Der Kampf der Währungen, so könnte der Titel eines Films lauten, der seit einiger Zeit an den Devisenmärkten Einzug hält. Nur sind die Schauspieler, nämlich Euro und USD, beide nur B-Qualität.
Der Euro kämpft mit der Schuldenproblematik in Europa und den daraus resultierenden Abwertungen einiger Länder durch Ratingagenturen. Der USD kämpft nun ebenfalls mit der gleichen Problematik, denn die USA sind hoch verschuldet. Sogar weitaus mehr als die Euroländer.
Demnach war es auch keine Überraschung, dass der Euro nicht abstürzte bzw. beerdigt wurde, wie das so einige „Untergangspropheten“ kolportiert hatten.
Also, 2 schlechte Darsteller, die sich beide in ihren Fehlern nichts nachstehen. Das führt logischerweise zu keiner dominierenden Währung, sondern lediglich zu sporadischen und wechselseitigen Phasen, welche durch jeweils aktuelle Fehlererkennung ausgelöst werden.
Eine Währung, die mit einem erstklassigen Schauspieler daherkommt, ist der Schweizer Franken. Er hat versus Euro und USD jeweils gut zugelegt. Aber das ist ein anderes Thema.
Um der Sache charttechnisch auf den Grund zu gehen, schauen wir uns zunächst das kurzfristige Bild an und nehmen dazu den 8-Monatschart unter die Lupe.

100 Euro in USD, 8-Monatschart
Kurzfristiger Aufwärtstrend gebrochen
Dezember/Januar hat der Euro gegenüber dem USD eine Bodenformation in Form eines W gebildet (rotes W). Derartige Umkehrformationen sind meist recht stabil und haben zu einem schönen Anstieg (blauer Trendkanal) im Euro geführt.
Ich denke, da waren und sind auch eine Menge „Euro-ist-tot“-Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt worden und mussten noch ihre Shortpositionen eindecken, um keine Riesenverluste einzufahren.
Anfang Mai war dann Schluss mit dem Anstieg des Euro. Auslöser erneut die zum x-ten Male wieder aufkeimende Schuldenproblematik. Der aufsteigende Trendkanal wurde dabei nach unten verlassen.
Gute Unterstützung bei 1,42 USD
Halt bot dann die massive Unterstützung bei etwa 1,42 USD (obere grüne Horizontale), welche schon das ehemalige Doppeltopp aus der umgekehrten W-Formation von Oktober/November 2010 (rotes M) als markante Marke bedingte. Eine sehr feste Unterstützung liegt bei etwa 1,30 USD (untere grüne Horizontale).
Doch diese Marke sollte uns in nächster Zeit eher nicht interessieren. Aus dem Kurzfristchart ist nicht weiter viel abzulesen, außer vielleicht einem kleinen Kaufsignal durch den MACD-Indikator (hellroter Doppelpfeil). Der MACD-Indikator (rot-schwarzer Kurvenverlauf unterhalb des Chartbildes) gibt gute Signale für überkaufte und überverkaufte Situationen.
Längerfristiger Chart deutet auf wichtige Widerstandszone
Um den Kurzfristchart zu bestätigen und die Ziele zu definieren, ist ein Blick auf den längerfristigen 3-Jahreschart sinnvoll.
Der 3-Jahreschart:

100 Euro in USD, 3-Jahreschart
Dem USD hilft der langjährige Chart, …noch…
Über 20% konnte der Euro seit Mitte letzten Jahres zulegen. Das war übrigens die Zeit, als der Euro für tot erklärt wurde. Doch Totgesagte leben länger!
Wir erkennen zunächst einmal den übergeordneten großen breiten Abwärtstrend (rote Trendlinien). Die obere Begrenzungslinie liegt mittlerweile nur noch bei etwa 1,44/45 USD und wurde jüngst überschritten.
Dieser Abwärtstrendkanal besteht seit mehr als 3 Jahren und gerät nun zunehmend in Gefahr!
Sollte der Euro den Ausbruch signifikant gestalten können, dann ist der jahrelange Abwärtstrend des Euro versus dem USD passè und eine neue Ära der Bewertung wird beginnen! Helfen könnte dabei die USA-eigene Schuldenkrise sowie die recht stabile Konjunktur der Europa-Kern-Länder.
Dazu muss aber zunächst der starke horizontale Widerstand bei 1,45 USD aus dem Weg geräumt werden (grüne Horizontale und Pfeile). Dies ist mit Sicherheit ein längerwieriges Unterfangen und muss genau beobachtet werden, bevor Longpositionen in eine Bullenfalle geraten.
Prognose:
Fazit: Euro und USD…zwei Patienten…wer wird schneller gesund?
Beide Währungen haben ihre hausgemachten Probleme. Mal wird durch neue Meldungen oder Daten die Eine, mal die Andere Währung in den Fokus geraten.
Die entscheidende Frage wird sein:“Wer schafft es, schneller gesund zu werden? Wer schafft es, die Schuldenproblematik schneller zu beheben?“
Und da sehe ich in der Euro-Zone einen entscheidenden Vorteil. Denn die Probleme sind bereits länger erkannt und man befindet sich in Europa schon in der Lösungsphase. Die USA haben gerade einmal damit begonnen, zu realisieren, wie groß denn das Problem eigentlich ist.
So gesehen sehe ich durchaus eine gewisse Chance, dass der Euro den langjährigen Abwärtstrend beendet und in eine neue Phase eintritt.
Die Widerstandszone ist gewaltig und daher sollten Longpositionen frühestens aufgebaut werden, wenn die Zone signifikant durchbrochen wurde.
Zurzeit gilt: „Stand aside!“



