von Jens Gravenkötter

Europa im Übernahme-Rausch: Deal-Volumen steigt im zweiten Quartal um 44%

Europäischer Übernahme-Markt nimmt Fahrt auf

Europäischer Übernahme-Markt nimmt Fahrt auf

Der Übernahme-Sensor hat Ihnen vor wenigen Tagen beschrieben, dass die Einigung im griechischen Parlament zu mehr Vertrauen und größerer Übernahme-Aktivität in Europa führen wird. Die aktuellen Statistiken zeigen, dass das Deal-Volumen bereits deutlich zugenommen hat und 2011 an die alten Rekordjahre anknüpfen kann.

Insgesamt liegt das aktuelle Deal-Volumen 44% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Deals im Gesamtvolumen von 164,9 Mrd. Euro wurden im zweiten Quartal 2011 abgeschlossen – der höchste Quartalswert seit Ende 2008.

Europa-Anteil steigt

Weltweit spielt Europa in Sachen Übernahme eine zunehmend wichtige Rolle. Nach dem Absturz der Aktivitäten durch die Finanzkrise, stammt jetzt wieder fast ein Drittel des Deal-Volumens aus Europa.

Das größte Deal-Volumen stammt weiterhin aus den USA. Dort hat die Übernahme-Aktivität in den ersten 5 Monaten um 39% zugenommen. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung mit einer verbesserten konjunkturellen Wirtschaftslage nicht nur anhält, sondern sich weiter beschleunigen wird.

T-Mobile mit Abstand der größte Deal

Die größte Übernahme mit europäischer Beteiligung war der Deal zwischen T-Mobile USA und AT&T mit einem Volumen von 39 Mrd. Dollar. Bei den 10 größten Übernahmen aus dem ersten Halbjahr 2011 sind 3 europäische Unternehmen Übernahme-Ziele gewesen: T Mobile USA (Tochtergesellschaft der Telekom), Synthes (20 Mrd. $) und MAN (14 Mrd. $).

Insgesamt geht der Trend wieder zu größeren Deals. Bei den Mega-Deals (größer 10 Mrd. Dollar) beträgt das Plus im ersten Halbjahr 65%. Auch die durchschnittliche Dealgröße hat mit einem Anstieg von 45% deutlich zugelegt.

Übernahmen sinnvoll: Europäische Unternehmen sollten mehr Mut haben

57% des Deal-Volumens sind auf außer-europäische Käufer zurückzuführen. China und die USA engagierten sich besonders stark und nutzten die günstigen Bewertungen für Übernahmen. Auch die europäischen Unternehmen sollten wieder mehr Mut fassen und auf den Heimatmarkt zukaufen.

Die Voraussetzungen für eine inner-europäische Übernahme-Welle sind gegeben. Hohe Cash-Bestände, billiges Geld, günstige Börsenbewertung und eine Stabilisierung des Wachstums in den europäischen Kernländern machen Übernahmen attraktiv. Wer zu lange wartet, wird im Rennen um Marktanteile zurückfallen – denn die begehrtesten Unternehmen sind als erstes vom Markt.

Französische Übernahme-Kandidaten besonders begehrt

Ein Blick auf die Herkunft der Übernahme-Ziele zeigt, dass Investoren besonders gerne in Frankreich zugeschlagen haben. Französische Unternehmen im Gesamtwert von  knapp 50 Mrd. Euro wechselten im ersten Halbjahr 2011 den Besitzer. Damit hat sich das Volumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt.

In Deutschland und Spanien stieg das Übernahme-Volumen um rund 60%. Mit 44 Mrd. Euro rangiert Spanien dabei noch vor Deutschland (37 Mrd. Euro). In der zweiten Jahreshälfte sollte sich die positive Entwicklung weiter fortsetzen und eine Investition in Übernahme-Kandidaten noch attraktiver machen.

 
 
Bildquelle: LosRobsos - Fotolia

Autor:

Jens Gravenkötter

Spezialgebiet von Jens Gravenkötter sind Firmenübernahmen.

Jens Gravenkötter informiert Sie über anstehende Firmenübernahmen und Übernahmen im täglich kostenlosen Newsletter Übernahme Sensor.