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Buch-Rezension: Europa und der unsichtbare Krieg

Es gibt Krieg in Europa, vor unser aller Augen und doch so gut wie unsichtbar: Diese These stellt Heiner Mühlmann in seinem neuen Buch „Europa im Weltwirtschaftskrieg“ auf und kritisiert dabei den Tatort des Geschehens – den Finanzmarkt.

Kriege werden ausschließlich mit Panzern, Raketen und Bodentruppen geführt und gewonnen. Diese Ansicht mag nach wie vor für die meisten der weltweiten kriegerischen Auseinandersetzungen zutreffend sein. Doch mitten in Europa, obgleich es friedlich und einheitlich erscheinen mag, tobt ein fast unsichtbarer Krieg vollkommen anderer Art.

Heiner Mühlmann, ein Kulturtheoretiker mit ungewöhnlich weitem Wirkungsspektrum, widmet sich in seinem neuen Buch „Europa im Weltwirtschaftskrieg. Philosophie der Blasenwirtschaft“ eingehend dieser neuen Art von Konflikt und analysiert die Strategien und Taktiken, die dabei zur Anwendung kommen.

Wie Gefahren hochspekulativer Finanzinstrumente bewusst eingesetzt werden

Wie schon der einleitende Klappentext des Werkes erläutert, liegt eines seiner Hauptaugenmerke dabei auf den beiden Finanzintrumenten CDS (Credit-default-swaps) und OTC (Over-the-counter). Der Autor sieht darin die neuen „Waffen“ der internationalen Akteure.

Er begründet seine Sichtweise mittels Darstellung und genauer Besprechung der Auswirkungen solcher Geschäftsmechaniken und kommt zu dem Schluss, dass der moderne Finanzmarkt über Systematiken verfügt, die wissentlich und kalkuliert großen Schaden am wirtschaftlichen System anderer Länder anrichten können. Aus diesem Grund fallen sie für Heiner Mühlmann in die Kategorie der Waffen, die in diesem Weltwirtschaftskrieg eingesetzt werden.

Der Begriff Massenvernichtungswaffen würde es wohl noch besser treffen, denn gerade hochspekulative Finanzinstrumente lassen dem Autor zufolge nur einen begrenzen Raum für berechenbare Verluste. Ein Großteil ihrer Zerstörungskraft entspringt ihrer Unvorhersehbarkeit, mit anderen Worten: dem Zufall.

Der unkontrollierbare Zufall als Sprengstoff der „Finanzwaffen“

Aus dieser Beobachtung leitet der Autor einen weiteren Schlüsselbegriff ab und zwar den der „Tychetechnik“. Entlehnt vom altgriechischen Wort für Zufall (‘tyche‘) bezeichnet Mühlmann damit jenes geldwirtschaftliche Kriegshandwerk, das in unkontrollierbarer Weise Verluste und Chaos anrichtet, da es sich des Zufalls als Funktionsprinzip bedient.

Man könnte auch sagen: Der bewusst in Kauf genommene Zufall und die mangelnde Kontrolle entsprechen bei diesen Finanzwaffen dem Sprengstoff herkömmlicher Bomben. Den Ansichten des Autors folgend werden diese Bomben schon seit vielen Jahren regelmäßig im Kampf um die wirtschaftliche Vorherrschaft im europäischen Finanzraum eingesetzt.

Aus der detaillierten Auswertung verschiedener wirtschaftrelevanter Ereignisse und Krisen der letzten Jahre leitet Mühlmann so insgesamt 15 verschiedene Tychetechniken ab und erläutert deren Funktionsweise.

Europa im Weltwirtschaftskrieg: Unser Fazit

Ganz unzweifelhaft reiht sich Heiner Mühlmann mit seinem Buch „Europa im Weltwirtschaftskrieg“ in die lange Liste der Autoren ein, die im modernen Finanzmarkt großes Unheil und noch größere Schäden auf die europäische Gesellschaft zukommen sehen.

Erfrischend und lehrreich ist jedoch, dass es Mühlmann versteht, neuartige Erklärungen für die altbekannte Schadhaftigkeit hochspekulativer Finanzinstrumente zu finden. Zudem zieht er Querverweise und Herleitungen aus diversen geisteswissenschaftlichen Fächern heran, die verblüffen. Wie zum Beispiel in einem Exkurs über die aristotelischen Kategorien im 2. Kapitel.

Doch die fast universale Gelehrsamkeit des Autors hat auch Nachteile. So bedient sich Mühlmann einer Fülle von wissenschaftlichen und technischen Fachbegriffen, die sicherlich nicht jedem Leser verständlich und eingängig erscheinen werden. Ein bisschen gewinnt man den Eindruck, der Autor schreibe ausschließlich für ein akademisches Publikum, das mindestens Studien der Philosophie, Altphilologie und Wirtschaftshistorie vorweisen kann.

Wer aber dennoch bereit ist, sich Mühlmanns komplexe und teilweise ausholende Gedankengänge zu erschließen und eventuell den ein oder anderen Fachterminus nochmal anderweitig nachzuschlagen, dem bietet die Lektüre des Buches einen faszinierende und äußerst erhellenden Einblick in die schadhaften Techniken der europäischen Krise.

Über den Autor:

Dr. Heiner Mühlmann promovierte an der Universität München, woraufhin er mehrere Angebote zu Forschungsstipendien erhielt und einen Lehrauftrag an einer Pariser Universität annahm. Sein damaliges Forschungsgebiet war Humanistische Rhetorik und Rechtsphilosophie.

Seine Habilitation erfolgte an der Universität Wuppertal zum Thema „Katastrophentheorie, Graphentheorie und Architektur“. Schon an diesen beiden Auszügen erkennt man, über welch breites Spektrum an Interessens- und Schaffensgebieten Dr. Mühlmann seit Beginn seiner akademischen Karriere verfügt.

Heute ist er Inhaber einer Professur am Institut für Design und Technologie an der Züricher Hochschule der Künste, dozierte jedoch als Gast auch an anderen Instituten, darunter in Münster und Karlsruhe.

Dr. Heiner Mühlmann ist zudem Autor zahlreicher Publikation zu verschiedensten Themengebieten. Besondere Beachtung fanden seine Werke „Natur der Kulturen“ (1996), „Ästhetische Theorie der Renaissance“ (2006), „Jesus überlistet Darwin“ (2007) sowie zuletzt „Countdown – drei Kunstgenerationen“

Das Buch ist im Wilhelm Fink Verlag erschienen und kostet 24,90€.

13. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.