Europas Schuldenkrise: Das ist eine clevere Idee zum Gegensteuern

Verschuldung, Staatsbankrott und Bankenpleiten. Das Thema steht derzeit weniger im Fokus, obwohl die Probleme in Europa weiterschwelen. Ging es lange Zeit um Griechenland, die EZB mit ihren Anleihekäufen und den Rettungsschirm ESM, bereitet derzeit gerade Italien Sorgen.

Und Sorgen gibt es ohnehin genug im gemeinsamen Währungsraum. Die befürchtete Deflation etwa, welche die Wirtschaft zu ersticken drohte, weil alle ihr Geld zurückhalten. Jetzt zieht die erwartete Inflation wenigstens wieder an. Doch halt, wie war das noch mit der befürchteten Inflationsunion Europa?

Inflationsunion Europa – Schreckgespenst im Schlafmodus

Der Begriff machte bis etwa 2012 die Runde. Eine Inflationsunion Europa erklärt sich im Zusammenhang mit der Eurozone und den Zerreißproben durch die unterschiedliche Wirtschaftsleistung und Verschuldung der beteiligten Länder. Das Ganze wird durch zwei Grundgedanken geprägt.

Erstens: Im Euroraum befinden sich zu unterschiedliche Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkulturen. Für solidere Länder ist der Euro zu schwach, für die anderen zu stark. Griechenland z.B. hat damit keine Möglichkeit, sich durch Abwertung einer eigenen Währung wettbewerbsfähiger zu machen. Auch konnte es mit niedrigen Euro-Zinssätzen immer mehr Schulden aufbauen. Die Immobilienkrise in Spanien wäre ohne die günstigen Zinsen ebenfalls nicht möglich gewesen.


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Zweitens: Durch die Einheitswährung entfällt der Druck, Reformen einzuleiten und Schulden zu begrenzen. Erst recht nicht, wenn die EZB deren Anleihen in nahezu unbegrenzter Höhe kauft. Und weil gerade die Deutschen beim Gelddrucken eher zurückhaltend sind, kam hierzulande die Befürchtung auf, dass sich die Währungsunion in eine Inflationsunion Europa verwandelt.

Von der Transfer- zur Haftungs- zur Inflationsunion

Bei genauer Betrachtung gehen einer Inflationsunion zwei Stufen voraus. Zuerst die Transferunion, bei der es zu einem automatischen Finanzausgleich unter den beteiligten Ländern kommt. Dabei entsteht wie beim Länderfinanzausgleich innerhalb Deutschlands der Streit, ob Hilfen eher zum Ausruhen animieren. Die Eurozone ist zwar nicht als Transferunion aufgebaut, doch droht die Gefahr, dass sie aus dem Zwang Pleiten abzuwenden zu einer Art Gewohnheitsrecht wird.

Die gesteigerte Variante ist die Haftungsunion, bei der Anleihen der Euroländer gesamtschuldnerisch garantiert werden. Damit können sich auch Schuldenstaaten mit billigem Geld versorgen. Das Mittel dafür wären Eurobonds als Gemeinschaftsanleihe. Sie existieren bislang nur als heftig umstrittene Idee. Ihr Vorteil: Sie würden ein Auseinanderbrechen der Eurozone verhindern, was Deutschland unter Umständen teurer kommen könnte als der Nachteil: ein Zinsaufschlag von über 2 Prozentpunkten. Der aber wäre sofort Realität.

Der Wertverlust von Staatsanleihen wiederum führt zu Geldabwertung und Inflation. Die Folgen einer Inflationsunion Europa wären laut Schulbuchszenario die Flucht in Gold und Immobilien sowie das Andrehen einer Preisspirale.

Es geht aber auch anders 

All das ist zwar nicht eingetreten, doch die Gefahr ist ebenso wenig aus der Welt, wie es konkrete Alternativen von Seiten der Politik gibt. Nur einer hat sich etwas gegen ausufernde Schulden ausgedacht: Clemens Fuest, Leiter des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts in München.

Sein Vorschlag: nachrangige Staatsanleihen. Diese Anleiheform gibt es bisher nur bei Unternehmenstiteln. Sie haben lange Laufzeiten und sind sehr hoch verzinst. Dafür werden Anleger im Konkurs nach allen anderen Gläubigern bedient. Das Prinzip: Wenn mit steigender Verschuldung immer höhere Zinsen zu zahlen sind, wird es schwerer, Investoren zu finden.

Dabei hat Fuest ein Stufenmodell im Sinn: Ab einer Neuverschuldung von 0,5% kann ein Staat nur noch nachrangige Anleihen ausgeben. Steigt die Schuldenquote über 120%, werden die Zinszahlungen ausgesetzt. Und bei der Flucht unter den ESM-Rettungsschirm fällt die Anleihe aus.

Außerdem können derartige Anleihen nicht von der EZB aufgekauft werden. Damit trägt dann nicht mehr der Steuerzahler, sondern der Gläubiger das Risiko. Und die Schuldenstaaten können das Problem nicht mehr so einfach ignorieren. Ob sich Clemens Fuest mit seiner Idee durchsetzen und Investoren eine neue Anlageform bescheren wird, bleibt nach den bisherigen Erfahrungen allerdings fraglich.

5. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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