsplatzverlust infolge einer unerwünschten Übernahme vergolden lässt. Mit einem „goldenen Fallschirm“ lassen sich Führungskräfte hohe Zahlungen in Form von Boni und Aktienoptionen vertraglich garantieren.

Dabei greift die Klausel nicht nur bei Übernahmen, sondern auch bei einer vorzeitigen Entlassung. So wurde Klaus Esser nach der Übernahme durch Vodafone mit einer Abfindung von 30 Mio. Euro in den Ruhestand geschickt. Eine Übernahme wird durch den „goldenen Fallschirm“ nicht verhindert und dient nur allein der üppigen Absicherung des Managements.

„Giftpillen“ können das Unternehmen unattraktiv machen

Als Abwehrmaßnahmen sind auch die so genannten „Giftpillen“ oft geläufig. Dabei wird versucht, das eigene Unternehmen für den Investor unattraktiv zu machen und so die Übernahme zu erschweren bzw. zu verhindern.

Dabei können unterschiedliche Strategien verfolgt werden. Eine Möglichkeit wäre, eine Kapitalerhöhung durchzuführen und stark in Unternehmensbereiche zu investieren, die für den interessierten Investor zwar unwichtig sind, für das Unternehmen selbst aber von strategischer Bedeutung sein können.

Auch Übernahmen von Konkurrenten sind denkbar, wie z. B. die Übernahme von Orange durch Mannesmann, um Vodafone abzuschrecken. Für Vodafone bedeutete dies eine zusätzliche Hürde, denn sie mussten Orange nach der Übernahme von Mannesmann aus kartellrechtlichen Gründen wieder abgeben und dafür große Verluste bei der Veräußerung in Kauf nehmen.

Generell besteht bei den „Giftpillen“ auch immer die Gefahr, dass sich die betroffenen Unternehmen selbst schaden und auch die Interessen der Aktionäre verletzen. Daher ist der Einsatz solcher Methoden natürlich sorgfältig zu prüfen, denn das Management muss abwiegen können, ob eine drohende Übernahme insgesamt vielleicht doch mehr Vorteile bringt, als die Selbstständigkeit durch verschiedene Gegenmaßnahmen zu wahren.

22. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.