Ethischer Hausbau: Mit Rücksicht auf unsere Welt & Menschen

Der Hausbau wird in Zeiten niedriger Zinsen als eine sinnvolle Kapitalanlage beworben. Dabei sollte man aber nicht vergessen, auf die Umwelt und Menschen Rücksicht zu nehmen.

Es gibt Regionen in Deutschland, wo die Nachfrage nach Neubauten gering ist; in den Metropolen der Bundesrepublik hingegen gibt es kaum noch bebaubares Land – oder nur zu exorbitanten Preisen. Auf der Suche nach günstigem Bauland vergessen einige Bauherren, ihr Haus ethisch und ökonomisch zu errichten. Wie sie das schaffen, ohne mehr als nötig auszugeben, erfahren Interessenten im Anschluss.

Der ethische Hausbau beginnt bei der Baufinanzierung

Die größte Hürde des modernen Häuslebauers ist die Baufinanzierung. Monatelang wird geplant und gerechnet, bis man endlich die passenden Ziffern parat hat: Die monatliche Summe, die man für die Finanzierung aufwenden kann. Anschließend muss man nur noch einen Kreditgeber finden.

Ein Großteil der Interessenten sucht bei der Baufinanzierung die Hausbank auf. Hier ist man jahrelang Kunde und erhält einen Kredit einfacher als bei anderen Anbietern. Es spricht aber einiges dafür, sich alle verfügbaren Angebote anzuschauen. Äußerst interessant: Die Ethikbank hat eine faire Baufinanzierung mit Ökobonus im Angebot. Der Geldbeutel des Verbrauchers wird entlastet, indem die Bereiche regenerative Energien, Energieeffizienz und ökologische Baustoffe gefördert werden.

Im Grunde bedeutet das: Wer sich Gedanken um die Umwelt und seine Mitmenschen macht, der wird von einem Förderbonus belohnt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein neues Haus baut, eine Bestandsimmobilie modernisiert oder ein vorhandenes Gebäude kauft beziehungsweise einen Kredit umschuldet.

Das energieeffiziente Haus

Die von der Ethikbank geforderten Bedingungen sind in keiner Weise utopisch, sondern werden von vielen Kreditgebern bereits gefördert beziehungsweise von einigen Häuslebauern freiwillig umgesetzt.

Eine gute Richtlinie beim Bau eines neuen Hauses ist das Effizienzlevel 85; diese Gebäude verbrauchen weniger Energie als ein konventioneller Neubau; das Effizienzlevel gehört bei vielen Fördermaßnahmen bereits zum Standard. Folgende Maßnahmen sind unter anderem nötig, um ein Effizienzhaus 85 zu bauen:

  • zweifach verglaste Fenster
  • gedämmte Außenwände
  • gedämmter Fußboden
  • Fußbodenheizung
  • Untersparrendachdämmung
  • Dämmung der obersten Geschossdecke
  • moderner Pelletkessel für Heizung

Diese Elemente gehören im 21. Jahrhundert längst zum Standard, können aber auch bei alten Immobilien nachgerüstet werden, damit sie ein Effizienzhaus 85 werden.

Wer der Umwelt wirklich etwas Gutes tun möchte, der plant seine Finanzen und versucht, einen noch besseren Standard zu erreichen:

  • Effizienzhaus 70
  • Effizienzhaus 55
  • Effizienzhaus 40

Diesen Standard erreicht man aber nur, wenn man zusätzlich regenerative Energien verwendet.

Der Einsatz regenerativer Energien

In den meisten Immobilien wird Heizenergie mithilfe von Gas oder Öl erzeugt. Laut dem BDEW wird in Deutschland fast zur Hälfte (47,8 Prozent) mit Erdgas und zu mehr als einem Viertel (26,8 Prozent) mit Erdgas geheizt.

Da es sich um endliche Ressourcen handelt, wird seit Jahren versucht, regenerative Energien durchzusetzen und zum Standard in neuen Gebäuden zu erklären. Um beispielsweise ein Haus mit dem Effizienzlevel 55 zu bauen, muss eine thermische Solaranlage installiert werden, die Warmwasser erzeugt und die Heizung unterstützt. Eine Alternative wäre die Verwendung einer Biomasse- oder Holzpelletheizung.

Noch höher sind die Anforderungen für das Effizienzhaus 40: Dieses muss luftdicht sein und ausschließlich regenerative Energien verwenden. Dabei können Häuslebauer zum Beispiel eine Solar- und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung einbauen sowie Holzpellets verwenden.

Grundsätzlich kann die regenerative Energie nach heutigem Stand in drei Kategorien eingeteilt werden:

  1. Solarenergie: Solarkollektoren auf dem Dach wandeln die Sonnenstrahlen in nutzbare Wärme oder Strom um. Nach Süden ausgerichtete Dachflächen sind ein Muss für die Nutzung von Solarwärme.
  2. Biomasse: Holz ist ein traditioneller Brennstoff, der zum effizienten, umweltfreundlichen Heizen aufbereitet werden kann. Dazu muss er in sogenannte Holzpellets verwandelt werden. Die Investitionskosten sind recht hoch, dafür sind die Einsparungen aber auch groß.
  3. Wärmepumpe: Heizungen mit Wärmepumpen sind heute technisch ausgereift und kommen in immer mehr Gebäuden zum Einsatz. Sie nutzen die Wärme der Umgebungsluft und fügen diese dem Heizkreislauf oder Warmwasser zu.

Welche regenerative Energie man verwendet, hängt vom Budget und dem Standort des Hauses ab. Ein Energieexperte sollte prüfen, welches System den größten Ertrag bringt und zum Budget der Häuslebauer passt.

Die Verwendung ökologischer Baustoffe

Das dritte Element des modernen Hausbaus ist die Verwendung ökologischer Stoffe. Der Bau eines Gebäudes ist mit einem großen Energieaufwand verbunden, der wiederum viele Emissionen verursacht.

Bei der Verwendung ökologischer Baustoffe muss nicht nur bedacht werden, ob es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt. Entscheidend sind auch Faktoren wie die Transportwege sowie der Energiebedarf zur Herstellung. Ein beliebter Kandidat ist Holz, welcher in den meisten Teilen der Welt in großen Mengen zur Verfügung steht.

Doch auch die Langlebigkeit darf nicht außer Acht gelassen werden. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, nachwachsende Rohstoffe wie Holz mit modernen Materialien wie Beton zu kombinieren, ist die Ansicht der Leiterin des Universitätslehrganges Nachhaltiges Bauen an der TU-Wien, Karin Stieldorf.

5. Juli 2017

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Markus Müller
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.

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