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EZB-Tender

Die Europäische Zentralbank kann wie jede andere Zentralbank auch die Geldmenge im Wirtschafts-Kreislauf steuern.

Dafür stehen ihr verschiedene Instrumente wie etwa die Festlegung des Leitzinses zur Verfügung.

Regelmäßig führen die Zentralbanken auch sogenannte Tender durch, bei der Europäischen Zentralbank geschieht das wöchentlich.

Banken kaufen oder verkaufen Wertpapiere

Im Prinzip und einfach gesagt ist der Tender ein Angebot, auf das Banken reagieren können aber nicht reagieren müssen.

Dabei bietet die Zentralbank an, entweder Wertpapiere von Banken aufzukaufen oder Wertpapiere an Banken zu verkaufen.

Kaufen Banken bei der Zentralbank Wertpapiere, so sinkt die Menge an Geld, die in der Wirtschaft im Umlauf ist, kann also von den Banken nicht mehr zur Vergabe von Krediten an Unternehmen verwendet werden.

Verkaufen die Banken Wertpapiere an die Zentralbank, so bekommen sie dafür Zentralbankgeld, das sie für solche Kredite und Investitionen nutzen können.

Verschiedene Laufzeiten

Die Geschäfte, die so zwischen der Zentralbank und Banken zu Stande kommen, haben verschiedene Laufzeiten.

Dabei ist der Haupttender das hauptsächliche Refinanzierungs-Geschäft der Banken. Es findet wöchentlich statt und hat auch eine Laufzeit von einer Woche.

Der Basistender schreibt längere Laufzeiten für solche Geschäfte aus – i. d. R. von zwischen drei Monaten und 1 Jahr.

Tender in der Eurokrise

Die Summe des Zentralbank-Geldes ist gewöhnlich begrenzt und die Banken müssen dafür in Konkurrenz untereinander bieten – so entsteht die Höhe der Zinsen, die Banken dafür bezahlen müssen.

Das schränkt die Nachfrage quasi automatisch ein und ist die Stellschraube, mit der die Zentralbank die Menge des Geldes über den Umfang der zu Stande kommenden Geschäfte steuern kann.

Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, den Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Euro-Staatsschuldenkrise ab 2010 hat die Europäische Zentralbank Sondertender angeboten.

Nach dem Motto besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen hat sie die Geldschleusen über bestimmte weit geöffnet.

Das Ziel war es, das Finanzsystem damit zu schmieren, damit die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen nicht ins Stocken geriete.

Mehr dazu: EZB pokert hoch: Staatsanleihen-Kauf ohne Obergrenze

Der 3-Jahres-Krisen-Tender

Zu diesem Zweck flutete die Zentralbank die Märkte gleich 2-mal mit billigem Zentralbank-Geld. Sie bot Geschäfte mit einer Laufzeit von 3 Jahren an – zu einem Zinssatz von 1%, was unterhalb der Inflation lag.

Banken bekamen so viel Geld, wie sie wollten. Begrenzt war die Menge nur durch die Sicherheiten, die die Banken für das Geld bei der EZB hinterlegen mussten, also die Menge an Wertpapieren, die sie der EZB zumindest formal verkauften.

Denn in der Krise hatten sich die Banken untereinander nicht mehr getraut – sie liehen sich untereinander kaum mehr Geld.

Risiko der Inflation

Allerdings bemängeln Kritiker, dass mit diesen Aktionen auch das Risiko einer Inflation im Euro-Raum gestiegen sei.

Denn wenn solche Mengen wirklich in den realen Wirtschafts-Kreislauf geraten, treibt es der Theorie nach die Preise in die Höhe.

Staatsfinanzierung durch die Hintertür?

Der erwünschte und angenehme Nebeneffekt des Notenbank-Geldes: Die Banken haben das Geld Geld auch in Staatsanleihen aus Krisenstaaten investiert – daher sanken die Kosten für die betroffenen Staaten.

Für die Banken war das wiederum ein lohnendes Geschäft – denn wenn sie sich das Geld zu einem Prozent bei der EZB holen und dafür drei bis 4% von den Staaten bekommen, steigt ohne Anstrengung ihr Gewinn.

10. Dezember 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.