Euro-Rettung voran, so sieht es nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus. Davon aber haben wir als Investoren sehr wenig. Die Börse hat sich zunächst gefreut, aber: die Katastrophe bleibt damit nicht aus. Spätestens 2012 wird alles deutlich.
Märkte freuen sich über das Urteil - zunächst
Im Vorfeld wusste bereits nahezu jeder, wie das Bundesverfassungsgericht die Klage gegen den Euro-Rettungsschirm beurteilen würde: die Rettung ist rechtens, der Bundestag muss künftig aber mehr mit bestimmen dürfen. Politisch war kein anderes Urteil drin, so hieß es schon vorab. Nur:
Die Märkte freuen sich, die Aktienkurse zogen kurz an, die Kommentare sind wohlwollend. Eine Katastrophe kann dieses Urteil jedoch trotzdem oder gerade nicht verhindern. Der Staat ist jetzt freier darin, zu "helfen".
Diese Hilfe quasi an den Parlamenten vorbei aber wird teuer. Mehr als 200 Milliarden Euro schwer wird die Haftungsmasse alleine für Deutschland, so neueste Berechnungen. Mit ziemlicher Sicherheit wird es noch teurer.
Politik möchte "schnell" entscheiden
Die Regierung - oder auf europäischer Ebene Regierungen - möchten möglichst schnell entscheiden, hieß es im Vorfeld des Urteils. Im Krisenfall müssen sie schnell einspringen können ohne die parlamentarische Diskussion.
Mit anderen Worten: die Regierungen wollen freie Bahn. Das verstehe ich, nur: es geht um den Kern der Wirtschaft, die Währung. Hätten wir ein System freier Währungen - unabhängig von Staaten - würde sich die richtige Währung am Markt herausbilden.
Wer die beste Währung hat, auch lokal, wer das meiste Vertrauen genießt, kann sich mit einer solchen Währung durchsetzen. Da bei uns der Staat die Währung(en) vorgibt und zentral verwaltet, es also keinen Markt wie für alle anderen Waren gibt, müssen wir zumindest formal die Kontrolle über die Währung behalten dürfen. Sonst leben wir schlicht in einer Währungsdiktatur. Mit allen Folgen.
Anleihemärkte reagieren bereits...
Auch Investoren schwant schon Übles. Die vermeintlich gute Nachricht entpuppt sich als Einfallstor für weitere massive Einschnitte in die Wirtschaftsstruktur. Wenn Sie das "wahre Urteil" erfahren wollen, sehen Sie sich die Renditen der Staatsanleihen an.
- Alleine die griechischen Anleihen sind weiter abgestürzt. Nach dem Urteil fielen zwar die Renditen ausgehend von einem Rekordhoch zwar minimal von 19,86% auf 19,83%. Aber das sind Kleinigkeiten. Entscheidend ist: die Renditen sind auf Rekordhoch, die Kurse auf Rekordtief.
- Die nächsten Auktionen von Anleihen werden ähnlich ernüchternde Ergebnisse bringen wie die vergangenen. Spanien und Italien werden höhere Renditen zahlen müssen.
- Das Vertrauen in den Euro sackt auch durch solche Urteile weiter zusammen - auch die Banken misstrauen den staatlichen Lenkungskünsten. Die Einlagen der Banken bei der EZB nehmen zu - weil die Geschäftsbanken selbst zu viele Staatsanleihen im Portfolio haben und sich misstrauen.
GeVestor meint: Sie haben wahrscheinlich schon einige Kommentare zum Urteil des Verfassungsgerichtes gelesen. Je positiver diese sind, desto naiver - ich meine, hier haben die Staatsregierungen freie Hand für weitere enorme Fehler.
Das Gerichtsurteil zum Euro ist nicht etwa eine "Rettung", sondern beschleunigt die Katastrophe. Spätestens 2012 wird die Eurozone nicht mehr wieder zu erkennen sein. Schützen Sie sich wie gehabt: Investieren Sie in die richtigen Sachwerte.



